Ungewöhnliche Szenen werden im Kophus des Duderstädter Rathauses noch bis zum 9. Februar 2024 zu beobachten sein: Ölgemälde werden durch die Lupe betrachtet. Denn in den Werken des Künstlers Bernd Gerdes verbirgt sich ein ganzes Universum im pittoresken Mikrokosmos. Die Ausstellung wurde vom Förderkreis für Denkmal- und Stadtbildpflege in Kooperation mit der Stadt Duderstadt eröffnet.
Auf erstem Blick fügen sich die eher kleinformatigen Ölgemalde etwas unscheinbar in die alte Sandsteinmauer des Kophus ein. Doch der Eindruck täuscht. Obwohl zwar allgemein beim Betrachten von Kunst empfohlen wird, einen Schritt zurückzugehen, um das ganze Werk zu erfassen, sollte man bei den Gerdes-Gemälden genau das Gegenteil tun: ganz nah ran! Sogar Lupen werden in der Gästeinformation für diese Ausstellung angeboten, die der Optikermeister David Gerlach eigens dafür zur Verfügung stellt. Wem das auch noch nicht reicht, kann eine Ansicht der Bilder über einen QR-Code auf sein Handy laden und dort die Details heranzoomen. (Link zur Bildergalerie: http://derfoerderkreis.de/bernd-gerdes/ )
Nachdem die Gäste der Vernissage von der Kunsthistorikerin Sandra Kästner in die Besonderheiten der Werke eingeweiht wurden, zeigte sich manche Überraschung. Hinter dem vermeintlichen Ton-in-Ton-Konzept verbirgt sich beim genauen Hinsehen eine Explosion an Farben und Formen, Zeichen und Symbolen, Namen von Menschen und Orten – sogar das Datum vom Beginn bis zur Vollendung des Werkes soll zu finden sein, verriet Sandra Kästner. Etwa drei bis fünf Monate braucht Bernd Gerdes für eines seiner Gemälde, wo jedes noch so winzige Detail mit einem extrem feinen Pinsel sorgfältig aufgetragen wurde. „Kunst der allerfeinsten Art, netzartig ineinander gewebt, ornamental angelegt“ – so beschrieb die Kunsthistorikerin den außergewöhnlichen Stil dieser Werke.
Bernd Gerdes wurde 1942 in Duderstadt geboren und ist nach seinem Berufsleben, u.a. als Buchhändler und Kunsthistoriker in Paris, München und anderen Orten, im Jahr 2016 wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Daher sind sogar einige bekannte Duderstädter Fachwerkansichten in den mosaikartigen Bildern zu finden. Aber auch Eindrücke von seinen Reisen in den Orient, von Paris als Stadt seiner Träume, Einflüsse von Friedensreich Hundertwasser, den Gerdes perönlich kannte, Andeutungen auf die anderen Leidenschaften des Künstlers – Musik und Literatur – sind in den ausgeschmückten Bilderwelten zu finden, die dann doch wieder einen Bezug zum großen Ganzen haben. Die Frage nach dem Sein und Werden, nach Vergänglichkeit und dem, was ein Menschenleben überhaupt ausmacht, darf hier gestellt werden. Wie viele winzige Details sind die Basis einer Persönlichkeit, eines ganzen Menschen – oder gar des Lebens?
Der Förderkreis für Denkmal- und Stadtbildpflege in der Stadt Duderstadt e.V. hat zwar seit seiner Gründung 1988 schon zahlreiche große Projekte auf den Weg gebracht, die dem Erhalt der historischen Elemente in Duderstadt dienten, aber eine Kunstausstellung zu inszenieren, war nun neu für die Mitglieder. Doch auch der Erhalt von Kunst und Kultur mit Duderstädter Wurzeln gehöre mit zur Kernaufgabe des Vereins, sagte Michael Schmutzer als Zweiter Vorsitzender. Der Verein finanziere zudem über Spenden zahlreiche Projekte der Stadtbildpflege, erläuterte der Vorsitzende Nils Ballhausen und verwies auf die Spendenbox, mit der während der Ausstellung Geld für weitere Projekte gesammelt wird.
Bürgermeister Thorsten Feike betonte, dass dies nun schon die dritte Ausstellung im Kophus seit Oktober 2023 sei. Zuvor wurden vor allem im viel größeren Bürgersaal in der ersten Etage des Rathauses Ausstellungen präsentiert. Doch für kleinere Exponate habe sich das Kophus profiliert, da es ohnehin während der Öffnungszeiten der Gästeinformation besetzt sei. Außerdem würden die Ausstellungen von Touristen und Einheimischen beim Besuch der Gästeinformation noch leichter wahrgenommen werden.
Die Bilder von Bernd Gerdes sind noch bis zum 9. Februar 2024 täglich zwischen 10 und 16.30 Uhr im Kophus des historischen Rathauses zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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