Wald und Kultur sind eng miteinander verbunden – KulturKloster Duderstadt plant großes Waldprojekt

Was hat der Wald mit Kultur zu tun? Dieser Frage geht das KulturKloster Duderstadt in einem Schülerprojekt nach den Sommerferien zu den Deutschen Waldtagen 2020 auf den Grund. Da geht es sowohl um Waldwirtschaft und Ökologie, als auch um Geschichte und Inspiration.

Der Wald ist seit Jahrtausenden eng mit der menschlichen Kultur verknüpft. Als heiliger Hain wurde er in vorchristlicher Zeit verehrt, den Bäumen wurde besondere Macht zugesprochen. Bekannt sind einige heute noch: Yggdrasil, die Weltesche der Germanen, der heilige Feigenbaum Asvattha in Indien oder der Apfelbaum der Erkenntnis in der Bibel. Der Wald bietet außerdem die Kulisse für zahlreiche Mythen und Märchen.

 

In Mythen und Märchen lauern im Wald Bedrohungen, die jedoch immer besiegt werden, gleichermaßen bietet er auch Schutz (Hänsel und Gretel, Darstellung von Alexander Zick, Quelle Wikipedia)

 

Die Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit von Holz hat auch die kulturelle Entwicklung weltweit begleitet. Als Baustoff wurde Holz für Wohnstätten, Tempel, Kirchen, Festungen und Palisadenwälle sowie für den Bergbau genutzt. Im Haus wurde Holz zu Gebrauchsgegenständen, Küchenutensilien, Möbeln, Schuhen und vielem mehr verarbeitet, und es wurde damit geheizt. Je mehr Einflüsse auf eine Gesellschaftsform trafen, desto vielfältiger entwickelten sich Kunst und Kultur. Holz wurde unter anderem für den Bau von Rädern, Wagen und Musikinstrumenten, für die Herstellung von Papier und damit für die Verbreitung von Bildung und Wissen genutzt. Auch als Motiv in der Malerei, Fotografie, in der Musik und Literatur spielt der Wald immer wieder eine Rolle. Er inspiriert, wirkt sinnlich, vertraut, beschützend und geheimnisvoll.

 

Waldwirtschaft im Duderstädter Stadtwald am Lindenberg

 

Der Wald hat uns alles zur Verfügung gestellt, was er hat, aber Dankbarkeit und Verehrung sind bei unserer kulturellen Entwicklung irgendwann auf der Strecke geblieben. Zwar wird der Wald als Erholungsort und für touristische Zwecke genutzt, aber meistens steht der Profit im Vordergrund, eigentlich schon seit der Antike, als die Küstenstreifen im gesamten Mittelmeerraum für die Kriegsflotten der Griechen und Römer abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet wurden. Heute sind Brandrodungen und Kahlschlag nicht nur in Brasilien zu beklagen. In den Jahren von 2000 bis 2017 wurden weltweit rund 13 Millionen Hektar Waldfläche abgeholzt, so die Ergebnisse der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Nur etwas mehr als die Hälfte hat man wieder aufgeforstet.

 

Kahlschlag im Mischwald am Pferdeberg, Frühjahr 2020

 

In Deutschland haben Klimaveränderungen und dadurch vermehrter Schädlingsbefall dem Wald in den vergangenen Jahren noch ordentlich zugesetzt. Besonders die schnell wachsenden Monokulturen sind diesen Veränderungen zum Opfer gefallen.

 

Die Fichten im Hintergrund haben die beiden letzten heißen Sommer nicht überstanden. Der alte Apfelbaum im Vordergrund kämpft noch ums Überleben.

 

Ein konsequentes Umdenken ist also gefragt. Aber dazu muss der nicht-materielle Wert des Waldes wieder ins Bewusstsein der Menschen gelangen. Mit Waldpädagogik werden Kinder und Jugendliche bei außerschulischen Projekten an die Thematik herangeführt. Die Verbindung von Natur und Kultur des Menschen will das KulturKloster zum Tag des Deutschen Waldes 2020 in den Mittelpunkt stellen.

