Das Eichsfeld-Gymnasium Duderstadt (EGD) hat einen neuen Schulleiter. Am 1. Februar 2022 hat Steffen Hartmann den langjährigen und nun pensionierten Schulleiter Thomas Nebenführ abgelöst. Wegen der Pandemie konnte bisher keine öffentliche Einführungsfeier stattfinden. Daher stellen wir „den Neuen“ hier im kurzen Porträt vor.
„In einer Großstadt wäre ein neuer Schulleiter nicht besonders aufgefallen“, sagt Steffen Hartmann schmunzelnd und ganz bescheiden zu seiner Amtseinführung. Vorher war er stellvertretender Schulleiter an einem Gymnasium in Hamburg. Da das EGD aber mit rund 1100 Schülern und 110 Lehrkräften, zu denen natürlich auch deren Familien gehören, die größte Schule im Untereichsfeld ist, wird da schon neugierig hingeschaut. Wer ist der Neue?
Zudem bewegt sich am EGD gerade viel mit dem bevorstehenden großen Bauprojekt, wo im Zuge der Inklusion auch die Pestalozzi-Förderschule mit involviert ist.
„Das Eichsfeld kenne ich schon länger. Meine Frau stammt aus Bernshausen“, erzählt Steffen Hartmann, der in Marburg Geografie und Informatik studierte, bevor es ihn nach Hamburg verschlug. Mit dem gemeinsamen Kind und der Stellenausschreibung am EGD war es dann für die junge Familie eine neue Option, die Großstadt zu verlassen und das Leben im ländlichen Raum in Erwägung zu ziehen. „Da passte plötzlich alles, und es ist einfach großartig, dass es geklappt hat“, sagt Steffen Hartmann über den Zuschlag zur neuen Stelle und den damit einhergehenden Umzug ins Eichsfeld nach Bernshausen.
Als Schulleiter sieht er sich allerdings nicht als „den Obersten in der Hierarchie, der alles bestimmt.“ Er outet sich lieber als Teamworker. „Es gibt hier ein kooperatives Leitungsteam am EGD. Daher war es für mich ein leichter Einstieg, weil es schon Experten für jeden schulischen Bereich gibt. In vieles werde ich über die Zeit noch hineinwachsen, aber der Schulbetrieb läuft ja dank der guten Strukturen“, lobt Steffen Hartmann auch die Arbeit seines Vorgängers.
Und wohin soll es nun mit dem EGD gehen – in Zeiten von Corona, Inklusion und Diversität?
„Bei der Digitalisierung werden wir alle abwägen müssen, wie wir weiter damit umgehen. Einerseits bietet das Tablet einen Mehrwert für den Unterricht, aber es ist keine Lernmaschine. Die Lehrkräfte konnten während der Quarantäne virtuellen Unterricht anbieten. Aber auch das braucht Vorbereitung. Deswegen war es zum Beispiel nicht möglich, beim kurzfristig beschlossenen Schulausfall wegen des Unwetters spontan den virtuellen Unterricht sinnvoll vorzubereiten“, erklärt Steffen Hartmann. Auch für die Zukunft sei es nicht möglich, jede Unterrichtsstunde zu streamen – allein schon aus Datenschutzgründen. Dennoch bringe die Digitalisierung manche Erleichterung. Und da sei das EGD bereits sehr gut aufgestellt.
(Auch die Entlassung Thomas Nebenführs konnte im Livestream verfolgt werden, da die Pandemie keine größere öffentliche Veranstaltung zuließ. Das Video ist noch auf der Webseite des EGD aufzurufen.)
Mit Blick auf das bevorstehende Bauprojekt und dem Umzug der Pestalozzi-Förderschule ans Schulzentrum Auf der Klappe würden sich auch neue Chancen für die Inklusion bieten. Steffen Hartmann erläutert: „Es ist selbstverständlich, dass Kinder im Rollstuhl oder Hörgeschädigte ganz normal am Unterricht im Gymnasium teilnehmen können. Dafür braucht es das Wort Inklusion nicht unbedingt. Es gibt jedoch auch Förderbedarfe, bei denen gemeinsamer Unterricht nicht sinnvoll ist. Dafür bietet aber die räumliche Nähe zur Pestalozzischule noch ganz andere Chancen, die wir mit den Lehrkräften, Schülern und Eltern besprechen werden. Das können gemeinsame AGs, zum Beispiel im musischen und sportlichen Bereich, sein. Ich bin ganz offen für Ideen aller Beteiligter.“
Fasst man Inklusion noch etwas weiter, gehört auch Diversität dazu. Auch bei diesem Thema plädiert Steffen Hartmann für einen „offenen Geist“ und spricht das bundesweite Projekt „Schule der Vielfalt“ an. „Das ist nicht einfach eine Plakette, weil man bestimmte Standards erfüllt, sondern die Schule muss selbst aktiv werden, um als Projektschule anerkannt zu werden“, erläutert der Schulleiter, der dieses Projekt auch schon in Hamburg kennengelernt hatte.
Ebenso spricht er sich für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aus, das klare Zeichen gegen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Antiziganismus und für eine demokratische Schulstruktur setzt.
Ideen sind also schon reichlich vorhanden, um mit den vielfältigen Anforderungen unserer Gegenwart nachhaltig umzugehen. „Aktivitäten für Vielfalt und gegen Rassismus an der Schule haben meine volle Unterstützung“, betont Steffen Hartmann.
Nun bleibt die Hoffnung, im Frühjahr doch noch eine öffentliche Vorstellung des neuen Schulleiters zu feiern. Wichtig sei es ihm, die Kontakte auch persönlich zu pflegen und die Menschen im Eichsfeld weiter kennenzulernen, sagt Steffen Hartmann.
(Titelbild: Iris Blank)
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