125 Jahre Buchhandlung Mecke: Festakt mit Einblicken in eine Duderstädter Firmen- und Familiengeschichte

Die Duderstädter Buchhandlung Mecke hat ihr 125-jähriges Jubiläum mit einem Festakt und zahlreichen Gästen in der Aula der Ursulinen gefeiert. Es gab Rückblicke auf die Historie, aber auch aktuelle Bezüge zur gesellschaftlichen Entwicklung der Buchhandels. Und es gab Zeit zum Lachen, zum Genuss und zum Austausch miteinander.

Bücher enthalten (treffende) Worte, Sprache, Wissen, Erinnerungen, Gefühle, Spannung und Trost. Sie können verbinden, bewahren, inspirieren, Verständnis schaffen, Gesellschaften prägen und verändern. Wer mit Büchern handelt, gibt also Kulturgut weiter und trägt zudem Verantwortung für Auswahl und Wahrnehmung der so unterschiedlichen Werke. All diese Bedeutungen des Buches und des Handels mit selbigem wurden bei der Jubiläumsfeier durch kurzweilige und informative Beiträge ins Bewusstsein gerückt.

Volker Petri, Geschäftsführer Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Nord e.V., unterstrich die Freiheit des Wortes, auch vor dem aktuellen Hintergrund des Ausschlusses dreier Buchhandlungen (darunter der Buchladen Rote Straße Göttingen) bei der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises 2026 durch den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

„Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Leben ohne Seele“, verglich Pastorin Christina Abel in ihren Grußworten die unermessliche Vielfalt des geschriebenen Wortes mit der Vielfalt des Lebens.

 

Buchhandlung Mecke mit angeschlossener Druckerei in der Duderstädter Jüdenstraße (1970-er Jahre, Foto: Archiv Mecke)

 

Gerold Wucherpfennig, Vorsitzender des Heimatvereins Goldene Mark und des HVE Eichsfeld-Touristik, betonte in seiner Festrede die Bedeutung der Firma Mecke bei der Identitätsstiftung im Eichsfeld durch die heimatkundlichen Publikationen, Herstellung von Postkarten und den Handel mit regionaler Literatur. Er lobte „das 125 Jahre kontinuierliche, nachhaltige Arbeiten und Wirken der Familie Mecke“, die ein ganzes Stück „eichsfeldverrückt“ sei.

Christian Mecke, seit 1995 Leiter und heutiger Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung in vierter Generation, fasste in seinem Rückblick auf die 125-jährige Geschichte die Entwicklungen eines Familienunternehmens im Wandel der Zeit zusammen. Als sein Ururgroßvater Friedrich Mecke 1901 starb, übernahm dessen Sohn Aloys Mecke mit 21 Jahren das Geschäft in der Jüdenstraße. Der Vater war allerdings Posamentierer gewesen (er stellte schmückende Textilien wie Kordeln, Fahnen, Quasten und Ähnliches her), und diese Handwerkskunst konnte längst durch Maschinen ersetzt werden. Damit würde also zukünftig kein Lebensunterhalt zu verdienen sein.
Aloys Mecke hatte jedoch erkannt, dass Bücher boomten, woran ebenfalls neue maschinelle Drucktechniken ihren Anteil hatten und den Lesestoff erschwinglich machten. „Heute würde man es Startup nennen“, verglich Christian Mecke die Entscheidung seines Urgroßvaters, sich zum Buchbinder ausbilden zu lassen und 1901 den väterlichen Betrieb in eine Buchhandlung umzuwandeln. Bereits 1905 wurde das Buchgeschäft ergänzt durch religiöses Kunsthandwerk wie Kruzifixe und Rosenkränze. 1908 wurde die Buchhandlung um eine Leihbücherei erweitert, und es wurde die erste Druckmaschine für die neu gegründete Druckerei angeschafft, wo ab den 1920-er Jahren vor allem regionale Literatur mit Themen von Naturkunde bis zum Roman publiziert wurde. Außerdem wurde in die Fotografie investiert, und um die schwere und teure Fotoausrüstung durch das Eichsfeld zu transportieren – insbesondere um Eichsfelder Motive für Postkarten aufzunehmen – wurde sogar ein Automobil, ein Opel „Laubfrosch“, angeschafft.

