Die Spende aus den Erlösen des Facette-Eichsfeldkalenders hat ihr Ziel erreicht. Hans, der Web-Designer von Clanys Eichsfeld-Blog, hat den symbolischen Scheck über 150 Euro an die beiden Vogelexperten Julia Metternich und Magnus Duda, Gründer der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen, überreicht. Wir danken all jenen, die sich mit dem Einsenden von Fotos, mit ihrer Beteiligung am Voting und mit dem Kauf des Eichsfeld-Kalenders an der Umsetzung dieser kleinen Spendenaktion beteiligt haben.
Wofür wird das Spendengeld benötigt?
Um uns einen Überblick zu verschaffen, wofür das Geld so dringend gebraucht wird, haben wir von der Biologin Julia Metternich und dem Falkner Magnus Duda eine Führung durch die Auffangstation erhalten – und verließen schließlich sehr nachdenklich die großen, modernen Volieren am Ortsausgang Hilkerode. Uns war schnell klar geworden: Die kleine Wildvogelhilfe kämpft wie ein David gegen den Goliath alias „Vogeltod“, der aus vielen politischen und gesellschaftlichen Fehlentscheidungen zum Riesen gewachsen ist. Und unsere Spende ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber immerhin ein Tropfen – dem sich vielleicht weitere Tropfen anschließen, um zum warmen und lebensspendenden Regen zu werden.
„Jetzt ist gerade die ruhigere Zeit“, sagt die Vogelexpertin. Das heißt: Rund 60 Wildvögel werden im Winter täglich gepäppelt. Alle Volieren sind voll. Die Notunterkünfte auch. Der Arbeitstag endet mit etwas Glück (keine Notfälle) nach 12 Stunden. Wochenenden, Feiertage oder Urlaub? Keine Chance.
Unter den Patienten in den Volieren sind viele verunglückte Greifvögel, die nach einer Kollision mit einem Auto oder Windrad hergebracht wurden. Oder die Eule, die in der Silvesternacht die Orientierung verlor und gegen eine Fensterscheibe flog. Oder Jungvögel, die den Zug in den Süden verpasst haben. „Ein bisschen Angst habe ich vor dem Frühjahr“, sagt Julia Metternich. In den Spitzenzeiten sind pro Tag 120 Küken zu versorgen, deren Eltern tot sind oder die aus dem Nest gefallen sind. Vogelbabys werden ab morgens um 5 Uhr bis 23 Uhr gefüttert, und zwar halbstündlich.
Obergrenze um das Dreifache überschritten
Als die Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe 2016 gegründet wurde, nahmen die beiden Vogelexperten an, dass mit 200 Patienten pro Jahr die zu bewältigende Obergrenze erreicht sei. Inzwischen versorgen Julia Metternich und Magnus Duda rund 600 Wildvögel im Jahr. Tröstlich ist allerdings der Erfolg. Rund 80 Prozent aller Vögel in der Auffangstation in Hilkerode können wieder wildbahntauglich entlassen werden. Dabei loben die Vogelexperten die professionelle Unterstützung durch die Tierärzte Rust und Rautenberg in Duderstadt, die sich auf die Behandlung von Wildvögeln spezialisiert und sogar ein gebrochenes Amselbeinchen erfolgreich operiert haben. Und auch in der Praxis Sindermann werden Wildvögel behandelt.
Ist ein kleines Vogelleben den Aufwand wert?
Manche Menschen stellen sicherlich die Frage, ob der riesige arbeitstechnische, medizinische und finanzielle Aufwand für so ein kleines Vogelleben denn gerechtfertigt sei. Allerdings warnen Naturschutz– und Umweltverbände davor, dass das Vogelsterben bereits dramatisch sei. Die Gründe sind vielfältig: Gifte in Gärten und Landwirtschaft, „aufgeräumte“ Landschaften, Flächenversiegelung, Klimawandel und verschwundene Nahrungs- und Lebensräume lassen Vögel, Insekten und andere Lebewesen aussterben. Wer sich die Zahlen, Fakten und Prognosen ansieht, versteht vielleicht auch, wie wichtig jedes einzelne Vogelleben für den Erhalt der Artenvielfalt und für das gesamte System ist – und wie wichtig vielleicht auch als Hoffnungsträger.
