Grund zum Feiern: 720 Jahre Duderstädter Schützengesellschaft – Historischer Rückblick und aktuelles Programm

Die Schützengesellschaft der Stadt Duderstadt seit 1302 e.V. feiert 2022 nicht nur ihr erstes Schützenfest nach zweijähriger pandemiebedingter Pause, sondern auch ihr 720-jähriges Bestehen. Mit Vorfreude planen die Schützen das Festprogramm, das mit Umzügen, Musik und Aktivitäten auf dem Festplatz an der Talwiese vom 8. bis 12 Juli 2022 stattfinden soll.

 

Die Duderstädter Symbolfigur Anreischke ist bei jedem Schützenumzug dabei (Foto: Schützenarchiv Duderstadt)

 

„Die Pandemie hatte glücklicherweise keine Auswirkungen auf unsere Mitgliederzahl in Form von Austritten. Aber die sonst erfolgte Neugewinnung von Mitgliedern über die Schützenfesttage ist über zwei Jahre nicht möglich gewesen“, zeigt sich Schützenhauptmann Hans-Georg Kracht erleichtert, dass es 2022 endlich wieder ein Schützenfest geben kann. Man hatte zwar bei den Planungen Vorkehrungen im Blick, sollte sich die Pandemielage wieder deutlich verschlechtern, aber bisher gebe es keine Einschränkungen.

 

Schützenhauptmann Hans-Georg Kracht (r.) und Ehrenmitglied des Deutschen Schützenbundes Dr. Hermann Tallau

 

Traditionell wird der Beginn des Schützenfestes am Freitagabend vor dem zweiten Juliwochenende von der Rathauslaube ausgerufen. Mit Umzügen, Wettbewerben, Live-Musik und Fahrgeschäften, Ehrungen und Proklamationen der neuen Könige wird das Duderstädter Schützenfest nach fünf Tagen mit einem Höhenfeuerwerk am Dienstagabend auf dem Schützenplatz an der Talwiese beendet.

In der Bürgerschaft und im kulturellen Leben Duderstadts sind die Schützen fest verankert, auch wenn sie heute nicht mehr die Stadt vor Eindringlingen beschützen müssen. Das zeigt ein Blick in die Geschichte bis zur Gegenwart:
Schon vor 1302, dem genannten Gründungsjahr der Schützengesellschaft der Stadt Duderstadt e.V., machten sich Duderstädter Bogenschützen auch über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen und wurden in Zusammenhang mit den Thüringer Kriegen erwähnt. Aus dem Jahr 1302 ist jedoch die erste Urkunde über ein Hirsch-, Scheiben- und Vogelschießen erhalten. Der älteste Nachweis von Duderstädter Armbrustschützen ist im städtischen Rechnungsbuch von 1397 verzeichnet.

 

Armbrust im Duderstädter Schützenmuseum

 

Um 1400 wurden erste Feuergeschütze zur Stadtverteidigung angeschafft. Die „Dicke Grete“, so der Name der 1650 Kilo schweren „Donnerbüchse“, konnte 75 Kilo schwere Steinkugeln den Gegnern entgegenschleudern. Ein paar dieser Exemplare sind heute noch im Schützenmuseum am Westerturm-Ensemble zu sehen.

 

Duderstädter Schützenmuseum: Steinkugeln als Geschosse der frühen Feuerwaffen

 

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Schützen fest in der Gesellschaft etabliert. Beim Schützenfest 1803 wurden über 100 Bürgerzelte auf der Talwiese gezählt. 1862 wurde ein erstes massives Schützenhaus gebaut, der sogenannte „Rinderstall“. Ein Neubau folgte 1902 zu den großen Feierlichkeiten aus Anlass der 600-Jahr-Feier der Schützengesellschaft.

