Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung für Menschen mit Behinderung, der alljährlich am 5. Mai stattfindet, steht 2026 unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“. In Duderstadt organisierte die Initiative „Inklusion bewegen“ des Landkreises Göttingen in Kooperation mit der Aktion Mensch einen Protestmarsch für mehr Toleranz, Akzeptanz und Barrierefreiheit. Mit dabei waren zahlreiche Institutionen und Wohlfahrtsverbände, darunter die Caritas Südniedersachsen, die Lebenshilfe Eichsfeld, die Harz-Weser-Werke, die AWO, die Malteser und weitere, sowie Betroffene und Angehörige.




Der Marsch führte vom ZOB über den Sachsenring, Bahnhofstraße und Marktstraße bis zum Vorplatz der Basilika St. Cyriakus. Dort gab es eine Kundgebung mit verschiedenen Redebeiträgen und einen Markt der Möglichkeiten. Institutionen und Verbände, die sich in der Behindertenarbeit engagieren, informierten über ihre Angebote, luden ein zu Gesprächen oder versorgten die vielen Menschen vor der Oberkirche mit frischen Waffeln und Getränken. Den musikalischen Rahmen bot die Band „Geräuschpegel“ von den Harz-Weser-Werken Osterode.


Bürgermeister Thorsten Feike und die Duderstädter Behindertenbeauftragte Ilka Conrad begrüßten die Teilnehmenden und gedachten der kürzlich verstorbenen Behindertenbeauftragten Andrea Holzapfel, welche die Inklusion in Duderstadt nachhaltig mitgeprägt habe.
Betroffene erzählten auf der Bühne von ihren individuellen Lebenssituationen – mit körperlicher und psychischer Behinderung oder als Mutter eines behinderten Kindes – und betonten, dass ohne Einzelfallhilfen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Schule und Arbeit oder an sozialen Kontakten nicht möglich sei. Sie appellierten an alle Entscheidungsträger, sich für Inklusion und Partizipation in allen Lebensbereichen einzusetzen.

Als prominenter Gast betrat Karl Finke, Niedersächsischer Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung und engagiert in zahlreichen weiteren Gremien, die Bühne. Er knüpfte an die Themen der Betroffenen an und kritisierte die Einsparungspläne der Bundesregierung im Sozialbereich, mögliche Kürzungen oder den Wegfall von Leistungen wie der Einzelfallhilfe. „Die Kürzungen sind so nicht hinnehmbar“, meinte er und sprach sich für Mitentscheidung behinderter Menschen und Anerkennung ihrer Mündigkeit aus.

Der Protestmarsch war ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Inklusionskonferenz, die am Mittwoch, 10. Juni 2026, in Duderstadt im historischen Rathaus stattfindet. Zuvor gab es bereits zwei Netzwerktreffen in Kooperation mit der Caritas Südniedersachsen. Im Jugendgästehaus in Duderstadt trafen sich Menschen mit Beeinträchtigungen und Angehörige, um in Workshops Bedarfe und Ziele der Inklusion zu erarbeiten. Dabei standen die Themen Mobilität, Arbeit, Gesundheit/Pflege/Wohnen, Freizeit/Sport/Kultur, Bewusstsein/Kommunikation/Medien/Digitalisierung und Bildung/Erziehung im Fokus.
Ein zweites Netzwerktreffen in Bovenden richtete sich an Fachkräfte, die sich mit Inklusion und Teilhabe im Landkreis Göttingen beschäftigen. Unter dem Titel „Mutausbruch“ appellierten die Teilnehmenden an alle Entscheidungsträger, Mut zu beweisen und Neues auszuprobieren, um beispielsweise niedrigschwellige Hilfsangebote zu ermöglichen.
Die Ergebnisse beider Netzwerktreffen sollen bei der Inklusionskonferenz in Duderstadt unter dem Titel „Wie können wir Inklusion im Landkreis Göttingen gemeinsam bewegen?“ vorgestellt und weitergedacht werden. Eingeladen sind alle Interessierten, die eigene Ideen einbringen und sich weiter vernetzen möchten – Betroffene, Angehörige, Fachkräfte, Menschen aus Politik und Verwaltung, interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Infos:
Inklusionskonferenz 2026 im Landkreis Göttingen
Mittwoch, 10. Juni 2026, 10 – 15 Uhr
Historisches Rathaus Duderstadt
Marktstraße 66
Anmeldungen sind erbeten bei inklusion-bewegen.de
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