Seit seiner Gründung vor fast genau 25 Jahren steht das Grenzlandmuseum Eichsfeld vor allem als Gedenk- und Erinnerungsstätte an die deutsche Teilung und als Ort der Demokratiebildung. Dass ausgerechnet Reichsbürger und vermeintliche Friedensaktivisten, die den Verschwörungsgläubigen zuzuordnen sind, sich am Volkstrauertag 2020 das Gelände vor dem Grenzlandmuseum als „Versammlungsort“ ausgesucht haben, stößt auf harsche Kritik. In einer Pressemeldung äußert sich der Trägerverein des Grenzlandmuseums eindeutig:
„Auf das Schärfste kritisiert der Trägerverein des Grenzlandmuseum Eichsfeld eine für den Volkstrauertag angekündigte Aktion von Reichsbürgern und vermeintlichen Friedensaktivisten an der B247 vor dem Grenzlandmuseum Eichsfeld. Das Grenzlandmuseum Eichsfeld stellt sich gegen eine Instrumentalisierung des ehemaligen innerdeutschen Grenzübergangs Duderstadt/Worbis und des einstigen Todesstreifens entlang der innerdeutschen Grenze für demokratie- und verfassungsfeindliche Ansinnen.
Das Grenzlandmuseum Eichsfeld distanziert sich von jeglicher Relativierung und Verharmlosung der Diktaturen im 20. Jahrhundert in Deutschland. Das umfasst auch irreführende Vergleiche zu Corona-Schutzmaßnahmen oder die Verwendung von antidemokratischen und antirepublikanischen Symbolen.
Das Grenzlandmuseum Eichsfeld versteht sich als eine Gedenk- und Erinnerungsstätte für die Zeit der deutschen Teilung. Das Wissen um die deutsche Gewaltgeschichte im 20. Jahrhundert ist die Grundlage für die intensive Auseinandersetzung mit den Mechanismen und Folgen von Diktaturen. Aus diesem Grund gehören, ausgehend von der Geschichte des Eichsfelds, die Hintergründe der deutschen Teilung nach 1945, die Ausgestaltung der SED-Dikatur in der DDR und die Überwindung des „Eisernen Vorhangs“ in Deutschland und Europa nach 1989 zu den Kernthemen des Museums.
Seit 25 Jahren steht das Grenzlandmuseum Eichsfeld für eine Bildungs- und Museumsarbeit, die auf Fakten und Werten beruht. Das Ziel ist es – vor dem Hintergrund der Errungenschaften des Grundgesetzes und der Friedlichen Revolution in der DDR – ein kritisches Geschichtsbewusstsein zu fördern und Verantwortung für eine demokratische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland zu übernehmen sowie den kommenden Generationen zu übertragen.“
Dieser Stellungnahme vorangegangen waren Aufrufe auf dem Instant-Messanging-Dienst Telegram zu einer bundesweiten „Sternfahrt“ zum Parkplatz am Grenzlandmuseum Eichsfeld, die rechten Gruppen, Reichsbürgern und Coronaleugnern zuzuschreiben sind. Darauf hat auch das „Bündnis gegen Rechts – Duderstadt bleibt bunt“ mit einem Aufruf zur „Versammlung“ am Sonntag, 15. November 2020, um 10 Uhr am Grenzlandmuseum reagiert.
(Titelbild: Lichtkunst am Grenzlandmuseum zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung am 9. November 2019)
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