Newsletter Juli 2021: Gendersternchen und Doppelpunkte mitten im Wort? Das lassen wir jetzt mal.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

manchmal sehen wir sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Das Gender-Thema ist ja nun in aller Munde – oder eben nicht? Gerade in der schreibenden Zunft sitzen wir eigentlich immer zwischen den Stühlen.

Wir sollten doch kurz und knapp zur Sache kommen, dabei verständlich bleiben und Informationen bieten. Besonders in den Print-Medien sind die Zeilen- und Zeichenvorgaben oft eng bemessen, sodass Journalisten schon gucken müssen, wie das Wichtige auf wenig Platz passt. Da wäre die Aufzählung „Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Freundinnen und Freunde, Vertreterinnen und Vertreter der Elternschaft … etc.“ ein wahrer Wörterbandwurm auf kostbaren Zeilen. Die Hälfte der möglichen Zielgruppe wäre schon genervt abgesprungen, bevor die eigentliche Information käme.

Teilnehmer – innen? Oder außen?

Die inzwischen gebräuchliche Abkürzung, der Doppelpunkt bei Teilnehmer:innen, Senior:innen etc., ist es irgendwie auch nicht. „Teilnehmer innen? Und wer bleibt außen?“, könnte die/der missverstehende Leser*in fragen. Dann gibt es noch diese neutralisierenden Bezeichnungen: Studierende statt Studenten usw. Da könnte der Pedant natürlich behaupten, dass das Wort „studierend“ eben nur die momentane Tätigkeit eines Menschen beschreibt, aber nicht den Menschen, der diese Tätigkeit ausübt. Genau genommen könnten Studierende nicht gleichzeitig Auto fahren oder schlafen – Studenten aber schon.

Dennoch klingt auch die Argumentation der Gendersternchenbefürworter plausibel, dass sich zum Beispiel mehr Frauen auf „Männerberufe“ bewerben, seit sie sich in den Ausschreibungen als „Mitarbeiter*in“ wohl deutlicher angesprochen fühlen. Und wir finden es gut, dass durch diese Diskussion um Gendersternchen die Problematik tief ins Bewusstsein gerufen wurde – nämlich, dass Frauen, Transmenschen, Homosexuelle, Menschen mit nicht-weißer Hautfarbe, Behinderte, Migranten, Nicht-Christen und viele andere längst nicht den gleichen Stellenwert in der deutschen Gesellschaft haben wie der weiße Mann mittleren Alters.

Wir haben das Gendern bei Clanys Eichsfeld-Blog auch mal ausprobiert, da ja nun schon die offiziellen Pressemitteilungen von Verwaltungen und Institutionen im Gendermodus verfasst werden (mal mehr, mal weniger genau).

Ein Mensch ist doch mehr als seine Geschlechtsidentität

In unserem Online-Magazin möchten wir natürlich alle am Thema interessierten Menschen ansprechen, niemanden wegen seines Geschlechts, seiner Hautfarbe, seines Alters, seiner Herkunft etc. ausschließen. Aber je mehr wir beim Gendern ins Detail gingen, desto mehr hatten wir das Gefühl, alle auszuschließen, die nicht explizit angesprochen wurden. Und wir empfanden es als ebenso unzureichend, die Angesprochenen immer auf die jeweilige Geschlechtsidentität zu reduzieren – ein Mensch ist doch viel mehr.

Genau deshalb möchten wir bei Clanys Eichsfeld-Blog ganz deutlich unsere allertiefste Überzeugung hier noch einmal erklären: Das Menschsein, das uns alle miteinander verbindet, steht bei uns im Vordergrund. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Religion, Herkunft usw. ist für uns bei jedem Menschen gleich wertvoll. Dabei grenzen wir uns selbst allerdings deutlich von allen ab, die andere Menschen wegen ihres Geschlechtes, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe etc. diskriminieren, beleidigen oder bedrohen.

