Vor den Augen der Zuschauer entstand im Duderstädter Rathaussaal ein Kunstwerk von Kerstin Woyke Pereira – inspiriert durch die Kompositionen von Sven Tasch. Unter dem Titel „Klang der Farben“ haben sich die Malerin und der Pianist in einem neuen Experiment auf ihren unterschiedlichen künstlerischen Ebenen miteinander verbunden. Veranstalter war die Theater- und Konzertvereinigung Duderstadt (TKV).
Bereits vor einem Jahr haben die beiden im Eichsfeld verwurzelten Künstler eine solche Performance mit Live-Musik und Live-Malerei in der Carpinteria in Worbis gewagt, und nach dem Erfolg der Veranstaltung sollte ein ähnliches Format auch in Duderstadt stattfinden. Unterstützung bei Technik und Catering gab es wieder von Alexandra Reinicke und Tim Krchov von Jonez Entertainment.
In ihrer ganz persönlichen Moderation erzählten Sven Tasch und Kerstin Woyke Pereira vom Beginn ihrer künstlerischen Projekte und von den Gemeinsamkeiten, die sie aneinander entdeckt hatten. Wertschätzung und Mitmenschlichkeit, Achtung vor der Natur, Liebe, aber auch Einsamkeit und die Sehnsucht nach Frieden – im eigenen Innern sowie in der Welt – sind in den bisherigen Arbeiten sowohl beim Musiker als auch bei der Malerin Themen, die sie in vielfältiger und ganz individueller Weise umgesetzt haben. An diesem Abend im vollbesetzten Duderstädter Rathaussaal sollten sich wiederum beide Künste miteinander verbinden und etwas völlig Neues entstehen lassen: ein Bild, das sein Thema in den Klängen der Musik findet, diese aber nicht nur spiegelt, sondern sich auf eine eigene Reise begibt.
Sven Tasch begann sein Konzert also mit Stücken aus dem aktuellen Album „Einklang“ im Wechsel mit älteren Werken aus mehr als 20 Jahren eigener Kompositionen. Weiche Akkorde verwoben sich, füllten den Raum, wurden dynamisch und zogen Publikum und Malerin hinein in eine Welt, in der sich die äußere Akustik mit den inneren individuellen Vorstellungen verbindet. Sie erzählten von Ängsten, Verzweiflung, Hoffnung und Liebe.
Auf der weißen Leinwand zeigten sich erste Kohleskizzen, und als Kerstin Woyke Pereira das Ganze um 45 Grad drehte, blickte ein vages Gesicht von der Staffelei ins Publikum. Dann kam die Dynamik dazu: knalliges Rot, Grün, dicke schwarze Konturen. Spätestens bei dem Gelb-Blau-Kontrast im Porträt drängte sich der Gedanke an die Kriegsgebiete der Welt und die Sehnsucht nach Frieden auf. Die Malerin setzte Pinsel, Spachtel, Sprühflasche, Tuch, Finger und Föhn ein, das Gesicht wuchs in seiner Lebendigkeit und zeigte sich schließlich als das Porträt von Jimi Hendrix. Genau jener herausragende Gitarrist, der mit seiner legendären Version der US-amerikanischen Nationalhymne auf dem Woodstock-Festival ein künstlerisches Statement gegen den (Vietnam-)Krieg, und für Frieden und Liebe setzte und damit zur Ikone der Hippie-Bewegung wurde.
Das Thema ist eigentlich uralt. Auch Orpheus aus der griechischen Mythologie versuchte mit seiner Musik die übermächtigen Furien und Nornen der Unterwelt zu besänftigen, um Tod und Verzweiflung mit der Liebe zu besiegen. Orpheus´ Kunst hatte die Macht, dieses Ziel zu erreichen, allerdings verlor er am Ende seine Geliebte wegen ihres Zweifels. Die Klavierkompositionen von Sven Tasch sind zwar weder mit den Klängen einer antiken Lyra, noch mit dem Spektrum einer Fender Stratocaster zu vergleichen, aber sie können Ängste ebenso benennen und Hoffnungen wachsen lassen.
Kerstin Woyke Pereira schien in ihrem Bild das Thema der menschlichen Verzweiflung aufzunehmen und es gleichermaßen mit Fragen und Hoffnungen zu verbinden. Rechts oben im Bild könnte gerade ein etwas verkohltes Peace-Zeichen kopfüber abstürzen – umgeben von Grün und Rot, ein wenig Weiß, wie die Farben der palästinensischen Flagge. Dazu der fragende Blick Jimis mit der Andeutung einer Träne im Auge. Im Chaos der Welt bleibt die menschliche Empfindsamkeit als verbindendes Element übrig – und vielleicht die Hoffnung auf die Macht der Kunst und der Liebe, etwas zu verändern. Was hier in zwei Stunden mit Musik und Malerei entstanden ist, hat Tragweite.
Wie auch bei der Live-Veranstaltung in Worbis vor einem Jahr, sollte in Duderstadt das vor Publikum entstandene Kunstwerk für gute Zwecke versteigert werden. Die Moderation der Auktion übernahm Tim Krchov. Bis zu 700 Euro wurden geboten und das Hendrix-Porträt ging an eine neue Besitzerin. Wofür die Spende dann verwendet wird, werden die Künstler zeitnah bekanntgeben.
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