 

Im Vordergrund moderne Hightech am heutigen Schießstand – im Hintergrund ein lebensgroßes Foto des historischen „Rinderstalls“

 

Zum 1000-jährigen Gründungsjubiläum der Stadt Duderstadt im Jahr 1929 halfen die Schützen bei der Organisation des großen Festumzuges und waren dort natürlich auch selbst in historischen Trachten vertreten.

 

Die Schützen beteiligen sich am Festumzug zur 1000-Jahr-Feier der Stadt Duderstadt im Jahr 1929 (Foto: Schützenarchiv Duderstadt)

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte 1948 wieder ein erstes Schützenfest stattfinden. 1962 wurde die Damenabteilung gegründet, und 1985 kehrte man mit der Sparte der Bogenschützen wieder zu den Wurzeln zurück – nun allerdings mit modernen Sportbögen. 2002 wurde das 700-jährige Jubiläum der Schützengesellschaft groß gefeiert.

 

Schützenumzug zum 700-jährigen Jubiläum der Duderstädter Schützengesellschaft 2002 (Foto: Schützenarchiv Duderstadt)

 

Heute ist die Tradition der Duderstädter Schützen auch außerhalb der Schützenfeste vielerorts sichtbar. Zwar wurde das stark sanierungsbedürftige Schützenhaus (Bj. 1902) an der Talwiese von seinem neuen Besitzer, dem Ottobock-Chef Hans Georg Näder, 2018 abgerissen, doch an seiner Stelle wurde 2019 erneut ein „Rinderstall“, eine außergewöhnliche Event-Gastronomie mit idyllischem Biergarten, aufgebaut.

 

Rinderstall, Schießstand und Ballhaus am Schützenteich

 

Der am „Rinderstall“ angrenzende Schießstand der Duderstädter Schützen wurde ebenfalls grundlegend saniert, und gegenüber wurde der neu angelegte Schützenteich in direkter Nachbarschaft zum Schützenplatz der Stadt Duderstadt übergeben – im Rahmen der Geburtstagsfeierlichkeiten 2021 des Spenders Hans Georg Näder.

 

Trainingsmöglichkeiten am Schießstand

 

*

 

Auch in der Duderstädter Innenstadt ist die Schützengeschichte vielerorts präsent. Im Juli 1997 hat die Schützengesellschaft den Schützenbrunnen in der oberen Marktstraße feierlich an die Stadt Duderstadt übergeben. Anlass für dieses durch private Spenden finanzierte Geschenk an die Bürgerinnen und Bürger war das Jubiläum „750 Jahre Duderstädter Stadtrechte“. Der Schützenbrunnen entstand in der Werkstatt des Bildhauers Rudi Pabel in Kaiserslautern. Während der 700-Jahr-Feier der Duderstädter Schützengesellschaft wurde 2002 der Brunnen um die davor stehende Bogenschützin ergänzt.

 

Schützenbrunnen in der oberen Marktstraße

 

2011 wurde die Erlebnisstation Westerturm-Ensemble unter dem Titel „Stadtluft macht frei“ mit integriertem Schützenmuseum eröffnet. Das Konzept dazu stammte von den Duderstädter Historikern Maria und Reinhard Hauff und wurde nach den Plänen des Berliner Architekten Rolf Gnädinger umgesetzt. Initiator und Sponsor war ebenfalls Hans Georg Näder.

 

 

Futuristische Goldfassade an historischer Bausubstanz am Schützenmuseum

 

Am historischen Gebäude kommt eine Goldfassade futuristisch und dennoch harmonisch zur Geltung und lässt erahnen, dass auch das Innenleben des Westerturm-Ensembles keineswegs muffige Museumsluft erwarten lässt. An multimedialen Stationen ist Spannendes über die mittelalterliche Stadtverteidigung zu erfahren. Wer seine eigene Treffsicherheit überprüfen möchte, hat die Wahl: an der Armbrust oder am Gewehr kann per Laser auf den Schützenvogel geschossen werden. Auch ein Stück der Stadtmauer ist ins Museum integriert, wo einst die Wachen standen, um Stadt und Familie vor möglichen Feinden zu verteidigen.
Zudem ist der Westerturm fast bis zur gedrehten Dachspitze hinauf über das Schützenmuseum begehbar. Das Stück Stadtmauer am ehemaligen Bachmannschen Haus ist von einer Glaskonstruktion des Göttinger Architekten Jochen Brandi überdacht. Hier gibt es interessante Einblicke in die historische Bausubstanz.