„Vielen Leuten wird das erst bewusst, wenn sie sich unsere Arbeit anschauen“, erklärt Julia Metternich. Aufklärung ist neben der Vogelpflege der zweite wichtige Schwerpunkt bei der Wildvogelhilfe – und vielleicht die einzige Chance, den großen Zulauf an Vögeln irgendwann zu reduzieren. Denn jeder kann etwas dazu beitragen, Lebensräume zu erhalten. Und ein Schwalbennest zu entfernen, ist keine Ordnungswidrigkeit, sondern ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. Ein grundsätzliches Umdenken muss dringend stattfinden – im eigenen Privatgärtchen genau so wie in der großen EU-Politik.
Umdenken im Ordnungsempfinden wird nötig
Das Artensterben ist unser aller Problem – der Tropfen muss zum Regen werden
Zurück zum Tropfen auf dem heißen Stein: Im Winter reichen rund 500 Euro für knapp drei Monate allein für Futterkosten. Im Sommer reicht die gleiche Summe für drei Wochen. Dazu kommen Tierarztkosten, Fahrtkosten, Versicherungen, Putz- und Waschmittel, Reparaturen etc., zusammengerechnet im Jahr rund 15000 Euro. Dabei wurden keine Löhne/ Gehälter mit einberechnet, Julia Metternich und Magnus Duda verdienen bisher nichts an ihrer Arbeit für die Vögel. Dringend benötigte Aushilfen für Büro und Garten, bei der Pflege und beim Saubermachen gibt es nicht. Unterstützt wird die Wildvogelhilfe vom Land Niedersachsen ( 3000 Euro pro Jahr) und vom NABU (etwa 1000 bis 2000 Euro pro Jahr). Dazu kommen ein paar kleine Privatspenden und Patenschaften für einzelne Vögel. Die jährlich anfallenden Kosten für das Engagement in einer Problematik, die uns alle angeht, werden also bei weitem nicht gedeckt.
Die große Voliere konnte nur dank Unterstützung des Landkreises Göttingen (ca. 13000 Euro), der Sparkasse Duderstadt (500 Euro) und der Samtgemeinde Gieboldehausen (1000 Euro) angeschafft werden. Die Heinz-Sielmann-Stiftung spendierte Ausstattungsteile für den Quarantänebereich und die Singvogelanlage, den Ausbau des zweiten Quarantäneraums fördert die Postcodelotterie. Weitere Volieren sollen zum Frühjahr noch vor der Jungvogelsaison aufgebaut werden, darunter die Singvogelauswilderungsvoliere, unterstützt von der Volksbank Mitte und der HIT-Umweltstiftung. Und die Jägerschaft Duderstadt gehört zu den Sponsoren beim Vogelfutter.
Spenden und weitere Patenschaften für Vogel-Patienten werden dringend benötigt, aber auch jede ehrenamtliche Unterstützung ist willkommen. Außerdem können Gruppen oder Schulklassen Führungen buchen.
Die Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen ist ein gemeinnütziger Verein. Das Thema des Artensterbens betrifft uns alle, und wir sind auch alle daran beteiligt. Mit ihrem Lebenswerk tragen Julia Metternich und Magnus Duda eine riesige Last auf ihren Schultern, und es ist wichtig, dass wir alle etwas davon mittragen.
Abgewiesen wird übrigens kein verletzter Vogel. Notfallnummer: 017621478984
Wer mehr wissen will:
Der Termin für ein informatives Frühlingsfest bei der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen steht schon fest: Am Sonntag, 24. Mai, gibt es von 10 bis 17 Uhr Einblicke in regionalen Vogel-, Natur- und Umweltschutz an zahlreichen Ständen. Angeboten werden auch kulinarische Leckereien und Erfrischungen. Ort: Hilkerode, Ellerstraße 12.
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