1320 km Grünes Band in 24 Tagen: Extremwanderer Thorsten Hoyer macht auch Station im Eichsfeld

Allein hat sich Thorsten Hoyer am 7. September 2020 auf den Weg gemacht. Am Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien ist er losmarschiert. Elf Tage später erreichte er die thüringisch-niedersächsische Grenze zwischen Böseckendorf und Immingerode. Der Extremwanderer, der sonst in der ganzen Welt unterwegs ist, geht das rund 1320 Kilometer lange Grüne Band in Deutschland zu Fuß ab, pro Tag rund 50 Kilometer.

 

Empfang bei Böseckendorf: Der Duderstädter Tourismusbeauftragte Christian Zöpfgen (links) und Georg Baumert vom Grenzlandmuseum (Mitte) begrüßen den Extremwanderer Thorsten Hoyer

 

Am Eichsfelder Kolonnenweg empfing ihn eine kleine Delegation: der Duderstädter Tourismusbeauftragte Christian Zöpfgen und Georg Baumert, Forstwissenschaftler und pädagogischer Mitarbeiter im Grenzlandmuseum Eichsfeld, waren von der Redaktion des Wandermagazins informiert worden, wo Thorsten Hoyer auch Chefredakteur ist. Und noch jemand wartete dort am ehemaligen Grenzweg bei Böseckendorf: Der Kölner Filmemacher Philippe Opigez dreht einen Dokumentarfilm zur Wanderung am Grünen Band, die Thorsten Hoyer in nur 24 Tagen schaffen will. Wie und wo der Film dann veröffentlicht wird, sei noch nicht festgelegt, aber die Infos dazu würden entsprechend im Wandermagazin bekanntgegeben, sagte Philippe Opigez.

 

Philippe Opigez filmt das Gespräch zwischen Thorsten Hoyer und Georg Baumert

 

Über die abgeerntete Feldlandschaft sah man den Wanderer schon von Weitem. Dass der Profi in diesem Jahr das Grüne Band als seinen Weg gewählt hat, war schließlich Corona zu verdanken. „Wir hatten Anfang des Jahres alle Touren geplant. Eigentlich hatte ich mir den E1 durch ganz Europa vorgenommen, aber ab März ging dann plötzlich nichts mehr“, berichtete Thorsten Hoyer. Als der Lockdown dann langsam gelockert wurde, war schnell klar, wo es im 30. Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung hingehen sollte. „Die Grenze und Wiedervereinigung sind auch Teile meiner Familiengeschichte. Mein Vater flüchtete 1962 nach Westberlin, ich bin in Hessen aufgewachsen, und heute lebe ich mit meiner Familie in Erfurt“, erzählte Thorsten Hoyer.

Oft schon hatte er Wege gewählt, die ihn auch der jeweiligen Geschichte des Landes näher brachten. Entlang der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland, dem heutigen Biotopverbund Grünes Band, finden sich zahlreiche Spuren der jüngeren deutschen Geschichte, Erinnerungs- und Gedenkstätten. Da der Todesstreifen allerdings eine breite menschenleere Schneise durch das Land gezogen hatte, fehlt dort bis heute vielerorts Infrastruktur. „Zum Einkaufen, Wasser auffüllen oder Übernachten muss man immer den Weg verlassen“, hat Thorsten Hoyer festgestellt.

 

Von Massentourismus weit entfernt ist das Grüne Band (hier bei Ecklingerode), das allerdings durch äußerst abwechslungsreiche Landschaften und Biotope führt

 

In Coronazeiten schien der Kolonnenweg zwar etwas mehr besucht als sonst, dennoch sei es auch vorgekommen, dass er drei Tage lang niemanden getroffen habe. Wer das Grüne Band erwandert, hat also auch viel Zeit zum Nachdenken. „`Auf den Weg machen´ bedeutet immer auch eine gedankliche Reise, auf der man sich die Frage stellt: Wo wollen wir hin – als Person und als Gesellschaft?“, sagte Thorsten Hoyer. Den hohen Wert unserer freiheitlichen Demokratie, in der wir heute leben, habe er am Grünen Band auf eine besondere Weise neu verstanden.

Auch wenn der Kolonnenweg von Massentourismus weit entfernt ist, traf Thorsten Hoyer immer wieder auf Menschen, deren persönliche Geschichte ebenfalls geprägt war durch die innerdeutsche Teilung. Zwischen Böseckendorf und Immingerode wollte die Eichsfelder Delegation auf die Grenzgeschichte des Eichsfelds hinweisen. Georg Baumert schilderte ortsnah die Hintergründe zur Massenflucht 1961 aus Böseckendorf im Sperrgebiet der DDR ins nahegelegene niedersächsische Immingerode. Außerdem erzählte er die Geschichte des ehemaligen Grenzübergangs Duderstadt-Worbis, woraus 1995 das Grenzlandmuseum Eichsfeld entstanden ist.

 

Wanderwart Thorsten Stolze und Thorsten Hoyer am WestÖstlichen Tor (Foto: Christian Zöpfgen)

 

Christian Zöpfgen brachte den Wanderer schließlich mit dem Duderstädter Wanderwegewart Thorsten Stolze zusammen. Treffpunkt war das WestÖstliche Tor, das Landschaftskunstobjekt zwischen Duderstadt und Ecklingerode, das 2002 von einem der großen Wegbereiter der Deutschen Einheit, den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, eingeweiht wurde. Thorsten Stolze begleitete den Gast noch ein Stück zur Sielmann-Hütte und zur Unterkunft im Paterhof bei Fuhrbach.

 

Kurze Rast an der Sielmann-Hütte bei Fuhrbach (Foto: Christian Zöpfgen)

 

Weiter ging es für Thorsten Hoyer am Samstagmorgen vom Eichsfeld in den Harz und über den Brocken. Tagesziel der 52 Kilometer langen Strecke war Hohegeiß. Am 30. September soll Travemünde erreicht werden, so der Plan. Zum 3. Oktober, dem Gedenktag der Deutschen Einheit, gönnt sich Thorsten Hoyer noch eine Bonus-Runde. Bis zum 5. Oktober will der Extremwanderer den Berliner Mauerweg mit einer Gesamtstrecke von 161 Kilometer gehen – schlaflos.

Mehr über Thorsten Hoyer HIER

 

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