Adebar und seine Artgenossen sind in Gefahr

Jahrzehntelang war der Weißstorch im Eichsfeld nicht mehr zu sehen. Erst, als man die Notbremse zog und durch Renaturierungsmaßnahmen seinen Lebensraum zum Teil wiederherstellte, kehrte Adebar seit den 2000-er Jahren zurück und vermehrt sich sogar erfolgreich. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt? Mitnichten. Auch die Lebensräume des Weißstorchs sind weiterhin bedroht. Dabei könnte jeder seinen Beitrag leisten, um die Heimat der Wildtiere zu erhalten.

 

Die Balz der Weißstörche

 

Die Rote Liste des NABU wächst stetig: 43 Prozent aller heimischen Wirbeltiere, wozu auch die Vögel und Säugetiere zählen, sind laut NABU gefährdet. Intensive Landwirtschaft, erweiterte Flächennutzung, ein hoher Einsatz von Pestiziden und sogar die „moderne“ Gestaltung der Hausgärten lassen die Tiere verschwinden. Auch eine ganzjährige Vogelfütterung nützt nicht allen. Viele Vögel sind Insektenfresser, aber die Lebensräume für Larven, Puppen und ausgewachsene Insekten verschwinden ebenfalls.
Hoffnung machen die Tiere, deren Bestände sich durch intensiven Artenschutz in den vergangenen Jahren etwas erholt haben, und dazu zählen auch die Weißstörche.

 

Bei der Beringung – hier in Obernfeld – ducken sich die Jungstörche vorsichtshalber tief ins Nest. Die Eltern bleiben ganz in der Nähe und kontrollieren nach dem Besuch des Storchen-Experten sofort, ob alles in Ordnung ist.

 

Der niedersächsische Storchenbeauftragte Georg Fiedler hat alle Hände voll zu tun, um die Jungstörche im Frühjahr zu beringen, und im Eichsfeld werden bei Nist- und Bruterfolgen in mehreren Dörfern Storchenfeste gefeiert. Der erste Schritt für ein Umdenken im Umgang mit der Natur hat bereits stattgefunden. Warum also wird die allgemeine – und berechtigte – Freude über die Wiederkehr der Störche nicht auch auf andere Tiere übertragen, indem man ihre Lebensräume wiederherstellt?

 

Storchenfest in Esplingerode bei Familie Heddergott. Links: Magnus Duda von der Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen.

 

Den Kampf gegen „Windmühlen“ nehmen die Biologin Julia Metternich und der Falkner Magnus Duda auf. Das Ehepaar hat 2016 den gemeinnützigen Verein Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen in Hilkerode gegründet. Seitdem verbringen die beiden Vogel-Experten Tag und Nacht damit, Vögel aufzupäppeln. Verwaiste Jungvögel gehören ebenso zu den Patienten wie gefiederte Unfallopfer. Außerdem wird in Hilkerode Aufklärungsarbeit groß geschrieben, um den Vogelschutz – und damit den gesamten Landschafts- und Wildtierschutz – nachhaltig voranzutreiben.

 

Die beiden Vogelkinder, eine Mehlschwalbe (links) und eine Rauchschwalbe gehören zu den hunderten Vögeln, die von Julia Metternich und Magnus Duda aufgepäppelt und wieder ausgewildert wurden.

 

Mit solchen Aufgaben ist der 18-Stunden-Arbeitstag für Julia Metternich und Magnus Duda keine Seltenheit. Zwar unterstützen der Landkreis Göttingen, der NABU Niedersachsen, der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und die Bingo-Umweltstiftung die Wildvogelhilfe, aber bei rund 80 Euro Futterkosten pro Tag plus medizinischer Versorgung der gefiederten Patienten ist der Verein auf weitere Spenden dringend angewiesen.

 

Viele gefiederte Patienten werden in Hilkerode versorgt. Die meisten, die bei der Wildvogelhilfe landen, schaffen es wieder in die Freiheit.

