Zwei kostenfreie Stadtrundgänge zur jüdischen Geschichte der Stadt Duderstadt in den Jahren 1945-46 bietet Hans-Georg Schwedhelm, Mitglied der Geschichtswerkstatt, an. Start ist am Sonntag, 4. Oktober 2026, um 11 Uhr am historischen Rathaus.
Zum Hintergrund informiert Hans-Georg Schwedhelm:
Am 09. April 1945 endete die nationalsozialistische Herrschaft in Duderstadt. Amerikanische Soldaten befreiten tausende von ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangene in der Stadt. Am 08. Mai endete für alle Deutschen der Zweite Weltkrieg und die Hoffnung auf einen demokratischen Neustart bestand. Was bedeutete das für Duderstadt? Das ist eine Frage, die beantwortet werden soll.
Die Nationalsozialisten haben ihre politischen Gegner verfolgt, Gewerkschaften verboten, kirchliche Arbeit behindert und Juden ausgegrenzt, vertrieben und ermordet. Dies fand nicht nur in Berlin oder den großen Städten, sondern im gesamten Reich und damit auch im ländlichen Duderstadt statt. Es gab Opfer des NS-Terrors und die Täter – beide Gruppen lebten anschließend in der Stadt. Menschen, die mitmachten, das NS-System aktiv unterstützten, NSDAP-Mitglied wurden oder jüdisches Eigentum „erwarben“, waren Teil der Stadtgesellschaft.
Die Lebens- und Leidensgeschichten von Opfern des NS-Staates sollen im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen. Erinnert wird besonders an die Opfer der Nationalsozialisten, z.B. an den Seemann Heinrich Ahrens aus Duderstadt, den KZ-Häftling Karl Rhode aus Fuhrbach, den Sinti Robert Rosenberg und den Sozialdemokraten Karl Vollmer, beide aus Duderstadt.
Ein weiterer Stadtrundgang zu diesem Thema findet am Sonntag, 8. November 2026, statt. Treffpunkt ist ebenfalls um 11 Uhr am historischen Rathaus. Mit der Führung soll an die Ereignisse der Reichspogromnacht 1938 in Duderstadt erinnert werden.
Zum Hintergrund:
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden in Deutschland die Synagogen von den Nationalsozialisten angezündet und zerstört. Zudem wurden in Duderstadt die beiden noch vorhandenen Textilgeschäfte der Familien Rosenbaum und Loewenthal auf der Marktstraße am 10. November 1938 geplündert und mussten danach schließen. Die letzten jüdischen Einwohner der Stadt wurden von der Gestapo im März 1942 verhaftet und in ein Vernichtungslager gebracht. Damit gab es kein jüdisches Leben mehr in Duderstadt. Um 1900 lebten dort noch ca. 100 Einwohner jüdischen Glaubens.
Im Rahmen der Stadtführung wird auch die Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Duderstädter Rathaus beschrieben. Orte der Führung sind das Rathaus, der Standort der ehemaligen Synagoge in der Gartenstraße (heute Christian-Blank-Straße), Häuser, in denen jüdische Geschäfte waren und die Familien gewohnt haben und der jüdische Friedhof am Gänseweg.
Anmeldungen sind nicht erforderlich. Beide Führungen sind kostenfrei.
Titelbild: NSDAP-Gauleiter Reichsminister Bernhard Rust und der NSDAP-Kreisleiter Andreas Dornieden im August 1936 auf der Duderstädter Marktstraße (Foto: Geschichtswerkstatt Duderstadt)
ClanysEichsfeldBlog Duderstadt Stadtführungen Nationalsozialismus






