Zweiter Anlauf zur Vernissage „undruck“ von Jenny Claire Heck im Duderstädter Heimatmuseum

Die Künstlerin Jenny Claire Heck hat nun im zweiten Anlauf ihre Ausstellung im Duderstädter Heimatmuseum eröffnet. Zur eigentlich im März 2020 geplanten Vernissage kam Corona dazwischen.

„undruck“ ist der Titel der Ausstellung, in der auch einige Exponate aus dem Duderstädter Heimatmuseum integriert werden. Millionen Jahre alte Fossilien treffen auf Drucktechniken aus dem 19. Jahrhundert und auf Tagebuch-artige Bildfragmente einer Künstlerin der Gegenwart.

 

Abrieb von uralten Fossilien auf Papier

 

Wer das Heimatmuseum betritt, stutzt erst Mal. Feine Papierbögen liegen auf dem Parkett. Die geometrische Anordnung lässt erahnen, dass hier nichts heruntergefallen ist, sondern so sein soll. Bleistift- und Graphit-Schraffuren wirken wie versteinerte Elemente, die durch die Überschneidungen der Papierbögen verschiedene Ebenen vermitteln. Tatsächlich waren echte Versteinerungen hier die Grundlage, nämlich uralte Fossilien, deren Konturen über die Druckreibetechnik (Frottage) auf dem Papier landeten. Die Fossilien sind ein Geschenk von Ruth und Berthold Schäfer an das Duderstädter Heimatmuseum, und Jenny Claire Heck hat sie künstlerisch behandelt.

„Die Position der Zeichnungen referiert an die Entstehungsgeschichte der Fossilien in Erdschichten über einen unvorstellbaren Zeitraum von Jahrmillionen“, erklärt die Berliner Künstlerin mit Duderstädter Wurzeln. Die Anordnung der Zeichnungen hat sie auf die Struktur des Parkettbodens im Heimatmuseum abgestimmt. Der Besucher findet seinen Weg zwischen den Papierbögen.

 

Jenny Claire Heck gibt dem Kulturbeauftragten Horst Bonitz Einblicke in die Entstehungsgeschichte ihrer Kunstwerke

 

Jenny Claire Heck macht nicht nur Kunst und stellt die dann irgendwo aus. Sie nimmt die Umgebung mit auf und lässt sie Teil des künstlerischen Gesamtwerkes werden. Sie verknüpft Zeit mit Raum, Details mit Bandbreite, Fotografie mit Drucktechnik und Geschichte mit Gegenwart.

Ein besonderes Thema in ihrem künstlerischen Schaffen ist die Cyanotypie (Eisenblaudruck), ein fotografisches Druckverfahren, das im 19. Jahrhundert entwickelt wurde. Dessen Resultate stellen sich in Blautönen dar. Seit Januar 2019 hat Jenny Claire Heck jeden Tag ein Detail aus ihrem Alltag auf diese Weise belichtet und bearbeitet, eine Blüte, einen Pinsel, einen Strohstern, einen Zeitungsausschnitt. Da die Belichtung allein vom Sonnenlicht bestimmt wird, sind die Bilder aus dem Winter heller als die aus dem Hochsommer. Die Alltagsdetails wurden dann rund ausgeschnitten und an die Wand des Heimatmuseums geheftet.

 

Cyanotypie: Die blauen Ausschnitte ergeben ein Muster an der Wand

 

Von Weitem wirken die Ausschnitte wie überdimensional vergrößerte Rasterpunkte eines Bildes. In der Anordnung hat sich die Künstlerin an das Muster eines Blaudruck-Models gehalten. Blaudruck war auch im Eichsfeld bis ins frühe 20. Jahrhundert eine gängige Technik, um Muster auf Stoffe zu bringen, und das Heimatmuseum beherbergt dazu einige Exponate. „Die Cyanotypie ist vom Prinzip her ähnlich wie die Reservetechnik beim Blaudruck“, verwies Sandra Kästner, Kunsthistorikerin und Leiterin des Duderstädter Heimatmuseums, auf einen weiteren Zusammenhang der Ausstellung mit den Exponaten.

 

Museumsexponate: Muster für den Blaudruck

 

Nachdem das Heimatmuseum wegen der Corona-Pandemie einige Zeit schließen und die Vernissage im März abgesagt werden musste, bezeichnete der Duderstädter Kulturbeauftragte Horst Bonitz die nachgezogene Eröffnung der Ausstellung als einen besonderen Tag. Da eben auch kein großes Publikum eingeladen werden konnte, wurde begleitend zur Ausstellung eine kleine Publikation zu den Arbeiten und der Arbeitsweise der Künstlerin veröffentlicht. Die Duderstädter Fotografin Iris Blank hat die Werke von Jenny Claire Heck im Heimatmuseum fotografiert, und das Künstlerpaar Christiane und Lüder Mosler hat die Broschüre gestaltet. Erhältlich ist das Heft mit dem Titel „undruck“ ebenfalls im Heimatmuseum.

 

Broschüre „undruck“

 

Die Texte stammen von Jenny Claire Heck, und darin beschreibt sie auch ihren Umgang mit der „pandemischen Zeit“ in Bezug auf die Ausstellung. „Die Fossilien, mit denen ich gearbeitet habe, waren teils bis zu 380 Millionen Jahre alt. Was machen da ein paar Monate mehr aus?“, fragt sie und vermittelt so auch einen gewissen Abstand zum Zeitgeschehen. Aus der überdimensionalen Vergrößerung der Alltags-Details wird eine ebenfalls überdimensionale Verkleinerung der zeitlichen Relevanz. Kunst kann helfen, den Blick zu verändern.

 

Jenny Claire Heck verbindet ihre Kunst mit dem Raum, der sie umgibt

 

Jenny Claire Heck lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Kunsttherapie in den Niederlanden und Bildende Kunst an der Universität der Künste (UdK) Berlin. Seit 2017 lehrt sie in der Grundlehre der UdK und gibt Workshops bei der Summer-Universitiy der UdK. Ihre künstlerischen Schwerpunkte liegen u. a. in der Zeichnung, Cyanotypie und künstlerischer Kartografie.

Die Sonderausstellung im Duderstädter Heimatmuseum ist bis zum 20. Dezember 2020 während der Öffnungszeiten des Museums (Fr. – So., 11-16 Uhr) zu sehen. „Es ist die letzte Ausstellung vor der Sanierung des Heimatmuseums“, sagt Horst Bonitz. An der Erstellung des neuen Museumskonzeptes ist Sandra Kästner maßgeblich beteiligt. Das Handwerk in Duderstadt und der Region wird ein zentrales Thema sein. Die Besucher dürften gespannt sein.

 

EichsfeldBlog Duderstadt Heimatmuseum Sonderausstellung JennyClaireHeck

 

 

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