Das Festwochenende zum 31. Jahr der Deutschen Einheit startete im Grenzlandmuseum Eichsfeld mit dem Dokumentarfilm „Bei Nacht und Nebel“ (2004), der an die „Massenflucht“ aus Böseckendorf vor genau 60 Jahren erinnert. Einige Zeitzeugen waren zur Veranstaltung gekommen, und das MDR-Fernsehen hat einen Beitrag dazu gefilmt. Am Sonntag, 3. Oktober 2021, geht es weiter mit dem vielfältigen Programm und zwei Premieren.
Georg Klingebiel war 12 Jahre alt, als seine Familie mit mehr als 50 Personen aus Böseckendorf im thüringischen Eichsfeld – tatsächlich bei Nacht und Nebel – ins nahe niedersächsiche Immingerode flüchtete. Einen Tag später wurden die Grenzabsperrungen im DDR-Sperrgebiet verstärkt. Über die Massenflucht berichteten zahlreiche westliche Medien, sogar die New York Times. In der DDR-Presse wurde dieses historische Ereignis verschwiegen.
Unter der Moderation der Historikerin Mira Keune, Leiterin des Grenzlandmuseums, wurden die Erinnerungen an die Flucht, die Angst und die Folgen für die Betroffenen authentisch und emotional geschildert. Wie wurde die Flucht geplant? Wer durfte eingeweiht werden? Wie erging es den Menschen dann im Westen? Und wie erging es jenen, die ihren Hof nicht verlassen wollten – oder nicht verlassen konnten, weil z. B. der Sohn gerade zur Ausbildung in Mühlhausen war und von all den Plänen nichts wissen konnte? Georg Klingebiel schilderte nach der Präsentation des Dokumentarfilms im Interview die Ereignisse der damaligen Flucht aus persönlicher Sicht. Auch im Publikum saßen einige Zeitzeugen, und in der anschließenden Gesprächsrunde wurde ein breitgefächertes Bild dieses historischen Abends am 2. Oktober 1961 gezeichnet. Nicht leicht war der Schritt für die Menschen, ihr Hab und Gut, das ihnen seit Generationen Sicherheiten gab, aufzugeben, um der Zwangsumsiedlung in der DDR zu entgehen und im Westen ein neues Leben anzufangen.
Mehr Infos zur Flucht aus Böseckendorf HIER
Der MDR zeigt am Sonntag, 3. Oktober 2021, ab 19 Uhr im Thüringen Journal den Beitrag zur Veranstaltung „Bei Nacht und Nebel“ im Grenzlandmuseum Eichsfeld: https://www.facebook.com/watch/?v=1140291429834088
Am Sonntag, 3. Oktober 2021 geht es weiter im Programm:
Mit einer Gedenkwanderung an die Flucht aus Böseckendorf und den Premieren des Theater-Video-Walks „Hinterm Horizont – Grenzen im Kopf?” sowie der Ausstellung „30 Jahre – 30 Lieben“, Liebesgeschichten, die es ohne die Grenzöffnung und Wiedervereinigung nie gegegben hätte, wird am 3. Oktober 2021 der Tag der Deutschen Einheit im Grenzlandmuseum gefeiert. Von den Liebespaaren, die ihre ganz persönliche Geschichte für die Ausstellung zur Verfügung stellten, werden auch einige persönlich anwesend sein.
10 bis 17 Uhr Besuch der Dauerausstellung
11 Uhr Gedenkwanderung „Auf den Spuren der Massenflucht aus Böseckendorf“ Treffpunkt: Ortsmitte Böseckendorf
11 Uhr 1. Premierenrundgang des Theater-Video-Walks „Hinterm Horizont – Grenzen im Kopf?”; Treffpunkt: neben der Fußgängerbrücke
11 Uhr Öffentliche Führung im Mühlenturm; Treffpunkt: Service im Museum
12 Uhr Öffentliche Führung auf dem Grenzlandweg; Treffpunkt: vor dem Museum
13 Uhr 2. Premierenrundgang des Theater-Video-Walks „Hinterm Horizont – Grenzen im Kopf?“; Treffpunkt: neben der Fußgängerbrücke
14 Uhr Eröffnung Teil 1 der Sonderausstellung „30 Jahre – 30 Lieben“ in der Bildungsstätte (3 G-Regel)
14 Uhr Öffentliche Führung im Mühlenturm; Treffpunkt: Service im Museum
15 Uhr 3. Premierenrundgang des Theater-Video-Walks „Hinterm Horizont – Grenzen im Kopf?“; Treffpunkt: neben der Fußgängerbrücke
15.30 Uhr Öffentliche Führung auf dem Grenzlandweg; Treffpunkt: vor dem Museum
16 Uhr Eröffnung Teil 2 der Sonderausstellung „30 Jahre – 30 Lieben“ in der Bildungsstätte (3 G-Regel)
18 Uhr Ende des 3. Oktobers im Grenzlandmuseum Eichsfeld
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