Was wollen wir eigentlich? Der Kampf um den Duderstädter Bürgermeistertitel ist in vollem Gang. Beim Eichsfeld-Festival stellten sich die beiden Kandidaten, die noch zur Stichwahl im Rennen sind – Thorsten Feike (FDP) und Stefan Koch (CDU) – auf der Bühne vor der Oberkirche den Fragen der FFN-Moderatorin Sybille Bertram. Das Interesse des Publikums war riesig.
Gut, die Wahlprogramme dürften den meisten Wahlberechtigten einigermaßen bekannt sein. Immerhin sollte schon am 1. September der neue Bürgermeister gewählt werden. Da es keine 50-prozentige Mehrheit für einen der vier Kandidaten gab, kommt es am Sonntag (15. 9. 2019) zur Stichwahl. Wir wissen also: Beide Kontrahenten wollen Duderstadt voranbringen, beide wollen etwas für die Jugend, für Familien, für das Klima, für die Digitalisierung, für das Wachstum, für die Barrierefreiheit, für bezahlbaren Wohnraum, für die Arbeitsplätze, für die Verkehrsanbindung und für die Wirtschaft tun. Wie genau jeder einzelne seine eigenen Ideen dazu umsetzen kann, hängt auch von der jeweiligen Überzeugungskraft und von der Zusammenarbeit mit dem Stadtrat ab. Doch da frage ich mich langsam, ob man nicht dabei ist, noch während des Wahlkampfs Scherbenhaufen zu produzieren, die sich später schwer unter den Teppich fegen lassen.
Zur Wahl stehen authentische Menschen aus der Nachbarschaft
Wir Wähler sollten uns im Klaren darüber sein, dass hier keine Bundestagswahl stattfindet, in der professionell gecoachte Spitzenpolitiker gegeneinander antreten, denen die politisch korrekte Kleidung herausgelegt, die Rede geschrieben und die Finesse der Rhetorik eingebläut wird. Hier treten ganz normale Menschen aus unserer Nachbarschaft gegeneinander an. Jedem der Kandidaten würde ich zumindest einen gewissen Idealismus unterstellen – wie sonst käme man auf die Idee, sich dieser ganzen Häme auszusetzen? Die Beleidigungen und Beschimpfungen, die im Netz auf die Kandidaten abgefeuert werden, gehen an der Sachlichkeit der Themen, die in der Region wichtig sind, ziemlich vorbei. Als Bürger sollte ich doch eher mit Fragen, Ideen und Wünschen für unsere Heimat an die Kandidaten herantreten, statt die Personen, die unsere Vorstellungen dann umsetzen sollen, zu beleidigen.
Verschwörungstheorien? Der Schuss kann schnell nach hinten losgehen
Tatsache ist: Einer der beiden zur Stichwahl antretenden Kandidaten wird Bürgermeister in Duderstadt. Sicherlich sind während des Wahlkampfs schon Fehler gemacht worden – von den Kandidaten ebenso wie von den Wegbegleitern, von der Presse oder von Internet-Kommentatoren. Menschen machen Fehler, Frage ist, welche Größe man dann im Umgang damit zeigt. Wenn nun das Internet dazu genutzt wird, die Kandidaten zu beleidigen, ihnen irrwitzige Machenschaften zu unterstellen und sogar Verschwörungstheorien zu veröffentlichen, in denen angeblich auch die örtliche Presse involviert sein soll, kann der Schuss ganz schnell nach hinten losgehen. Ich frage mich, ob man dann auch noch junge Menschen für eine Beteiligung in der Politik (oder den Beruf des Journalisten) begeistern kann? Ich frage mich, wer sich das in Zukunft noch antun möchte, überhaupt für ein Amt zu kandidieren? Und nein, das sind keine Unkenrufe. In Hessen soll es ja schon vorgekommen sein, dass ein NPD-Mitglied zum Ortsvorsteher ernannt wurde, weil angeblich sonst keiner da war, der eine E-Mail versenden kann. Die Realität scheint manchmal irrsinniger als der schlimmste fiktive Trash.
Eine Wahl ist kein Song-Contest
Natürlich kann und muss nicht jeder gleich in die Politik gehen. Aber wir Wähler stehen ebenfalls in der Verantwortung, aus der Sofa-Position herauszukommen. Eine demokratische Wahl – egal welche – ist kein Song-Contest, wo es reicht, Punkte zu verteilen für das beste Programm. Wie effektiv es ist, seine Wünsche und Forderungen klar zu äußern, zeigt uns gerade die Jugend mit den „Fridays-for-Future“-Aktionen. Plötzlich steht der Klimaschutz ganz oben auf den Wahlprogrammen aller Parteien (außer der bläulich-braun gefärbten). Wenn die Politiker wissen, worauf es den Wählern wirklich ankommt, können und müssen sie auch entsprechende Angebote machen.
Gute Ideen, Mut und Fairness sind gefragt
Wer also etwas für die Region tun möchte, muss nicht gleich zur Massen-Demo aufrufen, aber sollte doch den Mut haben, sich konstruktiv und fair mit Ideen zu beteiligen und mit Vorschlägen an den Stadtrat heranzutreten. Das würde ich mir von den Bürgern wünschen, aber auch von den Kandidaten: Bitte klare, sachliche Vorschläge zu den Themen, die uns alle betreffen. Niemand wirkt besser, wenn er versucht, einen anderen schlecht aussehen zu lassen. Beeindrucken können diejenigen, die Ideen haben und dafür auch einstehen. Die Umsetzung ist dann Sache des Stadtrats, und der kann nur konstruktiv arbeiten, wenn dort ein offenes, positives Klima der Fairness und des Verständnisses herrscht. Es wird Zeit.
Liebe Duderstädter und Einwohner der Dörfer, nutzt die Wahl, um Euch alle zu beteiligen an den Geschicken in der Region.
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