Seit fünf Jahren bietet das Grenzlandmuseum Eichsfeld im Spätsommer ein öffentliches Geschichtskino an, bei dem Filme mit Bezug zur deutschen Teilung und dem Eisernen Vorhang gezeigt werden – normalerweise als Open-Air-Veranstaltung am Beobachtungsturm auf dem Pferdeberg. Wegen der feuchten Witterung musste das Kino 2026 in die Bildungsstätte umziehen, war aber an beiden Abenden dennoch gut besucht.
„Die Reise mit Vater“ erzählte am Samstag, 29. August, ein rumänisch-deutsches Roadmovie, das auch einen Teil der Familiengeschichte von Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu widerspiegelte: 1968 wollen zwei Brüder aus Rumänien ihren kranken Vater in die DDR bringen, wo er operiert werden soll. In den Wirren der Zeit um den Prager Frühling gelangen die drei nach Westdeutschland und müssen hier folgenschwere Entscheidungen treffen.
Die spannende und bewegende Film-Story um die Sorgen und Hoffnungen der Menschen in Diktaturen, um den Einfluss von Ideologien und um die Frage nach Eigenverantwortung und Menschlichkeit setzt aktuelle Bezüge in die heutige Zeit. Wie der Film entstanden ist und welche sehr persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen mit einflossen, erläuterte Anca Miruna Lăzărescu im Interview mit Patrick Hoffmann, Historiker und Mitarbeiter des Grenzlandmuseums. 1990 kam Anca Miruna Lăzărescu als elfjähriges Mädchen mit ihrer Familie aus Rumänien nach Norddeutschland, machte dort ihr Abitur und studierte Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Auch Fragen aus dem Publikum beantwortete die heute vielfach ausgezeichnete Regisseurin, die u.a. den Grimme-Preis (2019 „Hackerville“, Nominierung 2020 „Wir sind die Welle“) erhielt.
Am Freitag, 28. August, wurde die deutsche Fernsehproduktion „An die Grenze“ gezeigt. Zu den Drehorten gehörte 2006 auch der Grenzlandweg auf dem Pferdeberg. Die deutsche Erstausstrahlung war 2007 bei ARTE.
Die Geschichtskinos wurden gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Mira Keune, Leiterin des Grenzlandmuseums Eichsfeld, hofft auf besseres Wetter im kommenden Jahr, wenn das Geschichtskino wieder als Open-Air-Veranstaltung stattfinden soll. Doch auch für den Herbst 2026 stehen noch vielfältige Angebote auf dem Programm.
Weiter geht es am Dienstag, 8. September, mit dem Dokumentarfilm „Eltern, Kinder, Stasihaft“ von Jürgen Haase und Angela Henkel. Beleuchtet werden die langfristigen Folgen der Stasi-Haft für Familien, insbesondere die Traumata der Kinder. Im Anschluss diskutieren Dr. Karl-Heinz Bomberg (selbst Betroffener und Facharzt für Psychosomatische Medizin) und Prof. Jürgen Haase (Regisseur) mit dem Publikum. Beginn ist um 19 Uhr in der Bildungsstätte des Grenzlandmuseums.
Titelbild: Mira Keune, Leiterin des Grenzlandmuseums, Patrick Hoffmann und Anca Miruna Lăzărescu
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