Bei dem sonnigen Märzwetter 2022 ist die Stallruhe für den Drahtesel vorbei. Wir planen eine Fahrradtour durch die fruchtbare Ebene der Goldenen Mark zwischen Duderstadt und Gieboldehausen. Unser Ziel ist die Rhumequelle bei Rhumspringe, eine der größten Karstquellen Europas. Um dorthin zu gelangen, folgen wir dem Wasser, also den Läufen der Nathe, Hahle und Rhume.
Von Duderstadt aus biegen wir an der Göttinger Straße vor Westerode rechts ab auf den Wirtschaftsweg, der zwischen Nathe und Hahle Richtung Mingerode führt. Am feuchten Feldgraben hält sich noch abgestorbenes Schilfrohr im frischen Frühlingswind. Hier konnten Insektenlarven überwintern, die auch als eiweißhaltige Nahrungsquelle bei Vögeln beliebt sind.
Wasser und lößhaltige Böden sind für die Fruchtbarkeit des Beckens zwischen Duderstadt und Gieboldehausen verantwortlich. Zum Radfahren ist dieses flache Land bequem, aber das soll sich bald ändern. Wir radeln an Mingerode vorbei und nähern uns Obernfeld, wo die Nathe in die Hahle fließt. Hier überqueren wir rechts die B 247 und biegen dann in den Knickweg ein.
Außerhalb des Dorfes wird die Straße zum Schotterweg, auf dem sich aber noch gut fahren lässt. Allerdings geht es ab hier stetig bergauf, vorbei an der Josef-Quelle, hinauf zum Waldrand. Wer kein E-Bike hat, müsste schon kräftiger in die Pedalen treten.
Oben angekommen, genießen wir einen herrlichen Ausblick über die Goldene Mark bis zum Harz. Irritation stellt sich erst ein, als wir uns umdrehen und in den Wald blicken – oder was davon übrig ist. Wir dachten ja, es sei heutzutage weitläufig bekannt, dass Monokulturen und Kahlschlag keineswegs vereinbar sind mit Umwelt-, Arten- und Klimaschutz, dafür aber die alten Bäume besonders schützenswert seien. Immerhin leisten sie einen vielfach größeren Beitrag zur Speicherung von CO2 als junge Bäume. Hier am Waldrand liegen haufenweise abgeholzte dicke Eichen- und Buchenstämme, und dort, wo sie herkommen, befindet sich eine junge Nadelholz-Monokultur. Ein Stück dahinter steht dann gar nichts mehr. Rigoroser Kahlschlag und aufgewühlter Boden haben dem Ökosystem eine klaffende Wunde verpasst. Moderne und nachhaltige Waldwirtschaft sieht anders aus.
Wir halten unseren Blick konzentriert auf dem Weg, der durch die inzwischen getrockneten Spuren der schweren Forstmaschinen ziemlich holprig geworden ist, und radeln den Kammweg links entlang Richtung Rüdershausen, wo die Eller in die Rhume fließt. Am Ortsausgang erreichen wir dann den gut ausgebauten Fahrradweg an der K 107 nach Rhumspringe. Hier fließt die Rhume schon mit kräftiger Strömung durch den Ort. Also immer dem Wasser nach, dann kann man den Ursprung nicht verfehlen. Die Rhumequelle zählt zu den größten Karstquellen Europas mit einem mittleren Ausstoß um 2000 Litern Wasser pro Sekunde.
Direkt an der L 530 gibt es einen Parkplatz, und gegenüber liegt das Quellen-Restaurant mit Biergarten, das an diesem Tag leider geschlossen ist. Dennoch ist hier ein beliebter Startpunkt für zahlreiche Touren durch das Harzvorland, zum Karstwanderweg und zum Eichsfeldwanderweg. Nur ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt erreichen wir die Rhumequelle mit ihrem türkisgrün schimmernden Quelltopf. Der ungewöhnliche Farbton ist um diese Jahreszeit noch nicht so kräftig wie im Sommer, wo das Grün der Laubbäume den Effekt noch unterstreicht. Die Quelle und der sie umgebene Auwald gehören zum Naturschutzgebiet „Rhumeaue, Ellerniederrung, Schmalau und Thiershäuser Teiche„.
Auch frühere Generationen schienen von der Rhumequelle beeindruckt. Scherben aus der Zeit der Bandkeramik (um 5000 v.Chr.) eine Beilklinge (ca. 4000 v. Chr.) ein Stück einer Fibel (100 v. Chr.) und mittelalterliche Scherben wurden bisher aus dem Quelltopf gefischt, der vermutlich viele Jahrtausende als Opferkultstätte diente.
Um doch noch irgendwo einen Kaffee zu bekommen, fahren wir ein Stück zurück durch Rhumspringe und folgen dem Rhumelauf dann rechts Richtung Lütgenhausen. Über die K 107 passieren wir auch Wollershausen, und entlang des Koppelgrabens und der dahinter fließenden Rhume erreichen wir Gieboldehausen.
Hier haben wir mehr Glück, das gemütliche Hofcafé mit Außengastronomie ist geöffnet und auch gut besucht.
Gestärkt radeln wir weiter, vorbei am Schloss Gieboldehausen und dann gleich auf den Leine-Rhume-Hahle-Radweg zurück nach Duderstadt. Insgesamt waren wir rund 40 km unterwegs.
Weitere Ausflusgtipps mit der Verknüpfung von historischen und ökologischen Besonderheiten: https://clanys-eichsfeld.blog/tourismus-im-eichsfeld/
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