Newsletter März 2022 – Erst Pandemie, dann Krieg. Kann in der Katastrophe Hoffnung liegen?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor einem Monat hätten wir wohl alle nicht gedacht, dass nicht mehr Corona, sondern Krieg in Europa das Hauptthema in den Medien sein würde. Und plötzlich hat sich die Welt noch mehr verändert als durch die Pandemie.

Sicherlich ist Euch aufgefallen, dass wir es seit dem 24. Februar 2022 ein paar Tage nicht geschafft haben, einen Artikel zu veröffentlichen. Zuerst war da die Schockstarre. Und dann kamen zu viele Fragen, die unsere Konzentration auf lokale Themen störten: Was passiert da gerade in der Ukraine? Wohin können die Menschen fliehen? Was macht die Bundesregierung? Wie reagieren die anderen Staaten?

Auch im Eichsfeld werden wir die Auswirkungen des Krieges spüren, nicht nur bei den Energiepreisen, die ja auch ohne Krieg schon in die Höhe geschossen sind. Was also können wir noch mitbestimmen? Können wir etwas tun? Können wir helfen?

Nun haben am letzten Februarwochenende 2022 zahlreiche Friedensdemonstrationen stattgefunden, und beinahe konnten wir den Eindruck gewinnen, dass es doch wieder mehr Zusammenhalt in der Welt geben könnte – trotz der allseits herbeigerufenen Spaltung der Gesellschaft. Auch die vielen Solidaritätsbekundungen im Netz – Friedenstauben und Ukraineflaggen im Profilbild etc. – sind doch positive Zeichen für eine noch nicht ganz verloren gegangene Empathie und für das Bewusstsein eines weltweiten Kollektivs. Vor allem für das Unrechtsbewusstsein: Niemand darf einen anderen Staat angreifen. Niemals mehr!

Doch genau das ist nun wieder geschehen. 2022, mitten im digitalen Zeitalter, mitten in der Pandemie, greift eine Atommacht das kleine Nachbarland an. Überraschung? Das hätte man Putin nie zugetraut? Auch nicht nach dem Kaukasuskonflikt 2008 oder nach der Annexion der Krim 2014?

Das Thema ist leider fürchterlich komplex, und wir gehören nicht zu den Russlandexperten, die alle Zusammenhänge und Verträge kennen. Jahrzehntelang wurde ein Netz aus Handelsbeziehungen und Abhängigkeiten in der ganzen Welt aufgebaut, auch in der Hoffnung, mit geschäftlichen Verknüpfungen den Frieden zu sichern. Einige Leute, Russen und ihre internationalen Geschäftspartner, haben zudem sehr gut an den russischen Exportschlagern verdient. Der Handel mit Erdgas, Erdöl, Holz, Kohle, Eisen, Stahl, Düngemittel und Getreide hat manche Taschen gefüllt. Bis jetzt.

Nun wurden wichtige Sanktionen beschlossen, die vor allem den Geldfluss nach Russland stoppen sollen. Doch wann und wo werden Auswirkungen dieser Maßnahmen spürbar? Russland gilt europaweit auch als das Land mit der größten Ungleichverteilung von Eigentum. Ein weltweiter Stopp aller wirtschaftlichen Beziehungen könnte auch für diejenigen dramatische Folgen haben, die ohnehin nicht viel haben, keineswegs nur in Russland. Aber finden die russischen Oligarchen das Vorgehen Putins dann noch akzeptabel, wenn auch ihnen der Geldhahn abgedreht wird? Könnten Widerstand und Misstrauen in den eigenen Reihen Putins Sturz herbeiführen?

Und was könnten wir hier in Deutschland tun? Solidaritätsbekenntnisse – online oder auf Demos – sind schön und gut. Wären wir auch bereit, zum Beispiel im großen Kollektiv den Erdgasverbrauch um die Hälfte zu senken, indem wir im behaglichen Homeoffice die Heizung ausdrehen und nur noch zu bestimmten Tageszeiten warm duschen könnten? Das wäre zumindest das kleinste Übel.

