Crowdfunding für Solawi im Eichsfeld: Mit guten Ideen gründen zwei Ökologische Landwirte die Gemüseinsel

Die Weihnachtszeit ist auch eine Zeit der üppigen Speisen. Da passt es doch besonders gut, einmal mehr darüber nachzudenken, woher unser Essen eigentlich kommt, welchen Einfluss gesunde Nahrung auf unser Wohlbefinden und eine artenreiche Landwirtschaft auf unsere Umwelt haben. Darüber haben sich auch Leon Schleep und Tim Engler ausgiebig Gedanken gemacht. In eichsfeldischen Dietzenrode haben sie ein landwirtschaftliches Startup gegründet.

Solawi Gemüseinsel – regenerativer Bio-Gemüseanbau“ nennt sich das Projekt der beiden Studienabsolventen Ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen. Hier wird Gemüse nach einem ökologischen und regenerativen Gesamtkonzept angebaut, das sogar aktiv zur Speicherung von Kohlenstoff beiträgt und somit die Treibhausgas-Emissionen reduziert. Mit einem Crowdfunding soll das Projekt finanziert werden.

 

Ein gesunder Boden ist lebendig und speichert sogar Kohlenstoff

 

Tim und Leon sind beide nicht in der Landwirtschaft aufgewachsen. Wie sie dennoch dahin kamen, erklärt Leon: „Sowohl Tim, als auch ich, sind jeweils durchs Reisen auf den Gemüsebau gekommen. Wir haben nach dem Abi gewwooft. Das ist Freiwilligenarbeit auf kleinen Biohöfen. Ich war in Kanada und Tim in Südeuropa.“

Nach der Bachelorarbeit wollten die beiden Freunde eigentlich mal abschalten und in die Mongolei trampen, doch dann kam Corona. Also wurde die Krise genutzt, um das Erlernte einzusetzen in einer Gemüse-Solawi (Solawi = Solidarische Landwirtschaft, Kooperation zwischen Landwirten und Verbrauchern auf dem Prinzip der Ökologie und Nachhaltigkeit). Neben der Erzeugung von gesunden und regionalen Lebensmitteln stehen die Themen Klimaschutz, Artenvielfalt, Ernährungssouveränität und Gemeinschaft ganz oben auf der Prioritätenliste. Das Gesamtkonzept soll weit über die Ansprüche der Bio-Zertifizierung hinausgehen. In der Umgebung Witzenhausens wurde also nach Pachtland gesucht, und auf dem Inselhof in Dietzenrode im Eichsfeld wurde man fündig.

„Die Nachbar*innen sind alle erstmal sehr offen und herzlich. Ich denke, die meisten Menschen freuen sich, wenn junge Menschen zurück aufs Land kommen und Landwirtschaft betreiben“, sagt Leon. Einige seien aber auch skeptisch gegenüber neuen (Bio-)Anbaukonzepten und deren Wirtschaftlichkeit. „Dass sich die beiden Dinge nicht ausschließen müssen, ist einigen nicht klar“, meint Leon. Ein sehr positives Treffen gab es bereits mit dem Bürgermeister Walter Homburg aus Vatterode/Dietzenrode, außerdem haben viele Freunde und Helfer das Projekt schon mit unterstützt.

 

Auf große Maschinen und Gerätschaften wird weitgehend verzichtet

 

Wie funktioniert Solawi?

Schon zu Beginn der Saison können Verbraucher*innen einen Ernteanteil erwerben. Während der Saison erhalten sie jede Woche eine Kiste mit lokal angebautem Gemüse zum fairen Preis. Die Gärtner wissen also schon im Frühjahr, was angebaut werden muss, und bleiben nicht auf unverkauftem Gemüse sitzen.

Doch nicht nur der Anbau von bio-zertifiziertem Gemüse gehört zum Konzept. Durch die Verknüpfung mit Permakultur-Elementen sollen Pflanzen und Tiere wie Vögel, Insekten, Reptilien etc. sich gegenseitig ergänzen, so einen möglichen Ernteausfall reduzieren und gesunde Symbiosen in einem funktionierendem Ökosystem bilden. Mit Hecken, Sträuchern, Gräsern etc. werden heimische Lebensräume geschaffen und erhalten. Ganz ohne künstliche Düngemittel und Pestizide können auf diese Weise des Gartenbaus erstaunlich gute Ernteerträge erwartet werden. Solawi- Mitglieder haben außerdem die Möglichkeit, an Mitmachtagen teilzunehmen, sich zu informieren, dazuzulernen und einen wertschätzenden Bezug zu ihrem Essen zu bekommen. Außer in Dietzenrode wird auch in Heiligenstadt eine Abholstelle für das Bio-Gemüse eingerichtet.

Mit der Summe von 50.000 Euro kann das Projekt im südwestlichen Eichsfeld finanziert werden. Dazu wurde ein Crowdfunding gestartet, das noch bis zum 8. Februar 2021 läuft. Wer sich daran beteiligt, unterstützt nicht nur ein junges Landwirtschaftsprojekt, sondern leistet auch einen Beitrag zum Klimaschutz und zum Umdenken im Anbau und in der Herstellung unserer Lebensmittel.

Das Geld aus dem Crowdfunding wird für Bewässerungssysteme, Saatgut, Zäune, einen Einachsschlepper, Gartengeräte etc. eingesetzt. Weitere Infos gibt es auf EcoCrowd – Die Crowdfunding-Plattform für nachhaltige Projekte, die u. a. vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie von fairmondo unterstützt wird.

 

 

Titelbild: Tim Engler und Leon Schleep bei der Ernte (v.l.)
Alle Bilder von Leon Schleep und Tim Engler

 

ClanysEichsfeldBlog Solawi Dietzenrode ÖkologischerLandbau

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