 

Christian Mecke gibt Einblicke in die Historie

 

Ab 1933 änderte sich auch für die Druckereien in Deutschland vieles. Christian Mecke erläuterte seine persönlichen Fragen an seine Vorfahren: Waren sie Opfer? Mitläufer? Täter? Bei seinen Recherchen fand er heraus, dass sein Urgroßvater Aloys Mecke dessen jüngeren Bruder unterstützt hatte, einen Priester, der aus Nazi-Deutschland nach Holland geflohen war. Aloys Mecke ist daraufhin von den Nazis verhaftet und misshandelt worden. Dennoch veröffentlichte er auch NS-Propaganda-Artikel, da ihm sonst die Druckgenehmigung für seine Publikationen nicht erteilt worden wäre. 1943 wurde der Betrieb auf behördliche Anordnung geschlossen.

Als Duderstadt nach dem Krieg durch die deutsche Teilung in eine geografische und wirtschaftliche Randlage geraten war, musste die ganze Familie mit anpacken, um den Buchladen und die Druckerei wieder in Schwung zu bringen. Das Sortiment wurde erweitert, und im Laufe der Zeit kamen neben Schreibwaren auch Spiele, Bastelartikel und mehr dazu.

Von den sieben Geschwistern, die aus der Ehe von Karl und Maria Mecke hervorgegangen waren, blieben schließlich nur die Brüder Karl jun. und Helmut im elterlichen Betrieb. Ab 1970 wurde die Druckerei als eigenständige Firma geführt, Inhaber war Helmut Mecke. 1987 zog „Mecke Druck und Verlag“ in die Christian-Blank-Straße. Die Leitung übernahm 2011 Helmuts Sohn Nils Mecke, der heute Inhaber der Druckerei ist. Die Buchhandlung blieb am Stammsitz in der Jüdenstraße, geführt von Karl Mecke jun., der ab 1974 Inhaber war.

Karls Sohn Christian Mecke erzählte dann, dass er sich eine längere Bedenkzeit gegönnt hatte, bevor er sich entschloss, ebenfalls Buchhändler zu werden. Nach seiner Ausbildung kehrte er in die elterliche Buchhandlung zurück und traf dort bald eine junge Frau, die Hermann-Hesse-Bücher kaufte. Nach mehreren Anläufen konnte sich der junge Buchhändler mit dem schwachen Namensgedächtnis endlich ihren Namen merken. Inzwischen ist er seit 29 Jahren mit Michaela, geb. Gebhardt, verheiratet.

 

Luzia Ernst und Daniel Roth sorgen für die passende Musik

 

Im Rahmen der Jubiläumsfeier gab es musikalische Einlagen von der Mezzosopranistin Luzia Ernst und Daniel Roth am Akkordeon. Das Programm spiegelte abwechslungsreich einen epochalen Wandel mit Stücken von Schubert, Mozart, Kurt Weill und ein paar „Hits“ aus bekannten Tonfilmoperetten.

 

Grög! alias Georg Eggers sorgt für Spaß

 

Nach einer Pause mit Sektempfang betrat der Kabarettist „Grög!“, der im echten Leben als Georg Eggers Elektrotechnik an der Hochschule München unterrichtet, die Bühne in der Ursulinen-Aula. Mit einem Programm, das amüsante Liebessonette, Balladen, Hip Hop und Poetry Slam umfasste, hatte der Künstler die Lacher auf seiner Seite und nahm auch die „Spezies Buchhändler“ aufs Korn, die in ihrer universellen Vielfältigkeit nachweislich mit dem Wolpertinger gleichzusetzen sei.

Schließlich standen noch Fragen im Raum, beispielsweise wie es mit dem Buchhandel weitergehe in einer Welt der Digitalisierung und KI. Oder was Buchhandlungen mit der Belebung der Innenstädte, mit geistiger Entwicklung, Inspiration, Bildung und Demokratie zu tun hätten. Und welche neuen Konzepte und Kooperationen zukünftig das Interesse bei der Leserschaft wecken könnten. Doch nicht alle Fragen mussten an einem Abend beantwortet werden. Familie Mecke lud die Gäste ein zum Imbiss in der Mensa der Ursulinen, wo im lockeren Austausch auch neue Kontakte und Ideen verknüpft werden konnten.

 

Buchhandlung Mecke in der Jüdenstraße in Duderstadt

 

Weitere Infos zu den Eichsfelder Druckereien HIER

 

ClanysEichsfeldBlog Duderstadt 125JahreMecke Buchhandlung

 


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