Winterbild aus den 70-ern: Früher war alles besser? Nicht unbedingt.

Ein malerisches Winterbild zeigt den heutigen LNS-Park in Duderstadt, gleich hinter St. Cyriakus, allerdings in den frühen 1970-er Jahren. Damals waren dort noch viele Gärten mit kleinen Stegen über das Sandwasser zu finden. Einen Rückblick in die frühen 70er – und einen Vergleich zur heutigen Stadtentwicklung – bietet eine alte Broschüre des damaligen Verkehrsvereins Duderstadt. Hier ein interessanter Auszug aus dem Heft von 1973:

Duderstadt stand 1945 vor fast unlösbaren Problemen. Durch die Zonengrenze hatte die Stadt einen Teil ihrer Gemarkung, darunter fast den gesamten Waldbesitz von mehr als 400 ha sowie über die Hälfte seines wirtschaftlichen Einzugsgebiets eingebüßt. … Nur wenige Betriebe blieben und bauten inzwischen neue Werkhallen. Sie zählen längst zu den bedeutendsten ihrer Branchen. So z. B. die Orthopädische Industrie Otto Bock, die Seidenweberei Lückenhaus, die Opti-Reisverschlusswerke, die Piller Elektromotorenfabrik oder die Schuhfabrik Mälich, wo die „Hush-Puppies“ gefertigt werden. …

 

Otto Bock in den frühen 70-ern (Foto: Auszug aus der Duderstadt-Broschüre des Verkehrsvereins Duderstadt, 1973)

 

Kürzlich wurde mit dem Bau einer Kulturhalle begonnen, um der Bevölkerung die Möglichkeit zum Besuch von Theater- und Musikveranstaltungen zu geben. Größtes Projekt der letzten Jahrhunderte und zugleich größtes Problem ist gegenwärtig der Bau eines modernen Schulzentrums in Kompaktbauweise für rund 2000 Schüler. An den Gesamtkosten von 34.558.000 DM beteiligen sich gemeinsam Bund, Land, Kreis und Stadt. Am 20. Dezember 1972 erfolgte nach langen Jahren der Planung endlich auch hier die feierliche Grundsteinlegung.

 

Modell des 1973 im Bau befindlichen Schulzentrums Auf der Klappe (Auszug aus der Duderstadt-Broschüre des Verkehrsvereins Duderstadt, 1973)

 

Am 31. Dezember 1972 verlor Duderstadt seinen Kreissitz. … Noch ist nicht abzusehen, welche Folgen diese Rationalissierungsmaßnahme für die künftige Entwicklung der Stadt haben wird. Große Sorgen machen sich besonders Handwerksmeister und Kaufleute, da durch das Anschwellen des Pendlerstromes nach Göttingen ihr Kundenkreis zwangsläufig weiter schrumpft.  …

Die Öffnung einer neuen Grenzübergangsstelle für Tagesaufenthalte im grenznahen Bereich der DDR für Bewohner der grenznahen Bereiche der Bundesrepublik Deutschland hat allgemein Freude und Erwartung ausgelöst. Wie sich die Öffnung des Vorhangs an dieser Stelle im einzelnen auch gestalten mag, für Duderstadt bedeutet sie in jedem Fall einen Schritt nach vorn. …

 

Der Grenzübergang Duderstadt-Worbis wird gebaut (Auszug aus der Duderstadt-Broschüre des Verkehrsvereins Duderstadt, 1973)

 

Nur wenige Landschaften waren von jeher so eng mit dem Schicksal Deutschlands verbunden wie das Eichsfeld. Vielleicht sieht man in Duderstadt auch gerade deshalb der Zukunft zwar voller Hoffnung, aber auch mit der notwendigen Skepsis entgegen.
(Auszug aus: „Duderstadt – Des Eichsfelds Kron und Zier. Eine kurzgefaßte Übersicht der Vergangenheit und Gegenwart einer Stadt im Herzen Deutschlands“, Herausgeber: Verkehrsverein Duderstadt e.V., Druck G. Hövener, Duderstadt, 1973)

 

Das Titelbild der Broschüre von 1973 zeigt die gleiche Ansicht auf die Bürgergärten wie das Winterbild oben – nur im Sommer

 

Und heute?
Einige der ehemaligen Duderstädter Industrie-Unternehmen gibt es nicht mehr. Ottobock ist allerdings zum Weltmarktführer in der Orthopädietechnik herangewachsen und immer noch mit seinem Hauptsitz in Duderstadt beheimatet.

Die hier erwähnte Kulturhalle, die dann jahrzehntelang unter dem Namen Eichsfeldhalle Künstler*innen von Rang und Namen empfing, wurde 2018 von Ottobock-Chef Hans Georg Näder erworben und steht nach einigen technischen Erneuerungen und Sanierungsmaßnahmen wieder für Veranstaltungen zur Verfügung – wenn die Pandemie irgendwann überwunden ist.

Das Schulzentrum Auf der Klappe, wo das Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt (EGD) und die Heinz-Sielmann-Realschule (HSR) untergebracht sind, hatte schon seit Jahren Platzmangel zu beklagen, den man zum Teil durch Unterricht in Containern und durch die Auslagerung der fünften und sechsten Klassen des „EGD-Junior“ in die Räume der ca. 1,5 km entfernten Astrid-Lindgren-Schule auszugleichen versuchte. Die Corona-Pandemie hat den Platzmangel nochmal verschärft. So wurde im November 2020 im Kreistag ein Neubau am Schulzentrum für 20 Millionen Euro beschlossen.

Die innerdeutsche Grenze, die 40 Jahre lang auch das Eichsfeld teilte, ist seit 30 Jahren, also seit der Friedlichen Revolution 1989, Geschichte. Am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt-Worbis, der 1973 eingeweiht wurde, befindet sich heute das Grenzlandmuseum Eichsfeld.

Von den Bürgergärten hinter St. Cyriakus sind heute noch einige erhalten. Die auf dem Winterbild aus den 70-er Jahren (auch der Schnee ist heute aufgrund maßgeblicher Klimaveränderungen seltener geworden) mussten allerdings den städtebaulichen Veränderungen zur Landesausstellung Natur im Städtebau (LNS) 1994 weichen. Heute befindet sich im LNS-Park eine Bühne für Outdoor-Veranstaltungen und der Tabaluga-Spielplatz.

 

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