Gedenktag 17. Juni – Am Grenzlandweg wird den Opfern der innerdeutschen Teilung gedacht

Den Opfern des SED-Unrechtes und der deutschen Teilung hat das Grenzlandmuseum Eichsfeld am 17. Juni 2020 wegen der Corona-Pandemie im kleineren Kreis gedacht. Zur Kranzniederlegung am Mahnmal auf dem Grenzlandweg kamen Mitglieder des Trägervereins Grenzlandmuseum Eichsfeld e.V., darunter auch politische Vertreter*innen aus Bund, Ländern und Kommunen.

Der Vereinsvorsitzende Horst Dornieden erinnerte an den 17. Juni 1953, an dem rund eine Million Menschen in der DDR für bessere Lebensbedingungen, Demokratie, Freiheit und die Einheit Deutschlands demonstrierten. „Tausende wurden damals inhaftiert, mehr als 50 Menschen starben“, sagte Dornieden. Das SED-Regime hatte die Demonstrationen mit Hilfe sowjetischer Panzer niedergeschlagen.

Der Vorsitzende des Bildungsbeirats des Grenzlandmuseums und Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Franz-Josef Schlichting, beschrieb die beeindruckende Dynamik, die an einem einzigen Tag „auch ohne Facebook, Twitter und Co.“ so viele Menschen in mehreren Hundert Orten in der DDR auf die Straße brachte. „Demokratie und Freiheit waren in diesem Aufstand keine Floskeln, sondern Forderungen, die mit außerordentlicher Klarheit und Präzision vorgetragen wurden“, sagte Schlichting. So forderten in Mühlhausen Bauern beispielsweise freie und geheime Wahlen und die Abschaffung des Sperrgebietes an der innerdeutschen Grenze.

 

Franz-Josef Schlichting bei seiner Rede am Mahnmal

 

Schlichting schlug auch einen Bogen zur Friedlichen Revolution: „Der Herbst 1989 hat die Anliegen des 17. Juni 1953 erfüllt. Erst das Ende der DDR war der Anfang der Auseinandersetzung mit der Geschichte.“

Bis 1990 wurde der 17. Juni als Tag der Deutschen Einheit in der Bundesrepublik zum Gedenken an den Volksaufstand gefeiert. „In der DDR wurde der 17. Juni totgeschwiegen“, sagte Rolf Behrend (CDU), ehemaliges Mitglied des Europaparlaments und von März bis Oktober 1990 Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Am 17. Juni 1990 wurde der Tag der Deutschen Einheit das erste und gleichzeitig das letzte Mal gemeinsam von Abgeordneten der Volkskammer und des Deutschen Bundestags gefeiert. Behrend war damals in Berlin dabei.

 

Der Europaabgeordnete Rolf Berend ist auch Zeitzeuge vom Jahr der deutschen Wiedervereinigung 1990

 

Nach der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war der 17. Juni kein Staatsfeiertag mehr. Dennoch bleibt der Volksaufstand von 1953 weiterhin ein wichtiges und gedenkenswertes Ereignis in der deutschen Freiheitsgeschichte. Behrend betonte, dass dieser Tag zugleich eine „Initialzündung für Europa“ gewesen sei und erinnerte an die nachfolgenden Aufstandsbewegungen: 1956 in Ungarn, 1968 der Prager Frühling, 1980 die Solidarność-Bewegung in Polen und schließlich 1989 die demokratischen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa.

Thomas Ehbrecht (CDU), Mitglied des Niedersächsischen Landtags, betonte die heutige Aktualität des Einsatzes für Frieden und Freiheit. Diejenigen, die sich für diese Werte geopfert haben, dürften nicht vergessen werden, sagte Ehbrecht.

 

MdL Thomas Ehbrecht schlägt den Bogen von der Geschichte in die Gegenwart

 

Horst Dornieden und Vorstandsmitglied Uwe Hacke legten den Kranz am Mahnmal nieder. Es folgte eine Schweigeminute zum Gedenken der Opfer des SED-Unrechts.

 

Horst Dornieden und Uwe Hacke legen den Kranz am Mahnmal nieder

 

Der im Anschluss an die Kranzniederlegung geplante Vortrag über das Notaufnahmelager Uelzen-Bohldamm von Dr. Arne Hoffrichter ist wegen der Corona-Auflagen ausgefallen. Diese Veranstaltung wird im zweiten Halbjahr nachgeholt, teilte Geschäftsführerin Mira Keune zum Abschluss der Veranstaltung mit.

 

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