Duderstadt trauert um Hubertus Werner – Nachruf für einen außergewöhnlichen Menschen

Duderstadt trauert um einen seiner bekanntesten Bürger. Hubertus Werner, Mitglied des Stadtrats und seit Jahrzehnten ehrenamtlich in vielen weiteren Vereinen und Gremien engagiert, ist im Alter von 67 Jahren gestorben. Die Lücke, die er hinterlässt, ist groß.

Hubertus Werner erlernte nach Abschluss der Hauptschule in Duderstadt das Kürschnerhandwerk bei einem Betrieb in Hannover und arbeitete nach abgeschlossener Ausbildung im Familienbetrieb in Duderstadt, wo auch sein Vater Ernst-Wilhelm Werner sich als Kürschnermeister einen Namen gemacht hatte. Über 125 Jahre gehörte die Kürschnerei Werner, später erweitert durch eine Hutmacherei und das Bekleidungshaus Wippermann, prägend zum Duderstädter Stadtbild. Als Pelze dann ab den 1990-er Jahren zunehmend aus der Mode kamen, verlagerte Hubertus Werner die Schwerpunkte seiner Werkstatt auf die gerade boomende Lederverarbeitung und führte das Unternehmen noch bis 2007 weiter. Im September des Jahres zog im einstigen Modehaus Wippermann die C&A-Filiale ein.

 

Kürschnermeister Hubertus Werner (Foto: Südhannoversche Volkszeitung, Eichsfeld-Dokumentation 1982)

 

Doch auch nach der Schließung des Familiengeschäftes blieb dem Handwerksmeister und Händler die Belebung der Duderstädter Innenstadt und des lokalen Handels eine Herzensangelegenheit. Als 2002 der Treffpunkt Stadtmarketing Duderstadt e.V. (TSD) aus zwei Vorgängervereinen entstanden ist, um mit gebündelten Kräften die Attraktivität Duderstadts zu fördern, wurde Gründungsmitglied Hubertus Werner als Erster Vorsitzender gewählt und seine langjährige Mitarbeiterin aus dem väterlichen Geschäft, Anka-Maria Walther, als Vorstandsassistentin. Gemeinsam etablierten sie unter anderem die großen Themenmärkte in Duderstadt, deren Anfänge auf die Landesausstellung Natur im Städtebau 1994 zurückzuführen waren, sowie den Duderstädter Weihnachtstreff. Bei letzterem begrüßte Hubertus Werner allabendlich persönlich die Bürgerinnen und Bürger auf der Bühne bei der Losziehung der Tombola. Bis 2023 waren Hubertus Werner und Anka-Maria Walther maßgeblich für die Geschicke des TSD verantwortlich.

 

Anka-Maria Walther und Hubertus Werner (Foto: Iris Blank, 2019)

 

Beruflich zog es ihn dann ab 2007 endgültig ins Reisegeschäft. Eine solide Routine im Fahren großer Automobile hatte er sich längst zugelegt. Bereits den 1990er-Jahren hatte er über das DRK die Prüfungen für den Lkw-Führerschein und Personenbeförderungsschein absolviert, um bei Seniorenfahrten ehrenamtlich einspringen zu können. Als hauptberuflicher Busfahrer wird er vielen Eichsfeldern jeden Alters in Erinnerung bleiben, denn sowohl auf geselligen Vereinstouren durch Deutschland und ins nahe Ausland, auf Betriebsausflügen oder im regionalen Linienbus hatte für ihn stets die sichere Ankunft seiner Fahrgäste höchste Priorität. Über sein Engagement für die Duderstädter Städtepartnerschaften, insbesondere mit Kartuzy in Polen und Combs-la-Ville in Frankreich, fuhr er oft auch als Busfahrer die jeweiligen Freundeskreise in die Nachbarländer und war am internationalen Austausch persönlich beteiligt.

Noch während seiner Schulzeit hatte Hubertus Werner bei einem Erste-Hilfe-Kurs den ersten Kontakt zum DRK, wo er dann ab 1974 Mitglied war. 1975 wurde er im Alter von 17 Jahren schon Ausbilder in Erster Hilfe und mit 30 Jahren Kreisbereitschaftsführer. In den 1990-er und 2000-er Jahren trat er als wesentlicher Mitinitiator von DRK-Hilfsgütertransporten in den Balkan, nach Polen, Rumänien und in die Ukraine hervor, wo er jeweils selbst am Lkw-Steuer saß. 2019 wurde er Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Duderstadt. Beim großen Umbau des neuen DRK-Zentrums ab 2019 in der Schöneberger Straße – mitten in der Coronazeit – war er nahezu täglich im grauen Kittel auf der Baustelle anzutreffen und packte überall mit an, wo es nötig war. Die obligatorische Krawatte unter dem Kittel blieb dabei immer das sichtbare Relikt seiner beruflichen Herkunft aus der Bekleidungsbranche und aus der „alten Schule“ des Gentleman.

 

Hubertus Werner wird von Dr. Volkmar Schön mit dem Ehrenzeichen des DRK ausgezeichnet

 

2023 wurde er für seine außergewöhnlichen Dienste mit dem Ehrenzeichen des DRK ausgezeichnet. Hubertus Werner genieße „ein besonderes Vertrauen der eigenen Leute“ und sei daher für die Verleihung des Ehrenzeichens des DRK ausgewählt worden, hieß es in der Begründung von Dr. Volkmar Schön, Vizepräsident des DRK Bundesverbandes.

 

So kannten ihn die Bürgerinnen und Bürger: Mit Hut auf dem Kopf und einem Lächeln auf den Lippen eröffnete Hubertus Werner zahlreiche Märkte in der Duderstädter Altstadt

 

Und auch in der lokalen Politik war er bereit, etwas mitzubewegen. Seit mehr als 40 Jahren war er Mitglied der CDU, Mitglied im Stadtrat war er seit den 2000-ern bis zu seinem Tod, und von 2012 bis 2017 war er Ortsbürgermeister in Duderstadt. Enge Verbindungen hielt er zu zahlreichen weiteren Vereinen und Institutionen, darunter die Duderstädter Feuerwehr und die Schützengesellschaft.

Hubertus Werner war verheiratet, hatte drei Kinder und vier Enkelkinder. Zwei seiner Kinder leben mit ihrer Familie ebenfalls im Raum Duderstadt.

 

In eigener Sache:
Lieber Hubertus,

wir haben Dich als einen stets liebenswerten, respektvollen und grundehrlichen Menschen kennengelernt. Du hast die Begabung besessen, Entwicklungen von verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten, Dir daraus eine eigene Meinung zu bilden, Deine Überzeugungen durchzusetzen – oder auch zu hinterfragen und neuen Zeiten und Erkenntnissen entsprechend anzupassen. Du konntest konservative Werte mit Weltoffenheit verbinden und dabei manchmal auch über Deinen eigenen Schatten springen. Du hast Optimismus ausgestrahlt, warst offen für Neues, konntest hochrangigen Politikern und Managern ebenso auf Augenhöhe begegnen wie Nachbarn, Kunden, Freunden und Gästen. Bei Dir standen immer der Mensch und die gute Sache im Vordergrund, Dein eigenes Ego stelltest Du in den Hintergrund, und Du bist Zeit Deines Lebens völlig bodenständig geblieben.
Wir danken Dir für Dein riesiges Engagement für die Stadt und die Region, und ganz besonders für die in so vielen Bereichen positive Zusammenarbeit!

Unser tiefes Mitgefühl gilt Ulla, Deinen Kindern und Enkelkindern.

Du wirst uns fehlen!

Claudia & Hans von Clanys Eichsfeld-Blog

 

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