30 Jahre Grenzöffnung – Literaturfest Niedersachsen gastiert im Grenzlandmuseum

Die Grenzöffnung vor knapp 30 Jahren wurde im Grenzlandmuseum Eichsfeld mit einer weiteren außergewöhnlichen Veranstaltung gefeiert: Das Literaturfest Niedersachsen, das in diesem Jahr unter dem Motto „Mut“ steht, hat Station im Eichsfeld gemacht.
„Leise, laut, verboten – Literaten in der DDR“ – unter diesem Titel haben die beiden aus dem Fernsehen bekannten Schauspieler Annett Renneberg und Florian Lukas Texte von DDR-Schriftstellern vorgetragen, die mit ihrer Kunst gegen die Unterdrückung im SED-Staat und für die Freiheit gekämpft haben. Der in Dresden geborene Perkussionist Günter Baby Sommer hat die Dynamik der Texte auf dem Schlagzeug synchronisiert: Angst, Unruhe, Aufbruch und die ganze aufgeladene Atmosphäre der Zeit vor 1989 wurden bei der Lesung im Grenzlandmuseum Eichsfeld hörbar und spürbar.

 

Annett Renneberg ist dem breiten Publikum als Signorina Elletra aus den „Commissario Brunetti“-Filmen bekannt. Im Grenzlandmuseum liest die Schauspielerin Texte von DDR-Autoren.

 

Literatur – diese Kunstgattung bezeichnet allgemein Schriften, die nicht als Notiz in der Schublade schlummern, sondern veröffentlicht werden. Im Lauf der Geschichte kam es jedoch immer wieder zu Verboten von literarischen Werken, die jemandem vermeintlich gefährlich werden konnten: dem Staat, der Kirche, einer Gruppierung, einer Person. Die Geschichte zeigt aber auch, dass gerade diese verbotenen Schriften, die manchmal im wahrsten Sinn des Wortes Brennstoff bargen, neugierig machten.

Die Autorin Katja Lange-Müller, die 1984 aus der DDR ausreiste, hat Texte von verschiedenen DDR-Schriftstellern ausgesucht und zu einer lyrischen Collage aneinandergesetzt. Ein komplexes Stimmungsbild ist dabei entstanden. Angst, Misstrauen, Bedrohung, aber auch Sehnsucht nach Freiheit, Kraft, Hoffnung und Mut wurden in Wort und Klang heraufbeschworen und durch die eindringliche Vortragsweise der beiden Schauspieler Annett Renneberg und Florian Lukas verdichtet. Die prosaischen und lyrischen Text-Fragmente stammten von Andreas Koziol, Georg Seidel, Uwe Kolbe, Wolfgang Hilbig, Durs Grünbein, Thomas Brasch, Adolf Endler, Gabriele Stötzer, Jürgen Fuchs, Günter Ullmann, Siegmar Faust und Katja Lange-Müller.

 

Florian Lukas hatte seinen großen Durchbruch im Erfolgsfilm „Good Bye, Lenin!“. In seinem neuesten Projekt steht er gemeinsam mit Harry-Potter-Star Rupert Grint vor der Kamera

 

Als drittes Element der Darstellung nahmen Rhythmen, Töne, Klänge und Stimme des Perkussionisten Günter Baby Sommer den Raum ein, mal luftig flüsternd, kaum noch hörbar, dann wieder klagend, reißend, fordernd, aufrüttelnd, schneidend und treibend.

Viele der Text-Fragmente erscheinen zeitlos und haben in ihrer Aussage nichts an Kraft eingebüßt. Wie weit ist also jeder Mensch mit eingebunden in zeitgeschichtliche Entwicklungen? Wie wichtig ist es, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen? Und welche Tragweite hat das dann? Wodurch werden Träume und Hoffnungen angetrieben – und wie viel Mut braucht man, um Einfluss zu nehmen und seinen Idealen treu zu bleiben?

 

Beim Publikum kommen Lesung und Percussions gut an.

Die Collage ist beim Publikum angekommen. Unter den Gästen waren Hermann Kasten, Vorsitzender der VGH, und Uwe Hacke, Vorsitzender der Sparkasse Duderstadt, als Sponsoren sowie Wolfgang Nolte, zweiter Vorsitzender des Trägerverein des Grenzlandmuseums. Die Veranstaltung war ausverkauft und der Applaus lang anhaltend. Die Aufgabe eines Museums ist es, nicht nur an die Geschehnisse in der Vergangenheit zu erinnern, sondern die Verknüpfung zur Gegenwart immer wieder herzustellen, zu mahnen und daran zu erinnern, dass mutige Menschen Veränderungen in der Geschichte angestoßen haben. Für die hervorragende Arbeit im Grenzlandmuseum lobte Wolfgang Nolte die Geschäftsführerin Mira Keune und ihr Team ausdrücklich.

Zum Gedenken an die Grenzöffnung vor 30 Jahren gibt es im Herbst 2019 noch weitere spannende Veranstaltungen.

 

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