 

Der Wald als Rückzugsort im Naherholungsgebiet Pferdeberg bei Duderstadt

 

(Titelbild: 600-jährige Sommerlinde bei Burg Scharfenstein)

 

Ausschreibung des KulturKlosters:

 

 

Waldprojekt „Kultur trifft Natur“

Den Wäldern geht es nicht gut. Dabei sind sie seit Jahrtausenden eng mit den Siedlungsformen und der Kulturbildung des Menschen verbunden. Um diese besondere Symbiose von Kultur und Natur geht es in einem groß angelegten Projekt im Duderstädter Stadtwald. Das KulturKloster Duderstadt lädt Schulklassen der weiterführenden Schulen ein, zum Start der Deutschen Waldtage 2020 daran teilzunehmen. Kooperationspartner sind die Stadt Duderstadt, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Forstbetriebsgemeinschaft Northeim mit der Försterin und Umweltpädagogin Ulrike Säger und die Medienpädagogik Stadtradio Göttingen.

 

Wann?
Fr., 18.September 2020, 9-12 Uhr,
Friday for Future“ für unseren Stadtwald – Lernwerkstatt zum Thema Wald als Kultur- und Naturgut (kostenfrei)

Wo?
Stadtwald Duderstadt, am ehemaligen Forsthaus am Lindenberg

Wer?
Für Schulklassen weiterführender Schulen (die Teilnehmerzahl ist begrenzt)

 

Ziel:

Die Folgen des Klimawandels sehen wir direkt vor unserer Haustür. Das Ökosystem Wald ist durch Stürme, Dürre und Schädlinge stark gefährdet, und zwar in allen ökologischen, wirtschaftlichen und soziokulturellen Funktionen. Die Folgen betreffen uns alle. Wir wollen Erkenntnisse vermitteln und ein Bewusstsein für unser Kultur- und Naturgut Wald anstoßen.

Die nachfolgenden Themen werden dem Teilnehmerkreis angepasst und nach Absprache ausgewählt.
Der Duderstädter Stadtwald hat eine bewegte Vergangenheit, Gegenwart und hoffentlich auch Zukunft! Es bieten sich gerade an diesem Waldort verschiedene Themen an, die auf die eine oder andere Weise mit unserer Lebensweise sehr eng verbunden sind.

  • Wald als soziokultureller Faktor – Eine Kultur- und Geschichtswerkstatt:
    Forstgeschichte, Beziehung Mensch – Wald, Geschichte der ehemaligen innerdeutschen Grenze, des alten Forsthauses am Lindenberg, der Andachtsstätte „ Klus“ , kulturell bedingte Bewirtschaftungsformen (z.B. Niederwald), Wald & Religion
  • Wald als Wirtschafts- & Kulturfaktor – eine Kulturwerkstatt:
    Warum ist Holz für unsere Kultur und Wirtschaft bedeutsam?
    Erarbeitung einer „Holzlandkarte“, welche die Bedeutung des Holzes in unserer Kultur und Wirtschaft darstellt (z. B. Fachwerkbau in Duderstadt).
  • Wald als ökologischer Faktor – Eine Natur & Kulturwerkstatt:
    Wie bedeutsam ist das Ökosystem Wald für uns oder was verbindet Kultur und Natur?
    Wir wollen unseren Blick darauf richten, wie wichtig unser Wald für unsere Bedürfnisse und Lebensweise ist. Betrachtung der abiotischen und biotischen Faktoren am Beispiel der Waldameisen, Spechte, Pflanzen, des Bodens und des Klimas etc.
  • Wald als Inspiration – für Malerei, Literatur (Dichtung), Fotografie, Erholung, als Kraftort

Wir empfehlen wetterfeste Kleidung. Eine Hütte für Picknick und Unterstand ist vor Ort.
Die Aufsichtspflicht obliegt den Lehrkräften.

Das Projekt wird medial begleitet.

ANMELDUNG im KulturKloster: per E-Mail an kulturkloster@gmail.com

Anmeldeschluss: 4. September 2020
Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt, daher empfiehlt es sich schnell zu sein!

Es geht weiter: „Kultur trifft Natur“ ist als Auftaktprojekt für nachfolgende Projekte des KulturKlosters angedacht wie z. B. legislatives Theater, Schreibwerkstatt, Holzbildhauer-Workshop.

Das Projekt „Kultur trifft Natur“ wird unterstützt durch:

 

 

 

 

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