 

Die Rettung der Wildtiere sollte nicht die Aufgabe einzelner Personen bleiben. Mitverantwortung kann jede Kommune übernehmen, indem bestimmte Auflagen für Baugebiete durchgesetzt werden, und indem die Vorstellung von Ordnung in der Landschaft überdacht wird (weniger ist mehr, ist kostengünstiger und entlastet außerdem die Bauhof-Mitarbeiter). Kommunen und Landwirtschaft sollten an einem Strang zieht, um Flächen über bestimmte Zeiträume naturnah zu belassen.

Wer einen Eindruck von der Arbeit der Wildvogelhilfe bekommen möchte,
sollte den Tag der offenen Tür am 1. September 2019 nicht verpassen. Mehrere Vorträge über Artenschutz, Wildvogelschutz, Greifvogelschutz und interessante Infos an den Ständen gibt es zwischen 11 und 17 Uhr. Außerdem werden Stationsführungen und Mitmachaktionen angeboten. Prominenter Gast ist Tanja Brandt, die aus Fernsehsendungen bekannte Tierfotografin, Falknerin und Autorin mehrerer Bücher.

Julia Metternich und Magnus Duda stehen jederzeit bereit, um zu informieren, aufzuklären und zu helfen, wo immer es geht. Termine können auch mit Gruppen aus Kommunen, Institutionen, Vereinen und Schulen vereinbart werden.

Notfall-Nummer: 0178 5268762

 

Jeder kann etwas für den Vogelschutz tun. Tipps von Julia Metternich

… für den Gartenbesitzer:

  • Hecken nach der Brutzeit schneiden (Die Brutzeit läuft von April bis September, die Dauer ist wetterabhängig),
  • keine Steingärten, besser kleine Blühflächen anlegen, auch mal ein paar Brennesseln/Disteln stehen lassen und kleine Rasenflächen auch mal nicht mähen.
  • Versteckmöglichkeiten/Nistgelegenheiten für Vögel anbieten (heimische Hecken, Büsche, Sträucher. Beerensträucher bieten gleichzeitig Nahrung)
  • Nistkästen aufhängen
  • Neugierige kleine Mehlschwalbe in Hilkerode

    Totholzhaufen in Gartenecken liegen lassen
    Weitere Tipps für Gartenbesitzer auf der Webseite Der Naturgarten

… für die Kommunen:

  • freiwilliger Verzicht der Stadt auf Einsatz von Spritzmitteln (Pestizide etc.)
  • Flächen mit Blühwiesen anlegen (heimische Blühpflanzen, da die heimischen Tiere darauf spezialisiert sind)

… für die Landwirtschaft:

  • kein Einsatz von Neonicotinoiden
  • Erhalt von Hecken/ Blühstreifen/ Grasstreifen
  • eine ausgeräumte Feldflur vermeiden

Spezielle Tipps für die insektenfreundliche Begrünung von Industrie- und Firmengeländen bietet auch die Heinz-Sielmann-Stiftung mit Hauptsitz auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt.

Außerdem kann jede Privatperson, jede Kommune und jede Institution die Arbeit der Wildvogelhilfe unterstützen, die für die Aufzucht und Pflege der verwaisten/ verletzten Vögel ganz dringend auf Spenden angewiesen ist:

 

Kontoinhaber: Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen e.V.
IBAN: DE02 2606 1291 0001 4128 30
BIC:GENODEF1DUD

Kontoinhaber: Interessengemeinschaft Wildvogelhilfe Südniedersachsen e.V.
IBAN: DE86 2605 1260 0000 2441 37
BIC: NOLADE21DUD

PayPal: info@igwsn.de

 

Das ist keine Unordnung, sondern aktiver Artenschutz: Einfach mal etwas stehenlassen …

Blühstreifen an landwirtschaftlich genutzten Flächen sind Lebensraum für viele Vögel, Insekten, Kriechtiere und kleine Säugetiere – vorausgesetzt, es kommen keine Neonicotinoide zum Einsatz

 

Wer etwas weniger mäht, leistet einen Beitrag zum Artenschutz und hat auch noch weniger Arbeit im heimischen Garten

 

Kultivierte und wilde Pflanzen dicht beieinander

 

 

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Raum & Dekor Werner Duderstadt


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