Eine Dichterschlacht – zu neudeutsch Poetry Slam – gab es noch nie im Programm der Duderstädter Theater- und Konzertvereinigung (TKV). Der Versuch, mit einem erweiterten Angebot auch ein neues Publikum anzusprechen, ist jedenfalls mehr als geglückt. Begeistert, johlend und applaudierend haben alle Gäste, viele von ihnen deutlich unter 40, mitgemacht bei der Körung der treffendsten Worte.
Zur Battle gekommen waren Luca Swieter aus Köln, Alex Burkhard aus München, Jule Weber aus Bochum, und Friedrich Herrmann aus Jena – alles bekannte Größen in der Szene und alle so unterschiedlich in der Themensetzung und Art des Auftritts, dass ein Vergleich ohnehin nicht ganz einfach werden würde. Damit die Duderstädter als Neueinsteiger in die Welt des Poetry Slams auch wussten wie der Hase läuft, hat die Moderatorin Leticia Wahl, selbst Wortkünstlerin, kurz die Regeln erklärt: Ein paar (mehr oder weniger) Freiwillige erhielten Punktetafeln, mit denen sie die Leistungen der Slammer auf der Skala von 0 – 10 bewerten sollten. Die beste und schlechteste Wertung wurde gestrichen, aus dem Rest der Mittelwert errechnet. Die beiden am höchsten bewerteten Slammer mussten dann noch einmal gegeneinander antreten, um den/die Sieger*in zu ermitteln.
Für die Slammer galt: nur eigene Texte durften vorgetragen werden, es durften keine Requisiten oder Verkleidungen genutzt werden und das Zeitlimit von 5 Minuten pro Auftritt sollte nicht überschritten werden. Auf „hui“ ging es los:
In den Auftritten wurden Alltäglichkeiten lyrisch, Einblicke in tiefes Seelenleben zeigten Verletzlichkeit und in ihrer Ehrlichkeit gleichermaßen Stärke. Individuelle Erfahrungen und sensible Beobachtungen verflochten sich mit gesellschaftskritischen Aspekten – und eine kräftige Portion Humor, gekonnt gepaart mit Selbstironie, steigerte auch noch den Unterhaltungswert und nahm das Publikum mit auf die Reise. Wohin? In neue Sichtweisen, spannende und rührende Augenblicke und in die Welt der Worte, die exakt abgeschossen ihr Ziel nicht verfehlen dürfen. Wer am genauesten trifft – nämlich die Herzen des Publikums – erhält die beste Bewertung.
Letitia Wahl erklärte: „Worte haben etwas Heilsames und Verbindendes. Beim Poetry Slam geht es darum, mit wenigen Worten viel zu sagen, womit sich viele identifizieren können.“
Richtig gut waren sie alle, mitreißend, berührend und manchmal zum Brüllen komisch. Die Punktewerte lagen dementsprechend ziemlich nah beieinander. Nach dem Auszählen kamen dann Luca Swieter und Friedrich Herrmann in die Schlussrunde. Nun wurde das gesamte Publikum zur Jury. Der größte Applaus hätte den Sieg bedeutet – doch der fiel für beide Slammer gleich lautstark aus. Kein Problem, gewonnen haben sowieso alle – nämlich ein neues, vollends begeistertes Poetry-Slam-Publikum in Duderstadt.
Sabine Holste-Hoffmann, Geschäftsführerin der TKV, dankte auch Neu-Mitglied David Gerlach, der den Kontakt zu den Slammern hergestellt hatte und die Planungen der TKV bei diesem Event unterstützte.
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