Kunst in der Kanzlei: Oskar Müller stellt bei Kunstmann aus

Sozialkritik mit Humor – so könnte man die Kunst von Oskar Müller mit drei Worten zusammenfassen. In seinen Werken hält der Wahl-Eichsfelder der westlich-amerikanisch geprägten Gesellschaft gern mal den Spiegel vor, hinterfragt vermeintliche Werte – den des Geldes zum Beispiel – und pointiert Charakterzüge berühmter Persönlichkeiten, von Albert Einstein über Donald Duck bis zur Mona Lisa, manchmal im Graffiti-Style auf Beton-Hintergrund. Aber auf einen Stil festlegen will sich der experimentierfreudige Künstler nicht.

 

Einstein – Stop War

 

Bei einer Ausstellung von Oskar Müller war die Duderstädter Rechtsanwältin Katharina Kunstmann von genau dieser Mischung aus Humor und Hintergründigkeit beeindruckt. Ein Müller-Bild sollte ihre Wohnzimmerwand zieren – doch welches? Bei der Suche nach dem passenden Werk kam man ins Gespräch, und die Idee wuchs, die Bilder auch in der Kanzlei Kunstmann-Brodmann auszustellen, die Katharina Kunstmann zusammen mit ihren Eltern Klaus Kunstmann und Angelika Brodmann in der Duderstädter Jüdenstraße betreibt.

 

Auch Duderstadt wird von Oskar Müller immer wieder thematisiert. In einer „Hommage an die Erbauer“ hat traditionsreiche Handwerkskunst Spuren an der schaffenden Hand hinterlassen.

 

Einstein zog schließlich im Wohnzimmer der Anwältin ein, aber die hohen Kanzleiwände boten Platz für mehr. „Wir mussten überlegen, was am besten passt“, sagt Katharina Kunstmann. Nach der engeren Auswahl wurde dann die gesamte Kanzlei zur Galerie – außer das Büro von Klaus Kunstmann. „Ich bin eher klassisch eingerichtet, da wird es beim Thema etwas schwierig“, überlegte der Anwalt, merkte aber vorsichtig an, dass vielleicht eine Justitia, die römische Göttin der Gerechtigkeit, gemalt im Müller-Stil, sich doch ganz gut machen würde. Vielleicht zum zeitgenössischen Thema Datenschutz und Überwachung? Oskar Müllers Augen blitzten. „Da hätte ich schon ein paar Ideen“, verriet er – und man darf gespannt sein.

 

Mit seiner „Strichcode-Serie“ hat Oskar Müller schon vor einigen Jahren das Thema „digitale Registrierung“ künstlerisch umgesetzt

 

2004 ist der Künstler mit seiner Frau Dorothea aus Berlin ins Eichsfeld gezogen. In zahlreichen Ausstellungen waren seine Werke seitdem auch in der Region zu sehen. Aufsehen erregte die Nacht- und Nebelaktion im Jahr 2014: Eines Morgens stand plötzlich ein „blaues Männchen“ auf einem Totholzstamm am Stadtwall. Einige Wochen lang wurde gerätselt, wer hinter dieser Skulptur stecken könne, bis Oskar Müller das Geheimnis lüftete – und dem blauen Knaben auch noch ein gelbes Mädchen zur Gesellschaft dazustellte.

Aber auch die Ausstellung in der Anwaltskanzlei findet Beachtung. „Wir haben hier viel Publikumsverkehr. Manchmal müssen die Leute einen Moment warten, und einige haben dann Selfies neben der Mona Lisa gemacht“, erzählt Katharina Kunstmann schmunzelnd. Insgesamt kämen die Bilder mit dem hintergründigen Humor gut bei den Klienten an.

Nur Bürohund Kätchen scheint nicht ganz einverstanden zu sein mit dem Katzenmotiv: Ein Löwe mit grimmigen Gesicht und Augenbinde behält den Kanzleiflur im Blick – mit der bedrohlichen Aufschrift „I see you“.

 

Beim „Katzenbild“ hört für Bürohund Kätchen der Spaß auf.

 

Interessierte Besucher empfängt Oskar Müller auch in seinem Atelier im Hinterhaus der Duderstädter Marktstraße 45, wo noch viel mehr Bilder und Skulpturen zu sehen sind oder der Künstler sich mal bei der Arbeit über die Schulter schauen lässt.

 

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