Hundeattacke hätte Rehkitz Paula fast das Leben gekostet

Im letzten Moment konnte in Immingerode ein Rehkitz vor einer Hundeattacke gerettet werden. Das verletzte Bambi wird nun von Privatleuten in Gerblingerode aufgepäppelt. Die Rehmutter kann es nicht weiter versorgen.

 

 

„Wir saßen auf der Terrasse, als plötzlich wildes Hundegebell und dazwischen eine Art Schreien zu hören war. Mein Vater meinte, da hätten bestimmt Hunde ein Kitz am Wickel. Ich bin sofort in den Wald gerannt, dem Gebell nach“, erzählt die Immingeröderin Vanessa. An den Waldrand grenzen noch ein paar Wiesen mit Ziegen und Eseln. Zwischen den Zäunen hatte sich ein Kitz verfangen und schrie ganz fürchterlich, als es von zwei Hunden attackiert wurde. „Vielleicht waren die Zäune sein Glück, die Hunde konnten durch den Draht nicht richtig zuschnappen“, sagt Vanessa, der es gelang, die Hunde zu verscheuchen. „Ich kannte die Hunde nicht und wusste nicht, ob die beißen würden. Sie waren mittelgroß, weiß und braun, also definitiv keine Wölfe. Sie haben dann vom Kitz abgelassen, als ich kam. Man hat in so einer Situation ja kaum Zeit, lange nachzudenken“, sagt die Immingeröderin. Das Kitz blutete am Kopf. Vanessa befreite es und trug es in ihrer Jacke weg von den Hunden. Bei Menschenkontakt nimmt das Tier allerdings den Geruch an, und die Rehmutter würde es nicht weiter versorgen.

 

Nach dem ersten Menschenkontakt wurde das verletzte Kitz im Karton gesichert, bis eine Pflegestelle gefunden wurde (Foto: Vanessa)

 

Die Ricke (Rehmutter) lässt ihr Kitz gewöhnlich gut versteckt im hohen Gras und geht auf Nahrungssuche. Ab und zu kehrt sie zurück, um es zu säugen. Damit keine Füchse, Wölfe oder Hunde das kleine Reh wittern und angreifen, hat es keinen Eigengeruch. Daher sollte auch niemand ein Kitz im Gras anfassen oder streicheln.

„Es kommt leider immer wieder vor, dass Hunde die Kitze zufällig aufstöbern oder auch Muttertiere zu Tode jagen“, sagt Jürgen Heine, der als Jäger auch dafür zuständig ist, Buch zu führen über den jeweiligen Bestand im Revier. Gerade hatte er die Nachricht von einem weiteren Kitz mit Hundekontakt erhalten, das die Attacke jedoch nicht überlebt hatte. Ein totes Tier zu beseitigen oder auch verletzten Tieren ein langes Leiden zu ersparen, gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Jägers. An alle Hundehalter appelliert Jürgen Heine, unbedingt den Leinenzwang zu beachten und vor allem während der Brut- und Setzzeit, also mindestens bis zum 15. Juli, den Hund nicht frei laufen zu lassen. „Wenn Hunde ein Wildtier zu Tode hetzen, wird das als Wilderei eingestuft und ist eine Straftat. Deshalb wird uns auch selten rechtzeitig mitgeteilt, wo Hunde ein Tier verletzt haben. Man findet es erst viel später, wenn es qualvoll verendet ist“, so seine Erfahrung.

Die Gefahren für Kitze, und auch für diverse Bodenbrüter, sind außerdem während der Heuernte besonders groß, weil die Tiere im hohen Gras nicht gesehen werden. „Ein Kitz hat den Drückreflex. Es drückt sich bei Gefahr tief ins Gras, statt wegzulaufen“, erklärt Jürgen Heine.

 

Bei Gefahr drückt sich das Kitz tief ins Gras (Foto Pixabay)

 

In der Landwirtschaft werden zunehmend Drohnen eingesetzt, um vor der Heuernte per Wärmebildkamera Tiere im Gras zu orten. Sollte ein gesundes Kitz gefunden werden, ist dabei ebenfalls zu beachten, es nicht einfach wegzutragen. „Am besten in einem großen Büschel Gras aufheben und an die Seite tragen, damit es den Geruch des Menschen nicht annimmt“, empfiehlt Jürgen Heine. Die Kitze fiepen, wenn sie Hunger haben, und so findet sie die Mutter auch ein paar Meter weiter.

 

Paula ist tagsüber im Grünen, wo sie gesund gepflegt werden soll.

 

Vanessa musste nach ihrer Rettungaktion eine Weile herumtelefonieren, bis sie herausfand, was mit einem verletzten Kitz zu tun sei. Rechtlich gesehen ist immer der Jagdpächter für solche Fälle zuständig, und der wurde nach Polizei und Tierarzt dann auch infomiert. Glücklicherweise konnte schnell eine Stelle gefunden werden, wo das Kitz versorgt wird, bis es an ein Wildgehege vermittelt werden kann.

In der Pflegefamilie, die es Paula genannt hat, wird es nun aufgepäppelt. Das heißt: alle Nase lang frischen Löwenzahn und Klee rupfen, verschiedene Kräuter und Ziegenmilch anbieten. Kuhmilch verträgt ein Reh nicht. Nachts schläft Paula in der Waschküche, um sicher vor anderen Raubtieren zu sein. Einmal in der Nacht, zwischen 3 und 4 Uhr, wird auch noch gefüttert.

 

Nachts ist Paula sicher vor Raubtieren in der Waschküche untergebracht.

 

Weitere nützliche Infos:
Alles rund um Reh- und Kitzrettung bei Rekkitzhilfe.de

drohnen.de ist eine Webseite, wo es für Landwirte ein Verzeichnis von freiwilligen Drohnen-Piloten gibt. Außerdem können sich Drohnenpiloten hier registrieren lassen, wenn sie sich bei der Kitzrettung engagieren möchten.

Leinenzwang für Hunde – wann und wo? ml.niedersachsen.de

 

ClanysEichsfeldBlog Duderstadt Rehkitzrettung Immingerode

 

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