 

Westerturm-Ensemble: Gläsern überdachte Stadtmauer

 

Auch die Ausstellungsebenen im historischen Rathaus sind thematisch und konzeptionell mit dem Westerturm-Ensemble verknüpft. Anhand kostbarer Exponate lässt sich die jahrhundertelange Verbundenheit des Duderstädter Rates mit seinen Schützen nachvollziehen.

 

Rathaus Duderstadt Ausstellungsbereich
Rathaus Duderstadt: Ausstellungsbereich zur Geschichte der Schützen

 

Im Stadtarchiv in der Christian-Blank-Straße wurde 2002 im Rahmen des 700-jährigen Jubiläums der Schützengesellschaft ein Raum eigens als Schützenarchiv eingerichtet. Hier türmen sich Akten, Publikationen, historisches Bildmaterial und Auszüge aus Nachlässen zur Duderstädter Schützengeschichte.

 

Sandra Kästner hütet nicht nur das Stadtarchiv und Schützenarchiv, sie ist auch Leiterin des Duderstädter Heimatmuseums

 

Um bei den zahlreichen Daten zur Historie einen Überblick zu behalten, hat Dr. Hermann Tallau, Ehrenmitglied des Deutschen Schützenbundes, sich die Mühe gemacht, eine Quellensammlung zu veröffentlichen, die auch Historikern und Bibliografen Informations- und Forschungsmaterial bieten soll.

 

Traditionsverein Duderstädter Schützengesellschaft (Foto: Iris Blank)

 

Programm-Highlights 2022:

Freitag, 8. Juli
18 Uhr Ausrufen des Schützenfestes von der Rathauslaube
20 Uhr Kommers im Ballhaus Zum fidelen Anreischken (Eintritt 8,50 Euro)
22 Uhr Alpenmax on Tour im Festzelt auf dem Schützenplatz (Eintritt 5 Euro)

Samstag, 9. Juli
21 Uhr Jukebox Sixx live im Festzelt (Eintritt 7,50 Euro)

 

Jukebox Sixx, Foto Chris A. Bothmann

 

Sonntag, 10 Juli
13 Uhr Platzkonzert vor dem Rathaus
14 Uhr Großer Schützenumzug
15 Uhr Musikzüge und Blech Buben im Festzelt (Eintritt frei)

Montag, 11. Juli
12.30 Uhr Handwerkeressen mit Proklamation der Handwerkerkönige im Festzelt
15 Uhr Kinderumzug (Treffpunkt 14.30 Uhr auf dem Schulhof der Janusz-Korczak-Schule; zwei Karussell-Freikarten für jedes teilnehmende Kind)
18.30 Uhr Bürgeressen (Eintritt 8,50 Euro); Live-Musik von der Big Band des Eichsfeld-Gymnasiums
21 Uhr Party mit IBBA Music

Dienstag, 12. Juli
15 Uhr Familientag mit reduzierten Preisen auf dem Schützenplatz
18.30 Uhr Proklamation der Könige vor dem Rathaus
21 Uhr Live-Musik mit Stromfrei im Festzelt
Bei Anbruch der Dunkelheit großes Höhenfeuerwerk

 

Party mit Stromfrei

 

Ausführliche Infos zum Programm HIER

Mehr zur Schützengesellschaft der Stadt Duderstadt seit 1302 e.v. unter http://www.sg-duderstadt.de/index.html

 

Rinderstall unterm Höhenfeuerwerk

 

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