Spannende Zeitreise durch Duderstadt und das Eichsfeld: Ausstellung zum 175-jährigen Sparkassenjubiläum

Die spannende Geschichte der Duderstädter Sparkasse seit ihrer Gründung 1846 ist zurzeit in der Ausstellung unter dem Titel “Wir für Hier” in der Kundenhalle in der Bahnhofstraße zu sehen. Acht Themenstationen mit vielen historischen Fotos und Exponaten führen durch die geschichtlichen Epochen, die auch das Eichsfeld geprägt haben. Die Eröffnung der Ausstellung zum 175-jährigen Sparkassenjubiläum wurde am 1. März 2021 wegen der Pandemie im kleinen Rahmen gehalten. Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Oktober 2021.

 

Ein beschwerliches ländliches Leben war Standard im Gründungsjahr der Sparkasse 1846. (Erste Station der Ausstellung)

 

Den Kunden und Gästen wird eine lebendige Zeitreise geboten: Landwirtschaftsgeräte, Rechenmaschinen, eine Wanne voller Reichsmark, ein Wohnzimmer des Wirtschaftswunders, ein Grenzpfahl der DDR, Euro-Starterkits und digitale Bildschirme zum Ausporbieren gehören zu den zahlreichen Exponaten, die einen spannenden Einblick in die Arbeit der Sparkasse und das Lebensgefühl der Menschen im Eichsfeld geben.

Die aufkommende Industrialisierung und veränderte Struktur- und Arbeitsverhältnisse im 19. Jahrhundert hatten auch im Eichsfeld das ländliche Leben radikal verändert. In modernen Produktionsabläufen konnten schneller und kostengünstiger Waren hergestellt werden als im traditionellem Handwerk. Auch die arbeitsfähigen Eichsfelder zog es in die aufstrebenden Ballungszentren. Wo früher Familienverbände für Alte und Kranke sorgten oder die Gutsherren für Knechte, Mägde und Dienerschaft, waren nun die Arbeiter in der Fremde im Krankheitsfall, bei Unfällen oder im Alter auf sich allein gestellt. Die Daheimgebliebenen waren vom Lohn des Fortgezogenen abhängig. Fiel der aus, litt auch die Familie Not. Mit den veränderten Strukturen wuchs die Armut in großen Teilen der Bevölkerung. Dazu kamen Brand- und Naturkatastrophen, Hungersnöte wegen ausgefallener Ernten und politische Unsicherheiten.

 

Der Großbrand in Duderstadt im Jahr 1852 zerstörte auch Teile von St. Cyriakus. (Zeichnung: Stadtarchiv Duderstadt)

 

Umso wichtiger wurde es, für schlechte Zeiten einen Notgroschen beiseite zu legen. Wer das tat, hatte allerdings ein weiteres Problem: Das Ersparte konnte gestohlen oder durch Brände und andere Katastrophen verloren und vernichtet werden. Um der sich ausbreitenden Armut entgegenzuwirken, forderte auch das Königreich Hannover, unter dessen Verwaltung Duderstadt Mitte des 19. Jahrhunderts stand, die Gründung von städtischen Sparkassen. Hier konnten die einfachen Leute – Arbeiter, Tagelöhner, Dienstboten, Knechte und Mägde – ihr Erspartes sicher aufbewahren, um in Notlagen darauf zurückzugreifen. Zudem wurde das Geld verzinst. Sparen lohnte sich also.

Die erste von einer Stadt verwaltete Sparkasse im Königreich Hannover wurde 1801 in Göttingen gegründet. Nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen dem Hildesheimer Magistrat und den zögerlichen Duderstädter Ratsherren wurde schließlich am 1. März 1846 im Duderstädter Rathaus die “Sparcasse Duderstadt” als Teil der Stadtkämmerei eröffnet. Die Anfangszeit wird in der ersten Station der Ausstellung mit historischen Bildern und einem Auszug aus der Gründungsurkunde dargestellt.

 

Vorstandsassistentin Maren Gebauer ist Kuratorin der Ausstellung

 

Die nächste Station führt schon ins 20. Jahrhundert. Das begann zunächst vielversprechend, doch mit dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) verlor auch das Ersparte an Wert. Die junge Weimarer Republik hatte die Folgen des Staatsbankrotts nach Ende des Krieges und die dramatische Inflation zu bekämpfen.

Nach Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit kamen 1933 die Nationalsozialisten an die Macht. Mit der gründlichen Vorbereitung auf den nächsten Krieg gab es plötzlich wieder genügend Arbeit in den kriegsrelevanten Produktionsbetrieben. Mit dem neuen Einkommen wuchsen auch die Spareinlagen der Bevölkerung. Die Sparkasse Duderstadt musste sich vergrößern und erwarb für ihren Neubau nach der Trennung von der Stadtkämmerei das Grundstück in der Bahnhofstraße, wo auch heute noch die Hauptgeschäftsstelle liegt (siehe Titelbild des Beitrags).

 

Nach dem Krieg ist das Geld nichts mehr wert. Ein Brot kostet Millionen.

 

Innerhalb einer Generation fand ein zweites Mal der totale Wertverlust des Geldes statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Sparer wieder alles verloren, ein Brot kostete Millionen Reichsmark und der Tauschhandel blühte. Erst nach der Einführung der D-Mark und dem wirtschaftlichen Aufschwung in der 1949 gegründeten Bundesrepublik fassten die Sparer neues Vertrauen in die Stabilität des Geldes. Man sparte nun nicht mehr für schlechte Zeiten, sondern um sich besondere Wünsche zu erfüllen: einen Volkswagen, eine Reise, neue Möbel, ein Häuschen mit Garten. Die Sparkasse passte ihre Kredit-Angebote der neuen Zeit an.

