Mit viel Geduld und konsequentem Einsatz, insbesondere durch den Biologen Rómulo Aramayo Schenk, konnten die deutschlandweit gefährdeten Mehlschwalben wieder auf Gut Herbigshagen, dem Hauptsitz der Heinz Sielmann Stiftung, angesiedelt werden. Dafür wurde das Natur-Erlebniszentrum mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ vom NABU Deutschland ausgezeichnet. Die Plakette wurde von Astrid Thielecke, Vorsitzende NABU Untereichsfeld e.V., persönlich überbracht.
Bei der Übergabe schwirrten die kleinen Flugakrobaten um die zahlreichen Nisthilfen, die Rómulo Aramayo Schenk mit seinem Team Umweltbildung auf Gut Herbigshagen in den vergangenen Jahren unter dem Dachsims installiert hatte. „Wir wissen, dass vor dem Umbau in den 1990er Jahren dort Mehlschwalben nisteten. Dann waren sie für lange Zeit verschwunden. Die genauen Gründe dafür kennen wir nicht“, erzählte der Biologe. Nur die Rauchschwalben blieben, aber die bauten ihre Nester vor allem an den Stallgebäuden. Beide Schwalbenarten seien kaum Nahrungskonkurrenten, denn die Mehlschwalben jagten Insekten gern in luftiger Höhe, während die Rauchschwalben zu den Tieffliegern gehörten. Und mangelnde Nahrung könne auf Gut Herbigshagen kaum ein Grund für das Verschwinden der Mehlschwalben sein. Der Biohof verfüge über eine große Vielfalt an Blüten, Nistplätzen für Insekten und Material für den Nestbau von Schwalben, erklärte Rómulo Aramayo Schenk. Trotzdem blieben die Mehlschwalben über 25 Jahre verschwunden.
Also verbesserte man das Angebot von künstlichen Nisthilfen, potenzielle Brutstandorte wurden aufgewertet und die Entwicklung der Bestände kontinuierlich beobachtet. Da die Vögel allerdings ortstreu sind, hieß es abwarten, ob ein neues Mehlschwalbenpaar irgendwann wieder Gut Herbigshagen zum Brüten anfliegen würde.
Von null auf acht – mehr Mehlschwalben bleiben
Erst 2024 wurde das Warten mit Erfolg belohnt. Ein Schwalbenpaar begann zu brüten. Im Jahr 2025 wurde das alte Nest vom Vorjahr wieder belegt, und dazu kamen zwei neue. „In diesem Jahr (2026) sind es mindestens acht Nester. Pro Gelege rechnet man mit etwa fünf Eiern, und bei günstiger Witterung gibt es vielleicht auch eine zweite Brut“, hofft Rómulo Aramayo Schenk auf eine dauerhafte und wachsende Mehlschwalben-Population.
„Der Bestand der Mehlschwalben ist in vielen Regionen Deutschlands rückläufig. Deshalb ist jedes erfolgreich besetzte Nest ein wichtiges Signal für den Artenschutz“ sagte Astrid Thielecke. Beim Überreichen der Plakette lobte sie: „Gut Herbigshagen zeigt beispielhaft, wie mit Ausdauer und den richtigen Maßnahmen verlorengegangene Lebensräume wieder attraktiv werden können.“
Die Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ wird vom NABU an Gebäudeeigentümer verliehen, die Schwalben schützen und ihnen geeignete Brutplätze bereitstellen. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedürfnisse der Tiere zu stärken und Menschen zu motivieren, selbst aktiv zu werden.
Auf der Webseite www.nabu.de gibt es vielfältige Informationen zu Tieren und ihren natürlichen Lebensräumen, Tipps zum Bau von Nisthilfen und vieles mehr.
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