Teichbau auf der Duderstädter Talwiese – auch Archäologen haben den Aushub begleitet

Auf der Duderstädter Talwiese entsteht ein Teich von rund 700 Quadratmetern. Der ist ein Geschenk von Ottobock-Chef Hans Georg Näder an die Stadt Duderstadt. Bei den Grabungsarbeiten, ungefähr an dem Ort, wo bis in die 1980-er Jahre die Hochstädter Mühle (Schwarze Mühle) stand, wurden auch einige Entdeckungen gemacht. Die Streichardt & Wedekind Archäologie ist eingebunden in die Arbeiten. Der Göttinger Landschaftsarchiekt Tim Köhler ist mit der Konzeption beauftragt. Er geht davon aus, dass der Teich bis zum runden Geburtstag Hans Georg Näders am 4. September 2021 fertig sein wird.

 

Denkmalschutzbeauftragte Petra Koch, Bürgermeister Thorsten Feike und Landschaftsarchitekt Tim Köhler an der Teich-Baustelle

 

Bevor es überhaupt losging mit dem Erdaushub, wurde im Stadtrat ein Sicherheitskonzept beraten. Der Teich werde definitiv nicht für Schwimmer zugelassen, betont Tim Köhler. Dennoch habe man darauf geachtet, dass bei einem versehentlichen Sturz auch Kinder schnell wieder aus dem Wasser herauskämen. “Die Wassertiefe an den abgestuften Rändern liegt unter 60 cm, also unter der Norm für Kinderplanschbecken. Die tiefste Stelle in der Teichmitte liegt bei 1,25 m, was einem Nichtschwimmerbecken entspräche”, erklärt der Teichplaner und zeigt am Zollstock die geringe Wasserstandshöhe, bei der auch ein Kind noch stehen könnte. Der Teichboden wird komplett plastikfrei gehalten, vor allem Ton und recycelte Betonsteine kommen zum Einsatz.

 

Planung und Organisation: Karsten Ley (Stadtentwicklungsgesellschaft Duderstadt 2030) und Tim Köhler

 

Die Talwiese ist ohnehin ein Feuchtgebiet. Die Hahle fließt ein paar Meter entfernt. Und dort, wo der Teich entsteht, lag bis 1980 die Hochstädter Mühle, auch noch bekannt als Schwarze Mühle. Hier floss einst der Mühlengraben und vom ehemaligen Brunnen ist noch die Umrandung zu erkennen. Grundwasser ist also reichlich vorhanden. In der Teichmitte wird ein neuer Brunnen mit Pumpe entstehen. “Das wird ein unterirdischer Schacht, der fast ohne Technik auskommt und daher auch nicht anfällig für Reparaturen ist”, erklärt Tim Köhler. Filter reinigen das Regenwasser, bevor es wieder dem Grundwasser zugeführt wird. Sowohl der Energieverbrauch als auch der Pflegeaufwand für den Teich sollen auf ein Minimum beschränkt werden.

 

Die Teich-Baustelle von oben (Foto: Duderstadt 2030)

 

Zur Teichbepflanzung sagt Tim Köhler: “Alles außer Schilf. Das würde zu schnell wuchern.” Stattdessen werden Lilien, Seerosen und weitere typische heimische Teichpflanzen eingesetzt. Auch die Umrandung wird mit standortgerechten, insektenfreundlichen Blühpflanzen und Stauden gestaltet, die dann auf einem barrierefreien Rundweg betrachtet werden können. Der Erdaushub bleibt vor Ort und wird rings um den Teich als hügeliges Landschaftselement gestaltet. Auf dem Gelände sollen auch Insekten, Vögel und Amphibien einen Lebensraum finden. Fische werden nicht eingesetzt. Die Teichmaße wurden so angepasst, dass die alte Esche an der Westseite Richtung Worbiser Straße stehenbleiben kann. In die Mitte des Gewässers wird noch eine bepflanzte Schwimminsel gesetzt.

 

Die alte Esche darf stehenbleiben und wird ins Gesamtkonzept eingefügt

 

Bisher ist die ganze Anlage allerdings ein Erdloch. Die Streichardt & Wedekind Archäologie aus Göttingen wurde beauftragt, die Grabungen zu begleiten. Die Augen der Profis erkennen schon an der Färbung der Erdschichten, wo es sich lohnt, genauer zu schauen. Die archäologischen Untersuchungen auf dem Gelände wurden inzwischen abgeschlossen. Gefunden wurden elf neuzeitliche und eisenzeitliche Teile, bestätigt Petra Koch, Denkmalschutzbeauftragte der Stadt Duderstadt, aber die Auswertungen seien noch nicht abgeschlossen. Zum Beispiel wurde das Skelett eines Hundes ausgegraben. Aber es ist noch nicht klar, ob hier jemand in jüngerer Zeit sein Haustier beerdigt hat oder ob das Skelett schon älter ist. Außerdem wurden ein paar Scherben ins Labor gebracht.

“Über die Scherben können wir schon sagen, dass sie etwa aus der Bronze- bis Eisenzeit stammen. Damit sind sie keine Sensation in dieser Region, aber beweisen eine frühe Besiedlung des Geländes. Im Vergleich: Funde aus der Zeit der Linienbandkeramik, die auch schon öfter im Raum Südniedersachsen gefunden wurden, sind rund 4000 Jahre älter”, erklärt Archäologe Frank Wedekind.

 

Die Hochstädter Mühle und Nebengebäude auf der Duderstädter Talwiese,1956. Foto: Auszug aus “Die Hahle – ein Fluss im Eichsfeld” (mit freundlicher Genehmigung von Robert Wand)

 

Bei der Untersuchung der Erdschichten konnte aber ein älterer, bisher unbekannter Verlauf des Mühlengrabens entdeckt werden, bestätigt Petra Koch. Auch darüber werde weiter geforscht. Außerdem sind noch die Grundrisse der einstigen Hochstädter Mühle erkennbar, die um 1980 abgerissen wurde. Sie gehörte einst zu den Duderstädter Ratsmühlen und wurde schon im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Zuerst wurde sie wohl vor allem als Getreidemühle genutzt, um 1500 wurde sie zur Lohmühle umgebaut. Lohe (abgeschälte Eichenbaumrinde) wurde zum Gerben verwendet. Im 19. Jahrhundert besaß die Hochstädter Mühle zwei Mahlgänge und es wurde nicht nur Getreide geschrotet, sondern auch Öl aus Raps, Mohn und Nüssen gewonnen. Bis 1930 diente sie außerdem als Sägemühle. Hahlewasser und auch Siebigwasser trieben das Mühlrad an. Ausführliche Beschreibungen der Mühlen in und um Duderstadt gibt Robert Wand in seinem Werk “Die Hahle – ein Fluss im Eichsfeld” (Mecke Druck und Verlag, 2017).

 

Die Hochstädter Mühle 1980, kurz vor dem Abriss (Foto: Archiv Mecke)

 

Auch Bürgermeister Thorsten Feike zeigt sich begeistert vom Teich-Konzept und den voranschreitenden Arbeiten. “Das ist eine große Aufwertung für die Stadt. So ein Teich ist das ganze Jahr über attraktiv”, sagt er und lobt auch die geringen Folgekosten und einen überschaubaren Pflegeaufwand.

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