 

Modernes Wohnen im Wirtschaftswunder

 

Um auch die Menschen auf den Eichsfelder Dörfern zu erreichen, wurden ab den 1960-er Jahren zahlreiche Zweigstellen im Untereichsfeld eröffnet. Ab 1973 war der erste Sparkassenbus im Einsatz, um auch die Dörfer abzudecken, die noch keine eigene Zweigstelle hatten.

Ein bedeutender historischer Einschnitt war dann die Grenzöffnung 1989. Viele Mitarbeiter der Sparkasse erinnern sich noch an die aufregende Zeit, wo Tag und Nacht Begrüßungsgeld an die DDR-Bürger ausgezahlt wurde, und auch an die Hilfe beim Aufbau der Sparkassen im Obereichsfeld.

Die 2000-er Jahre waren gepägt von der Währungsunion, internationalen Wirtschaftskrisen, Flüchtlingswellen, Digitalisierung und schließlich der Corona-Pandemie.

 

Das neue Jahrtausend: Der Euro kommt.

 

Seit ihrer Gründung trug die Sparkasse Duderstadt auch soziale Verantwortung, die sich u.a. im Wohnungsbau seit den 1930-er Jahren, in der Finanzierung und Unterstützung kultureller Veranstaltungen und sportlicher Wettbewerbe, regionaler Vereinsaktivitäten sowie Erhalt und Förderung des Stadtbildes, Einsatz bei der Flüchtlingshilfe und schließlich bei der Anschaffung von Raumluftreinigern für Schulen während der Pandemie zeigte. In der aktuellen Ausstellung erinnern viele Fotos an Aktivitäten, Feste und Großveranstaltungen in Duderstadt.

 

Unter dem Motto “Wir für Hier” unterstützt die Sparkasse Kultur und Sport in der Region

 

Eine weitere Station ist auch der technischen Entwicklung gewidmet. Vom Rechenschieber bis zum Online-Banking war es ein weiter Weg, und bei einigen Geräten in der Ausstellung werden wohl vor allem die jüngeren Besucher staunen, wie umständlich und zeitaufwändig so manche Arbeitsschritte vor der Digitalisierung waren.

 

Arbeitstechnik vor der Digitalisierung

 

Die Exponate stammen zum Teil aus dem Sparkassenarchiv. Weitere Unterstützer sind: #HeimatmuseumDuderstadt, #GrenzlandmuseumEichsfeld, #StadtarchivDuderstadt, #HGNFamiliyOffice, #EichsfeldmuseumHeiligenstadt, #StudentenwerkGöttingen, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, #MeckeDruckundVerlag, Koch-Antiquitäten, Ortsheimatpfleger Herbert Pfeiffer, Sparkassendirektor a.D. Dr. Hermann Tallau, Bettina Hucke aus Uslar sowie die Sparkassenmitarbeiter Lothar Klingebiel, Barbara Bömeke und Markus Rohmund. Kuratorin ist Maren Gebauer, Vorstandsassistentin der Sparkasse Duderstadt.

 

Wir für hier

 

Ausstellung “Wir für Hier” – Übersicht:

Station 1: Entstehung und Gründerzeit der Sparkassen (1846 – 1900)
Der Sinn des Sparens seit der Industrialisierung. Die Bedeutung des Notgroschens in Zeiten von Hungersnöten, Armut und Katastrophen.

Station 2: Kriegs und Krisenjahre (1914 – 1948)
Der Wertverlust des Geldes, Inflation und Kriegsanleihen. Zwei Mal innerhalb einer Generation wird Sparvermögen durch Kriegswirtschaft vernichtet.

Station 3: Wirtschaftswunder und Fortschritt (1949 – 1977)
Neue Währungen in zwei deutschen Staaten. Sparen lohnt sich wieder. Wünsche nach Eigenheimen und bescheidenem Luxus können in der jungen Bundesrepublik erfüllt werden.

Station 4: Sparkasse des Untereichsfelds (1964 – 1997)
Die Sparkasse Duderstadt vergrößert sich und erhält neue Organisationsstrukturen. Zum 150-jährigen Jubiläum wird das neue Hauptgebäude in der Bahnhofstraße eröffnet.

Station 5: Grenzöffnung und Wiedervereinigung (1989 – 1991)
Die innerdeutsche Grenze fällt. Duderstadt ist im Ausnahmezustand. Sonderschichten bei der Sparkasse. Begrüßungsgeld, Kooperationen, Währungsumstellung.

Station 6: Das neue Jahrtausend (1999 – 2020)
EU-Währungsunion, Banken- und Wirtschaftskrisen, Flüchtlingswellen und schließlich die Corona-Pandemie prägen das neue Jahrtausend.

Station 7: Wir für Hier – Soziale und regionale Verantwortung (1994 – 2021)
Das Engagement der Duderstädter Sparkasse hat Einfluss auf die Lebensqualität in der Region. Kultur, Breitensport, Schulen, Stadtentwicklung und soziale Einrichtungen werden gefördert.

Station 8: Automatisierung und EDV – Die Digitalisierung kommt (1966 – 2021)
Immer auf dem neuesten Stand. Der weite Weg von den ersten automatischen Buchungsmaschine bis zur digitalisierten Direktfiliale.

In der Ausstellung lädt ein kleines Quiz für Kinder und Erwachsene zum Mitmachen ein. Corona-bedingt sind zurzeit bis zu sechs Personen gleichzeitig in der Ausstellung erlaubt. Es besteht Maskenpflicht, aber ein Test muss nicht mehr vorgewiesen werden.

Weitere Infos bei: www.spkdud-wirfuerhier.de.

 

Eröffnung des Sparkassen-Neubaus zum 150-jährigen Jubiläum 1996 (Foto: Sparkasse Duderstadt)

 

 

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