Es ist die Zeit der Äpfel. Jedes Jahr im Oktober ist in Duderstadt ein ganzer Themenmarkt den herbstlichen Obstsorten gewidmet. Der Apfel- und Birnenmarkt lockt tausende Besucher. Doch wie sehr schätzen wir eigentlich die heimischen Gaben von Mutter Natur?
Viele Wegränder im Eichsfeld sind von Obstbäumen gesäumt, und die alten Streuobstwiesen gelten als schützenswerte Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
In manchen Dörfern wie Mingerode werden die ortseigenen Bäume für jeweils eine Erntesaison versteigert. Woanders ist das Interesse am Obst so gering, dass die Früchte vollreif von den Bäumen fallen und auf den Feldwegen bestenfalls noch von Mäusen und Vögeln gefressen werden oder einfach verfaulen. Ist es denn tatsächlich bequemer, in Plastik eingeschweißte Äpfel aus Brasilien im Supermarkt zu kaufen, statt die ungespritzten Sorten vor der eigenen Haustür zu ernten?
Dem Apfel wird seit Adam und Eva eine starke Bedeutung zugesprochen. Nichts Geringeres als die menschliche Erkenntnis soll er gebracht haben, so glaubte man erst im Judentum, dann im Christentum. Als Symbol der Liebe (der Apfel gehört zu den Rosengewächsen) und der Fruchtbarkeit galt er in der Antike und löste als Zankapfel in der griechischen Mythologie den Trojanischen Krieg aus. In der Märchensammlung der Brüder Grimm spielt er nicht nur bei Schneewittchen und Frau Holle eine machtvolle, manchmal tödliche Rolle. Auch in der Artussage hat die Apfelinsel Avalon eine mythische Bedeutung. In der realen mittelalterlichen Welt gehörte der Reichsapfel mit Kreuz zu den Insignien des Heiligen Römischen Reiches.
Das englische Sprichwort „An apple a day keeps the doctor away“ sagt es ja schon: Wer einen Apfel am Tag isst, tut viel für die Gesundheit, vermindert das Risiko für Krebs, Diabetes, Asthma, Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem haben Äpfel einen positiven Einfluss auf die Leber und die Darmflora. Sie enthalten viele Vitanmine (C, E, B1, B2) und Mineralstoffe (Eisen, Phosphor, Kalium, Kalzium, Magnesium), Ballaststoffe, Polyphenole und Flavonoide. Die meisten Nährstoffe sind in der Schale enthalten, also besser, man genießt den Apfel ungeschält. Alte Sorten oder Früchte aus Bio-Anbau bilden zum Selbstschutz gegen Pilz- und Insektenbefall eine höhere Menge an Polyphenolen, was sich beim Verzehr auch positiv auf den menschlichen Körper auswirkt.
Es gibt also genügend Gründe, die alten, vor der Haustür wachsenden Sorten zu pflücken und am besten roh zu essen oder als Smoothie zu verarbeiten.
Doch auch beim Einkochen, Braten und Backen bleiben mindestens die Hälfte der Nährstoffe erhalten. Zur Erntezeit gibt es nämlich oft so viele Früchte, dass es unmöglich ist, sie alle roh zu verspeisen. Kompott, Mus, Saft und Kuchen (den man auch einfrieren kann, statt Tiefkühlwaren aus dem Supermarkt zur nächsten Feier aufzubacken) sind leckere Alternativen, um die reifen Äpfel haltbar zu machen. Im Eichsfeld nehmen einige Natursaftkeltereien auch privat gesammeltes Obst an, zum Beipsiel in Gieboldehausen (Ott) und in Teistungen (Apel).
Wer wissen will, was er da eigentlich am Wegesrand gepflückt oder welche Sorte schon die Großmutter im Garten angepflanzt hat, kann sich von einem Pomologen beraten lassen. Die Apfel-Experten kennen auch die alten Sorten und können die Besonderheiten beschreiben. Beim Duderstädter Apfel- und Birnenmarkt ist alljährlich ein Pomologe vor Ort und bestimmt die mitgebrachten Früchte.
Auch die Heinz-Sielmann-Stiftung arbeitet daran, altes Wissen um das Obst zu bewahren. Auf Gut Herbigshagen werden regelmäßig Obstbaumschnitt-Kurse und Pflanz-Aktionen angeboten. Außerdem erfährt man beim Streuobstwiesenfest einiges über den Nutzen eines selten gewordenen Biotops, man kann selbst Apfelsaft pressen oder an den Apfelsammelmeisterschaften teilnehmen.
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther gesagt haben, so die Legende. Auf jeden Fall kommt dem Apfelbäumchen die Rolle als Hoffnungsträger zu, und die braucht man auch 500 Jahre nach Luther sicherlich vielerorts.
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