Das Schulzentrum Auf der Klappe in Duderstadt soll räumlich und inklusiv erweitert werden. 20 Mio. Euro wurden vom Landkreis Göttingen als Schulträger für einen Anbau veranschlagt. Um die besten Ideen für dieses Vorhaben zusammenzutragen, wurde ein Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnisse nun veröffentlicht wurden.
„Das Schulzentrum hat sich über Jahrzehnte positiv entwickelt. Dank der stetig wachsenden Schülerzahlen, aber auch im Zuge der Inklusion, stehen wir nun vor neuen Herausforderungen“, sagte Landrat Marcel Riethig beim Pressetermin in der Mensa Auf der Klappe. Auf 2500 Quadratmetern sollen nun neue Räume für Bildung und Zukunft geschaffen werden. Ein moderner Anbau am Schulzentrum soll es ermöglichen, die ausgelagerten 5. und 6. Klassen des Eichsfeld-Gymnasiums (EGD Junior) wieder am Hauptsitz Auf der Klappe zu integrieren, den zukünftigen Raumbedarf des EGD und der Heinz-Sielmann-Realschule (HSR) zu decken und auch die GE-Abteilung (Geistige Entwicklung) der Pestalozzi-Förderschule, die zurzeit am Euzenberg in der Tagesstätte St. Raphael untergebracht ist, im Zuge der Inklusion am Schulzentrum mit einzubinden.
Doreen Fragel, Dezernentin für Bauen, Umwelt und Nachhaltige Regionalentwicklung des Landkreises Göttingen, erklärte: „Mit dem Projekt wollen wir baulich-pädagogisches Neuland betreten. Daher haben wir einen Architekten-Wettbewerb ausgerufen, um die besten Ideen präsentieren zu können.“ Die Wunschliste der Vorgaben sei lang gewesen: Die Bedarfe der verschiedenen Schulen, aber auch die Gemeinsamkeiten, sollten bei einer funktionalen und räumlich sinnvollen Planung ebenso berücksichtigt werden wie Nachhaltigkeit, Landschaftsplanung und Wirtschaftlichkeit. 16 Architekten-Teams hatten sich schließlich mit ihren Entwürfen beworben, drei kamen in die engere Auswahl, und als Gewinner ging das Berliner Architekturbüro Weinmiller Großmann hervor, in Kooperation mit dem Büro Topos Stadt- und Landschaftsplanung, Berlin.
In der Begründung für die einstimmige Wahl des Preisgerichts heißt es u.a.: „Die Grundrisse sind funktional und räumlich sinnvoll organisiert, sowohl Unterrichtsräume als auch gemeinschaftliche Flächen sind gut proportioniert. … Die Fassaden sind einfach und ansprechend und der Bauaufgabe angemessen gut gestaltet. Die vorgelagerten Balkone dienen nicht nur als Rettungsweg sondern bereichern auch das räumliche Angebot und ermöglichen eine Verschattung ohne technische Lösungen. Die städtebauliche Disposition lässt den weitgehenden Erhalt des Baumbestandes zu. Die Frei- und Pausenflächen sind abwechslungsreich und können vielfältig genutzt werden. Insgesamt zeigt sich der Entwurf als selbstverständliche und angemessene Lösung der Bauaufgabe und überzeugt im Zusammenspiel von Einfachheit und dem Angebot an die Schulfamilie sich die Räumlichkeiten nach eigenem Gusto anzueignen.“
Der Anbau soll vor und direkt an den Altbau gesetzt werden. Ein überdachter Durchgang soll zum gemeinsamen Eingangsbereich des EGD und der Pestalozzischule führen. In „Clustern“ sollen die Lern- und Unterrichtsräume der jeweiligen Jahrgangsstufen mit den zugehörigen Differenzierungs-, Aufenthalts- und Erholungsbereichen zu einer Einheit zusammengefasst werden. Gleichermaßen fügen sich diese Bereiche in ein offenes Gesamtkonzept.
Um all diese Aspekte mit in die Nutzung eines modernen Gebäudes einzubringen, sei die Vorarbeit der Bildungsinstitutionen sehr hilfreich gewesen, betonte Doreen Fragel. Thomas Nebenführ als inzwischen pensionierter Schulleiter des EGD, der neue EGD-Schulleiter Steffen Hartmann, Gabi Aßmann als kommissarische Schulleiterin der Pestalozzi-Schule und Stefan Hoppe, Schulleiter der HSR, sowie die Vertretungen der Caritas Südniedersachsen als Trägerin des Inklusiven Campus haben vorab intensiv die individuellen Ansprüche und die gemeinsamen Schnittmengen beraten. „Inklusion ist in Duderstadt seit Jahren eine wichtige Thematik“, bestätigte auch Bürgermeister Thorsten Feike. Dieser Gedanke sei nicht nur bis zur Fertigstellung des Neubaus maßgeblich, sondern präge die Stadtentwicklung auch darüber hinaus.
Noch nicht abschließend geklärt ist, wie man dann nach der Bauphase mit einer erhöhten Schülerzahl am Schulzentrum den Sportunterricht anbieten könne. Die Sporthalle in der Christian-Blank-Straße, die momentan auch vom EGD Junior genutzt wird, stehe weiterhin zur Verfügung, erklärte Marcel Riethig. Allerdings müssten die Schülerinnen und Schüler dann noch durch die Innenstadt wandern, um zum Sportunterricht zu kommen. Vorschläge, die stillgelegte Schwimmhalle Auf der Klappe als zweite Sporthalle am Schulzentrum umzubauen, gab es ebenfalls. Noch im laufenden Jahr sollten Entscheidungen nach Beratungen mit den Verantwortlichen des Landkreises, der Duderstädter Stadtverwaltung und der Hallenbad-Eigentümerin Eichsfelder Blockheizkraftwerk und Bäder (EBB) GmbH getroffen werden, sagte Marcel Riethig.
Nachdem verschiedene Details am Bauentwurf noch geklärt werden müssten, sollte die Bauphase 2024 starten und im Herbst 2025 beendet sein. Letzlich hinge das aber auch von der Verfügbarkeit der Materialien und den Entwicklungen in der Baubranche ab, gab Architektin Prof. Gesine Weinmiller zu bedenken.
Der erste Platz im Architekten-Wettbewerb wurde mit 40.000 Euro dotiert, die beiden dritten Plätze mit jeweils 20.000 Euro, und für die übrigen Teilnehmer gab es eine Anerkennung für ihre Entwürfe von jeweils 10.000 Euro.
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