Wenn wir also in unseren Artikeln über Menschen schreiben, die lediglich in der gleichen Berufsgruppe sind, im gleichen Laden einkaufen, den gleichen Kurs besuchen oder aus dem gleichen Land stammen, meinen wir mit „Lehrer, Kunden, Teilnehmer, Engländer“ immer die Menschen eines jeden Geschlechts. Wir verzichten also auf Sternchen, Doppelpunkte und Wortbandwürmer, wenn wir über Menschen im Allgemeinen schreiben. Ausnahmen ergeben sich möglicherweise, wenn der inhaltliche Zusammenhang das erfordert.

Stolperfallen versuchen wir zu vermeiden

Wenn wir nicht über, sondern an Menschen schreiben und sie persönlich ansprechen, heißt es bei uns nach wie vor „Liebe Leserinnen und Leser“. Wenn wir über eine Einzelperson schreiben, benutzen wir in der Schreibweise das Geschlecht, mit dem sich diese Person öffentlich identifiziert (die Ärztin XY, der Frisör Z). Auch wenn wir versuchen, mit diesen Regelungen für uns und für Euch, liebe Leserinnen und Leser, etwas mehr Klarheit zu schaffen, ohne jemanden damit verletzen zu wollen, bleiben weiterhin viele Stolperfallen bestehen. Aber wir bemühen uns, diese zu vermeiden.

Letztlich verbirgt sich hinter jedem Wort eine tiefere Bedeutung, die auch von denjenigen wahrgenommen wird, die das Wort selbst vielleicht gar nicht verstehen. Allein die Betonung kann etwas positiv oder negativ wirken lassen, und die tiefere Bedeutung bestimmt derjenige, der es ausspricht. Wir alle tragen also die Verantwortung dafür, was und wen wir mit unseren Worten erreichen (wollen).

Wir würden uns zumindest wünschen, dass wir im 21. Jahrhundert beim Begriff Mensch nicht mehr betonen müssen, dass wir auch Frauen mitzählen. Dann können wir auch einfach „Studenten“ sagen und meinen bunte, vielfältige Menschen, die ein Studium betreiben.

Und was war sonst noch?

Mit unserem kleinen Rückblick auf den Juni 2021 wollen wir gern mit der Entlassung der Abiturienten am Eichsfeld-Gymnasium beginnen, wozu die Vorbereitungen mit Coronatests etc. noch in den Juni fielen, die Entlassung aber schon am 2. Juli war und im Livestream übertragen wurde.

Außerdem hatten wir Geburtstag: Clanys Eichsfeld-Blog ist vor zwei Jahren, am 25. Juni 2019, an die Öffentlichkeit gegangen. Wir danken für alle Ideen, Kritik und Anregungen, allen Unterstützern und Netzwerkpartnern und natürlich allen Lesern ganz herzlich!

Als Sommertour empfehlen wir eine Fahrradfahrt von Duderstadt zur Burg Plesse. Traumhaft! Außerdem sind wir gespannt, wie sich der Teichbau auf der Talwiese entwickelt. Die Idee, dort einen Lebensraum auch für Insekten und Amphibien zu schaffen, finden wir richtig gut.

2021 wird erinnert an 1700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum. Dazu haben wir einen Rückblick auf die jüdische Geschichte in Duderstadt zusammengefasst.

Außerdem weisen wir gern nochmal auf die multimediale Ausstellung zur Geschichte der Sparkasse Duderstadt hin, die vor 175 Jahren begonnen hat. Die Ausstellung ist noch bis Oktober im Foyer der Sparkasse zu besuchen und zeigt auch einige interessante Exponate aus dem Duderstädter Heimatmuseum, aus dem Grenzlandmuseum und aus dem Stadtarchiv.

Viele weitere Themen und Anregungen, und endlich wieder die ersten Einträge im regionalen Veranstaltungskalender, gibt es in unserem Online-Magazin Clanys Eichsfeld-Blog.

 

Eine schöne Sommerzeit wünschen Euch
die Admins
Claudia & Hans

 

(Titelbild: Waldstück zwischen Böseckendorf und Neuendorf)

 

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