Die Bundesregierung hat ja nun festgestellt, dass es nicht von Vorteil ist, bei der Energieversorgung allzu abhängig von einem Despoten zu sein. Ganz schnell müssen Alternativen her, um unseren Energiebedarf zu decken. Leider wurde es in den vergangenen 30 Jahren versäumt, alternative Energiegewinnung ausreichend zu fördern und dadurch eine gewisse Unabhängigkeit zu erreichen. Also kommen wieder die altbekannten Fragen nach Atom-, Kohlekraft und Fracking auf den Tisch. Stehen wir nun in aller Hektik vor dem Rückschritt in ein Energiegeschäft, dessen langfristige Folgen nachweislich dramatisch für die nachfolgenden Generationen sein werden?

Wären wir außerdem bereit, alle unsere Werte und Errungenschaften für ein friedvolles Miteinander nach dem Ende des Kalten Krieges aufzugeben? Ist jetzt ein erneutes Wettrüsten der Weg in den Frieden? Soll die Wehrpflicht wiederbelebt werden? Sicherlich wäre die Modernisierung der Bundeswehr und ihrer Ausrüstung sinnvoll, damit sie wenigstens ihren Verpflichtungen gegenüber der EU und der Nato auch in Zukunft nachkommen könnte. Wie steht es mit Waffenlieferungen? Und wer hat dann Waffen, wenn der Krieg vorbei ist? Wer verdient daran? Aber wer möchte das ethisch und moralisch verantworten, die Ukraine bei ihrer Selbstverteidigung nun im Stich zu lassen?

Einige Jahre lang haben wir eher Trump das zugetraut, was Putin jetzt getan hat: im Machtrausch einen Krieg anzuzetteln und mit dem Einsatz von Atomwaffen zu drohen. Wie schaffen wir es als Völkergemeinschaft, solchen Wahnsinnigen Einhalt zu gebieten? Schließlich ist Putin ja nicht der einzige Mächtige, der gefährlich werden könnte.

Dazu kommt, dass heutzutage Kriege auch von Cyberattacken maßgeblich mitbestimmt werden. Wer also hat Zugriff auf welches Informationssystem und wer erfährt was? Wie glaubwürdig ist die Quelle? Welchen Einfluss haben die Informationen auf die Reaktionen der Menschen? Was kann wie gesteuert werden?

Um so deutlicher wird, welchen Stellenwert die Pressefreiheit, aber auch Pressevielfalt, Bildung und Medienkompetenz in freien Demokratien haben müssen. Es erstaunt nicht, dass sich genau die Staatschefs, die sich mit Meinungs- und Pressefreiheit schwer tun, nun zu Putin bekennen. Aber wie lange schaffen es Despoten und Diktatoren, ihr eigenes Volk zu belügen? Wann sickern unerwünschte Informationen durch?

In den Social-Media-Kanälen wird spekuliert, dass Putin über die kriegerische Vorsicht des Westens lacht, über die schlechte Ausrüstung der Bundeswehr oder über das zerstrittene Europa. Hoffen wir, dass er nicht über die rasante Aufgabe all unserer Anstrengungen für Frieden und Klimarettung lachen wird!

Das Schwierige ist, dass nun schnelle Reaktionen auf verschiedenen Ebenen erforderlich sind, deren Folgen weit in die Zukunft reichen. Das macht Angst. Aber es öffnen sich auch neue Chancen. Die weltweiten Verurteilungen von Putins Angriffskrieg, ein augenscheinlich neuer Zusammenschluss in Europa und ein Aufschwung im Sektor der erneuerbaren Energien zeigen, dass auch in der Katastrophe Hoffnung liegen kann. Daran wollen wir glauben!

Wir wünschen Euch allen, dass der März viel besser endet als er angefangen hat!

Eure Admins
Claudia & Hans

 

#ClanysEichsfeldBlog #Duderstadt #NewsletterMärz2022 #Russlandkrieg

 

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