Zu viel Fachwerk: Kein Silvester-Feuerwerk in der Duderstädter Innenstadt

Die Diskussion um das Silvester-Feuerwerk hält an. In Duderstadt ist Pyrotechnik innerhalb des Walls verboten. Viele Bürger sprechen sich aus ökologischen, tierfreundlichen oder wirtschaftlichen Gründen schon ganz gegen das Silvesterfeuerwerk aus. Die Befürworter pochen auf die Tradition. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Woher kommt die Massen-Ballerei zu Silvester?

Nachdem das chinesische Schwarzpulver ab den späten Mittelalter in Europa bekannt wurde, nutzte man es vor allem zu kriegerischen Zwecken. Eine Schlacht konnte dank der Kunst eines Feuerwerkers entschieden werden. Schwarzpulver war dementsprechend wertvoll, und es ließen sich damit gute Geschäfte machen.

 

Feuerwerk auf der Themse zu Ehren König George II., Radierung, 1749 (Wikipedia)

 

Vor allem etwa seit dem Barock wurden Feuerwerke auch zu festlichen Anlässen und repräsentativen Zwecken eingesetzt, und zwar ausschließlich von Adligen, die sich solch ein teures Vergnügen leisten konnten und das auch zeigen wollten. Ab dem 18. Jahrhundert, im Zeitalter politischer Umwälzungen, sah es dann auch wirtschaftlich schlechter aus für den Adel. Feuerwerke zum reinen Vergnügen waren nur noch selten zu sehen. Die Feuerwerker mussten sich also überlegen, wie sie die Geschäfte wieder in Gang bringen konnten.

1838 gründete ein Kanonier der Hamburger Bürgerartillerie, Georg Heinrich Hermann Berckholtz, die erste private deutsche Feuerwerkerei. Noch immer war Pyrotechnik mit hohen Kosten verbunden. Für den Durchschnittsbürger war es undenkbar, sein schwer verdientes Geld in wenigen Augenblicken in die Luft zu jagen. Große zentrale Feuerwerke setzten sich allerdings zum Jahreswechsel und zu außergewöhnlichen Ereignissen durch. Ansonsten verdiente Georg Berckholtz sein Geld hauptsächlich mit Signal- und Pyrotechnik für Schiffe.

 

Pyrotechnik in der Kriegsführung, auch auf Schiffen, hier auf einem Gemälde von Louis-Philippe Crépin (1811)

 

Durch die Entwicklungen in der chemischen Industrie gab es einen weiteren Aufschwung in der Pyrotechnik ab Beginn des 20. Jahrhunderts. Zudem liefen die Geschäfte in der Branche während der beiden Weltkriege hervorragend. Nach dem Zweiten Weltkrieg war allerdings vorerst Schluss. Viele Feuerwerksfirmen waren entweder zerstört oder es wurden ihnen die auferlegten Reparationszahlungen zum Problem. Einige Firmen hielten sich mit der Herstellung von Ofenanzündern über Wasser – oder entwarfen einfache Feuerwerkskörper, die von Privatpersonen ohne pyrotechnische Vorbildung zu bedienen waren. Die „Tradition“ der Böllerei zu Silvester ist also nichts weiter als ein gelungenes Marketing von Pyrotechnikfirmen in der Nachkriegszeit. Heute werden pro Silvesternacht allein in Deutschland mehr als 130 Millionen Euro in die Luft gejagt. Und bei einem Steuersatz von 19 Prozent verdient der Staat ordentlich mit. Dabei stammen viele Böller von Billiganbietern aus dem osteuropäischen und asiatischen Raum, hergestellt unter menschenverachtenden Bedingungen.

Außerdem hat die Massen-Ballerei umweltschädliche Folgen. Das Bundesumweltamt nennt 4200 Tonnen Feinstaub pro Jahr durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Dazu kommen zahlreiche Verbrennungen, Augenverletzungen, Hörschäden, Sachschäden an Fahrzeugen und Gebäuden sowie riesige Mengen von Müll und Plastik. Zahlreiche Haus– und Wildtiere leiden bei Feuerwerken unter Panikattacken oder werden aus ihrer Winterruhe aufgescheucht.

Wer in Duderstadt trotzdem nicht auf sein Feuerwerk verzichten möchte, sollte sich an die Auflagen halten. Bei Verstößen können Geldbußen bis zu 5000 Euro fällig werden.

Nach § 23 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz ist das „Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden wie Reet- und Fachwerkhäusern verboten.“

Für Duderstadt bedeutet das: Innerhalb des Walls ist das Feuerwerken verboten. Bürgermeister Thorsten Feike weist darauf hin, dass die Einhaltung dieses Verbotes durch Polizeikontrollen überprüft wird. Besondere Rücksichtnahme ist außerdem in der Nähe von Gewerbegebieten, in denen gefährliche Stoffe lagern könnten, Sammelunterkünften, Tankstellen und Tierheimen geboten.

Kleinfeuerwerke dürfen von Sonnabend, 28. Dezember bis Dienstag, 31. Dezember 2019 verkauft werden. Und: Wer knallt, muss seinen Restmüll selbst entsorgen und darf ihn nicht auf der Straße liegen lassen.

 

ClanysEichsfeldBlog Silvesterfeuerwerk Pyrotechnik Feuerwerksverbot Tierschutz Umweltschutz

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