Mit Ewald Arenz präsentierte der Göttinger Literaturherbst 2023 am letzten Tag der Veranstaltungsreihe eine hochkarätige Lesung im Duderstädter Rathaussaal. Über sein neues Buch „Liebe an miesen Tagen“, erschienen 2023 bei Dumont, sprach der Bestsellerautor aus Nürnberg mit der Göttinger Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Anke Detken.
Bei einem Liebesroman bestehe die Gefahr, in den Kitsch abzudriften, meinte Ewald Arenz, der sich mit seinem aktuellen Buch genau dieser Gefahr stellte. Denn die Leserschaft weiß: Mindestens seit der Antike funktionieren literarische Liebesgeschichten nur, wenn nicht alles wie geschmiert läuft. Schwerwiegende Probleme halten bestenfalls auch den Kitsch im Zaum. Hindernisse müssen überwunden werden, vielleicht nicht immer in der Größenordnung eines Troyanischen Krieges, bei Shakespeares Romeo und Julia reichten schon zwei verfeindete Familien für einen hochdramatischen Verlauf. Bei Ewald Arenz′ „Liebe an miesen Tagen“ ist es der Krebs, der ein Happy End der großen Liebe in Frage stellt. Dazu kommen aber auch gesellschaftliche „Normen“, die hier überschritten werden. Seine Hauptfigur Clara ist 10 Jahre älter als ihr Geliebter Elias. „Wenn ein Mann eine jüngere Geliebte hat, ist das in der Öffentlichkeit kaum ein Thema. Ist die Frau älter, wird bezweifelt, ob das lange gut gehen kann“, stellte Ewald Arenz fest.
Im heiteren und kurzweiligen Gespräch mit Anke Detken, das aber auch Platz ließ für ernste Themen wie den Verlust eines geliebten Menschen, erfuhren die Gäste im ausverkauften Rathaussaal nicht nur etwas über die Hintergründe beim Schreiben eines Romans – von der Recherche bis zum Ausfeilen der Sprache – sondern auch aus dem Leben des Autors. Anke Detken fragte, wie die Schülerinnen und Schüler am Gymnasium in Nürnberg, wo Ewald Arenz Englisch und Geschichte unterrichtet, auf ihren bekannten Lehrer reagierten. „Das ist wie in der Familie, es interessiert sie eigentlich nicht sonderlich“, antwortete der Befragte. Belustigte Blicke im Publikum erntete er auch mit dem Geständnis, dass seine kreativste Zeit zum Schreiben morgens sei – eindeutig ungünstig für einen Lehrer. Daher seien seine über 20 Bücher in 25 Jahren vor allem an den Wochenenden und in den Ferien entstanden.
Aus Worten werden Bilder
Die Passagen aus seinem aktuellen Roman las Ewald Arenz nicht einfach vor, vielmehr rezitierte er das Geschriebene, ließ Bilder aus Worten entstehen und stellte seine Protagonisten lebendig dar. Dialoge in bester Screwball-Manier geben dem Verlauf der Geschichte eine heitere, und oft auch tiefsinnige Würze. Im Hintergrund schwingen ein paar Ängste mit: Was traut man sich wohl noch ab einem gewissen Alter oder in einer bestimmten Verantwortung?
Mit seinen Themen scheint Ewald Arenz jedenfalls viele Leserinnen und Leser zu treffen. Am Büchertisch mussten noch Exemplare von „Liebe an miesen Tagen“ nachgeordert werden, um dem Andrang in der Signierstunde gerecht zu werden. Einen ausdrücklichen Dank richtete der Autor an die Duderstädter Buchhandlung Gebr. Seseke für die Unterstützung. „Keine einzige meiner Lesungen ist jemals von Amazon vorbereitet worden. Es sind die örtlichen Buchhandlungen, die solche Veranstaltungen möglich machen“, sagte Ewald Arenz. Weitere Unterstützung für den Göttinger Literaturherbst gab es außerdem von der Sparkassenstiftung Untereichsfeld.
Rückblick auf den erfolgreichesten Literaturherbst seit 32 Jahren
Zum Abschluss blicken die Veranstalter mit 24.600 Zuschauer*innen, 4.800 mehr als im Vorjahr, auf den erfolgreichsten Göttinger Literaturherbst in seiner 32-jährigen Geschichte zurück.
Von 72 eintrittspflichtigen Veranstaltungen waren 33 ausverkauft. Besonders die Lesungen im Umland konnten
mit 3.500 Besucher*innen ein Plus von 60 Prozent gegenüber 2022 erreichen. Die Auslastung lag insgesamt bei 91 Prozent.
„Das ist ein überwältigender Zuspruch“, so Johannes-Peter Herberhold, Geschäftsführer des Göttinger Literaturherbstes. „Eine solche Fülle an hochkarätigen Veranstaltungen gab es bislang im Festival
noch nie und wir haben von sehr vielen Seiten begeistertes Feedback für das Programm erhalten. Das Publikum hat uns mit dieser großen Resonanz noch einmal deutlich in unserer Arbeit bestätigt.“
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