Dem 60. Jahrestag des Mauerbaus hat sich das Grenzlandmuseum Eichsfeld am Wochenende 13. bis 15. August 2021 mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen gewidmet, u. a. mit zwei Open-Air-Kinoabenden am Grenzlandweg. Dabei zeigte sich auch die Vielfalt der Möglichkeiten zur historischen Aufarbeitung, vom mahnenden Gedenken bis zur künstlerischen und sogar satirischen Analyse.
Den Opfern des DDR-Grenzregimes wurde bei einer Kranzniederlegung am 13. August gedacht. „Der Mauerbau war nicht auf Berlin beschränkt. Mit ihm begannen der weitere Ausbau und die verstärkte Militarisierung der innerdeutschen Grenze und des DDR Grenzregimes. In den neuen Grenzanlagen wurden nun auch Minen verlegt“, beschreibt Mira Keune, Leiterin des Grenzlandmuseums, die weitreichenden Folgen der Abriegelung und der deutschen Teilung auch für das Eichsfeld. Die Gedenkrede hielt Franz-Josef Schlichting, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.
Am Abend wurde vor dem Beobachtungsturm am Grenzlandweg auf dem Pferdeberg der Kinofilm „Das schweigende Klassenzimmer“ aus dem Jahr 2018 gezeigt. Der Drehbuchautor und Regisseur Lars Kraume hatte das gleichnamige Sachbuch von Dietrich Garstka als Grundlage für seinen Spielfilm genutzt, der sich auf eine wahre Begebenheit im Jahr 1956 bezieht: Nachdem eine Gruppe Abiturienten in der jungen DDR sich in einer Schweigeminute mit den Opfern des Ungarn-Aufstandes solidarisieren, werden sie von der Stasi verfolgt. „Das schweigende Klassenzimmer“ setzt einen Bezug zur Zeit der verstärkten Abriegelungen der DDR, die 1961 in den Mauerbau mündeten.
Am zweiten Open-Air-Kinoabend am 14. August stand eine Komödie auf dem Programm: Billy Wilders „Eins, zwei, drei“. Das Besondere an diesem Film aus dem Jahr 1961 sind nicht nur die vielen Anspielungen, mit denen Billy Wilder die verhärteten Ideologien im Kalten Krieg, die noch längst nicht aufgearbeitete deutsche NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit und viele Klischees aller politischen Lager aufs Korn nimmt. Der Bezug zum Mauerbau ist vor allem während der Dreharbeiten zu finden, die nämlich unterbrochen werden mussten, weil am 13. August 1961 plötzlich das Brandenburger Tor nicht mehr passierbar war.
Beide Kinoabende moderierte Patrick Hoffmann, pädagogischer Mitarbeiter der Grenzlandmuseums. Dabei gab es auch spannende Einblicke zu den Hintergründen der Filme. Das Publikum, das sehr zahlreich mit Picknickkörben und Klappstühlen auf den Pferdeberg kam, genoss die informativen und zugleich unterhaltsamen Geschichtsstunden sichtlich. Außerdem war es möglich, vor dem Filmstart den Beobachtungsturm am Pferdeberg zu besichtigen.
Bereits am Nachmittag gab es am Grenzlandmuseum außerdem ein Puppentheater für Erwachsene. In dem Stück „Bis Mitternacht an die Grenze“ erzählte der Regisseur Christoph Buchfink die „Geschichte einer fast unmöglichen Liebe links und rechts des Stacheldrahts“.
Am Sonntag, 15. August, folgten eine geführte Gedenkwanderung von der Heinz-Sielmann-Stiftung entlang des Grünen Bandes zum Grenzlandmuseum. Dort konnten die Wanderer anschließend die Ausstellungen besichtigen.
Die nächsten Veranstaltungen hat das Grenzlandmuseum für den 3. Oktober 2021, dem Tag der Deutschen Einheit, geplant: Die Ausstellung „30 Jahre – 30 Lieben“ wird eröffnet, wo Paare ihre Geschichte erzählen, die es ohne Grenzöffnung nie gegeben hätte. Auch der Theater-Video-Walk „Hinterm Horizont“ wird zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. An zehn Stationen auf dem Gelände des Grenzlandmuseums werden Videosequenzen aus einem Theaterprojket von Jugendlichen gezeigt.
Außerdem werden stündliche Führungen auf dem Grenzlandweg angeboten.
Weitere Infos zum Programm: https://clanys-eichsfeld.blog/grenzlandmuseum-praesentiert-neues-programm-open-air-kino-und-weitere-spannende-angebote/
oder direktauf der Webseite des Grenzlandmuseums: https://www.grenzlandmuseum.de/veranstaltungen/#programm
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