Trägerverein Grenzlandmuseum Eichsfeld e.V. trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth und würdigt ihren Einsatz für das Eichsfeld

Am 1. Februar 2026 starb Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundesministerin a.D. und Präsidentin des Deutschen Bundestages a.D., im Alter von 88 Jahren. Der Trägerverein Grenzlandmuseum Eichsfeld e.V. würdigt ihren Einsatz für das Eichsfeld und für die Entstehung des Grenzlandmuseums in einem öffentlichen Kondolenzbrief an Dr. Claudia Süssmuth-Dyckerhoff, Tochter von Rita Süssmuth. Unterzeichnet wurde der Brief von den beiden Vorsitzenden Horst Dornieden und Wolfgang Nolte.

Kondolenzbrief im Wortlaut:

„Sehr geehrte Frau Dr. Süssmuth-Dyckerhoff,

zum Tod Ihrer sehr geschätzten, lieben Mutter, Prof. Dr. Rita Süssmuth, möchten wir Ihnen und Ihrer Familie unsere aufrichtige und herzliche Anteilnahme ausdrücken. In dieser schweren Zeit des Abschiednehmens wünschen wir Ihnen ganz viel Kraft und einen starken Zusammenhalt.

Ihre Mutter hat uns und unsere Arbeit über Jahrzehnte prägend begleitet, so, dass wir sehr traurig und zugleich sehr dankbar sind. Von Beginn ihrer Arbeit in unserer Heimatregion an hatte Ihre Mutter nicht nur großes Interesse und eine herzliche Beziehung zu den Menschen und der Entwicklung ihres Wahlkreises, zu dem ein Teil unserer damals noch geteilten Heimat gehörte. Auch das Bewusstsein für die brutale und menschenverachtende Grenze war bei Ihrer Mutter sehr stark ausgeprägt. Unermüdlich setzte sie sich für Duderstadt, das Eichsfeld und unsere Region ein.

Sie besuchte regelmäßig den Bundesgrenzschutz in Duderstadt, kannte den „Kleinen Grenzverkehr“, und begleitete Hilfsorganisationen, die sich um Menschen aus der DDR kümmerten. Immer bat Ihre Mutter darum, zu hören, was verbessert werden könnte, immer reagierte sie direkt auf die Vorschläge, vernetzte und organisierte Verbesserungen.

Natürlich war Ihre Mutter deshalb auch sofort zur Stelle, als der innerdeutsche Grenzübergang in ihrem Wahlkreis, unser Grenzübergang Duderstadt-Worbis, in der Nacht vom 9.11. auf den 10.11,1989 geöffnet wurde. Sie begrüßte gemeinsam mit den Verantwortlichen die Menschen, die in kilometerlangen Schlangen unseren Grenzübergang passierten und hieß sie herzlich willkommen.

 

Rita Süssmuth am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt-Worbis, im Vordergrund der damalige Duderstädter Stadtdirektor Lothar Koch (Foto: Archiv Grenzlandmuseum / Hubert Schneemann)

 

In den folgenden Tagen und Wochen begleitete sie weitere Grenzöffnungen im Eichsfeld wie etwa zwischen Brochthausen und Zwinge. Sie nahm von Herzen Anteil an diesem historischen Wunder der friedlichen Überwindung der deutschen Teilung. Ihre Mutter war so eine herausragende und zugleich nahbare Ansprechpartnerin für die Menschen auf beiden Seiten des Eichsfelds und bestärkte uns in allen Prozessen der Wiedervereinigung.

Den Gedanken, aus dem Grenzübergang einen Gedenk- und Mahnort zu entwickeln, unterstützte Ihre Mutter sofort. Ohne ihren ganz persönlichen Einsatz, besonders für die rechtlichen Voraussetzungen, hätten wir das Grenzlandmuseum Eichsfeld 1995 wohl kaum eröffnen können. Bei dieser Eröffnung war Ihre liebe Mutter natürlich unser Ehrengast.

Vor einem halben Jahr durften wir das 30-jährige Bestehen dieser wichtigen Mahn- und Gedenkstätte, heute ein moderner Demokratie-Lernort, feiern. Dabei war es uns selbstverständlich wichtig, das Wirken und den Einsatz Ihrer Mutter noch einmal zu würdigen.

In einer Gedenkrede, die Ihre Mutter vor einigen Jahren hielt, verwendete sie die Formulierung „Die Geschichte entlässt niemanden“. Den Einsatz Ihrer Mutter für die Stärkung und Festigung der Demokratie sowie das Bewusstsein dafür, dass das Leben in Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist, verstehen wir auch als Auftrag für unsere Arbeit im Grenzlandmuseum Eichsfeld. Das Zitat Ihrer Mutter verwenden wir dabei auch in unserer Bildungsarbeit.

Unser Grenzlandmuseum Eichsfeld e. V. trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundesministerin a.D. und Präsidentin des Deutschen Bundestages a.D. Vor ihrer herausragenden Persönlichkeit verneigen wir uns und werden Ihrer Mutter ein ehrendes Andenken bewahren.

Mit stillem Gruß

Gez. Horst Dornieden, Vorsitzender,

gez. Wolfgang Nolte, stellv. Vorsitzender“

 

Rita Süssmuth begrüßt DDR-Bürger am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt-Worbis auf ihrer Fahrt in den Westen (Foto: Archiv Grenzlandmuseum / Hubert Schneemann)

 

Titelbild: Rita Süssmuth (Mitte) mit dem damaligen Duderstädter Bürgermeister Lothar Koch (l.) und dem Duderstädter Stadtdirektor Wolfgang Nolte (Foto: Archiv Grenzlandmuseum / Hubert Schneemann)

 

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