Freude in Esplingerode: Erstmals schlüpfen junge Störche und werden beringt

Ein Storchenpaar hat sich 2019 erstmals in Esplingerode niedergelassen. Ihren Wohnsitz haben die Adebars selbst gebaut, und zwar auf der alten Linde mitten auf dem Pferdehof von Susann Heddergott und Thomas Klein. Drumherum Pferde, Ponys, Hund, Katze, Maus, Kind und Kegel. Als es dieses Jahr den ersehnten Storchennachwuchs gab, war die Freude riesig. Die Beringung der Jungstörche lockte viele Dorfbewohner an – selbstverständlich mit Maske und Corona-Abstand.

 

Mit Maske und Abstand schauen die Esplingeröder bei der Storchenberingung zu

 

Als eine Autokolonne vor dem Hof hielt, nahmen Günter und Gerlinde – so wurden die Eltern-Störche von den Hofbewohnern im vergangenen Jahr getauft – das Geschehen in Augenschein. Der niedersächsische Storchenbetreuer Georg Fiedler kam mit einem Profi-Teleobjektiv. Frisch geduscht waren die Vögel ja, es hatte kurz zuvor gewittert. Also schnäbelte sich das frischgebackene Elternpaar vor dem Fotoshooting schnell noch das vom Wind zerzauste Gefieder zurecht. Etwas skeptisch war man dann doch, als ein Dieselfahrzeug direkt vor dem Baumhaus hielt.

 

Der Storchenbetreuer Georg Fiedler wird auf der Hebebühne von Lars Denecke zum Nest hinauf gebracht.

 

Garten- und Landschaftsbauer Lars Denecke hilft mit seiner Hebebühne aus, wenn der Storchenbetreuer ins Eichsfeld kommt, um die Jungtiere zu beringen. Die Horste sind in luftiger Höhe, wo die meisten Leitern nicht hinreichen würden. Als die Hebebühne sich dem Nest nähert, bleiben die Elterntiere auf den Dächern in der Nähe. Die Jungen ducken sich reflexartig dicht an den Nestboden und stellen sich tot. Aber ihr neugieriges Blinzeln verrät höchste Aufmerksamkeit. Die Beringung ist schnell erledigt. Dabei begutachtet der Fachmann auch gleich, wie der Horst gebaut ist und wie kräftig die Tiere wirken. „Die drei sehen gut aus“, gibt Georg Fiedler ein positives Feedback. Auch das Nest wird als solider Öko-Neubau bewertet. „Keine Fremdkörper, kein Müll, kein Plastik, das haben die gut gemacht“, lobt der Storchenbetreuer.

 

Perfekter Öko-Bau ohne Müll und Plastikteile. Die Jungen ducken sich und stellen sich tot, wenn sich die Hebebühne nähert.

 

„Die Linde auf unserem Hof ist alt und war in der Mitte schon gespalten. Die wird mit einem Spezialband zusammengehalten. Wir mussten ein Stück von der Krone kappen, und auf die ebene Fläche haben Günter und Gerlinde letztes Jahr ihr Nest gebaut“, erzählt Thomas Klein. Die Störche seien aber erst spät im Jahr damit fertig geworden. Zuvor hatten sie schon Bauversuche auf der Sirene auf dem Spritzenhaus unternommen, aber durch die Wölbung sei das Baumaterial immer wieder abgestürzt.

 

Niedersächsischer Storchenbetreuer Georg Fiedler (links) und Thomas Klein (Mitte).

 

Als das neue Nest auf der Linde im Hof fertig war, hat es 2019 keinen Nachwuchs mehr gegeben. Dennoch hat man rund um die Linde ein Storchenfest für die ersten Störche in Esplingerode gefeiert und dazu die Dorfgemeinschaft eingeladen. Umso größer war die Freude, als Günter und Gerlinde in diesem Jahr wiederkehrten und es dann sogar mit dem Nachwuchs klappte.

 

2019 wurde die Niederlassung der Störche in Esplingerode mit Storchmuffins und Froschplätzchen gefeiert

 

Einige Zuschauer aus dem Dorf sind auch zur Beringung gekommen und beobachten das Geschehen mit Corona-Mindestabstand oder Mund-Nasenschutz. Ob man denn mehr Nisthilfen aufbauen sollte, fragt eine Nachbarin. „Nicht unbedingt“, rät der Storchenbetreuer. Wie viele Vögel tatsächlich bleiben könnten, hinge vor allem vom Nahrungsangebot ab. Und das ist in der ausgeräumten deutschen Feldlandschaft nicht allzu üppig. Je geringer die Nahrung, desto eher käme es auch zu Revierkämpfen unter den Störchen, warnt Georg Fiedler vor zu viel Initiative. Besser wäre also erst Mal, das Nahrungsangebot durch entsprechende Umweltschutzmaßnahmen zu gewährleisten.

 

Kunststoffringe geben Aufschluss über Aufenthalt und Lebensräume von Störchen

 

„Die drei ersten in Esplingerode geborenen Störche haben die Nummern 1V7 mit den Endziffern 29, 30 und 31“, sagt Georg Fiedler. Die Nummern auf den schwarzen Kunststoffringen sind vierfach eingelasert und daher von mehreren Seiten zu lesen. Durch ein Teleskop können sie bis auf 200 Meter Entfernung entziffert werden. „Man muss also nicht nah ans Nest heran, um herauszufinden, welcher Storch dort ist“, erklärt Georg Fiedler.

 

Lars Denecke begleitet den Storchenbetreuer mit der Hebebühne durch das Eichsfeld

 

Vor Esplingerode hat er schon die Jungstörche in Seulingen beringt. Da gab es zwei. Nach Esplingerode geht es weiter nach Obernfeld (2 Junge), erstmals Bilshausen (3) und Rollshausen, wo 2020 ebenfalls zum ersten Mal Storchennachwuchs gesichtet wurde (3). Weitere Jungstörche gibt es bereits in Westerode, Wollershausen und in Lindau. Außerdem gibt es Nistplätze in Bernshausen, Bodensee, Ebergötzen, Gieboldehausen, Lütgenhausen, Seeburg und Wollbrandshausen. Die Ringnummer gibt Aufschluss über Verbreitung, Umzug, Neuansiedlung der Störche und lässt entsprechende Rückschlüsse auf Nahrungsangebot und Lebensräume zu. „Das Weibchen in Rollshausen hat in den Jahren zuvor mit einem anderen Partner in Obernfeld gebrütet“, hat Georg Fiedler festgestellt. Ehekrach bei Adebars? „Naja, Störche sind auch nur Menschen“, sagt der Storchenbetreuer schmunzelnd.

 

ClanysEichsfeldBlog Duderstadt Storchenberingung Esplingerode GeorgFiedler

 

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