Engagement im ländlichen Raum – Modellprojekt soll die Arbeit der Freiwilligen erleichtern

Engagement heißt Verantwortung für Lebensbedingungen zu übernehmen. Das ist jedoch oft mit bürokratischen Hürden und großem Aufwand bei der Suche nach Informationen verbunden. Um Engagierten im ländlichen Raum den Rücken freizuhalten für ihre eigentlichen Interessengebiete, soll mit dem Modellprojekt GIVE (Gut informiert – vernetzt engagiert) das Engagement im ländlichen Raum gefördert werden. Dazu soll u.a. eine Info-Plattform entstehen, initiiert vom Landkreis Göttingen.

Um zunächst das bürgerschaftliche Engagement im ländlichen Raum des Landkreises Göttingen einschätzen zu können, wurde eine Forschungsgruppe der HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen mit einer Online-Umfrage zu diesem Thema beauftragt, wozu 660 Personen teilgenommen haben.

In welchen Themenbereichen engagieren sich die Menschen im Landkreis Göttingen?

Für den Landkreis Göttingen wurde festgestellt, dass die Dominanzbereiche des bürgerschaftlichen Engagements – Sport, Kultur, Musik, Medien – dem bundesweiten Trend entsprechen. Eine Besonderheit von überdurchschnittlichem Engagement liegt hier allerdings im Bereich Traditionspflege und Brauchtum.

An der Studie beteiligt war Prof. Dr. Alexandra Engel, Direktorin des Zukunftszentrums Holzminden-Höxter (ZZHH) und Leiterin der Forschungsgruppe Engagement in ländlichen Räumen am ZZHH. Die meisten Aktivitäten der Engagierten, wozu laut Professorin nicht nur Ehrenamtliche im Verein, sondern auch Freiwillige oder an Projekten Beteiligte gehören, betreffen die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Treffen sowie Öffentlichkeitsarbeit. 97 Prozent der Befragten nutzen dazu digitale Kommunikationsformen.

Wo sind junge Menschen engagiert?

Interessant ist auch der Blick auf die jungen Menschen im Landkreis. Bei ehrenamtlichen Tätigkeiten in Organisationen mit den Themenfeldern Soziales, Klima-, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Traditionspflege und Brauchtum ist die Gruppe der bis 29-Jährigen deutlich unterrepräsentiert. Da dies zum Teil aber Themen der aktuellen Jugendbewegung sind, stellt die Studie hier die Vernetzungsfrage mit den vorhandenen Organisationen in den Raum, zumal die Gruppe der 14- bis 19-Jährigen sich im Vergleich zu anderen Altersgruppen überdurchschnittlich oft freiwillig engagiert.

Die ältesten Engagierten sind in den Themenfeldern Soziales sowie Tradition und Brauchtum zu finden. Solche Vereine und Organisationen beklagen zudem häufig einen Nachwuchsmangel. Hier wird in der Studie die Förderung nach Projektarbeit und Vernetzung angeregt.

Ein zunehmend geringes Interesse an Vorstands- und Leitungsarbeit wurde festgestellt. 85 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass hierzu ein spezielles Wissen im Vereins- und Steuerrecht nötig sei. Ein Drittel fühlt sich bei der Vorstandsarbeit allein gelassen.

Die Herausforderungen ehrenamtlichen Engagements im Landkreis Göttingen sind laut Studie:

  • Gewinnung neuer Engagierter/Mitglieder
  • Vernetzung innerhalb und außerhalb der Organisation
  • Digitalisierung
  • Finanzen/Fördermittel
  • Spenden/Sponsoring
  • Mobilität
  • Umgang mit antidemokratischen Aktivitäten, bzw. eine externe Einflussnahme, Angriffe, Sexismus etc.

Um Engagierte im Landkreis bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen, soll nun über das Modellprojekt GIVE eine digitale Plattform befüllt werden, wo Informationen und Hilfsangebote, Adressen, Ansprechpartner und vieles mehr gebündelt werden. “Uns geht es darum, Informationen gut aufbereitet zur Verfügung zu stellen”, sagt Beate Böcker, Referat Demografie und Sozialplanung Landkreis Göttingen.

Kommunen sind gefragt, Engagierten die Steine aus dem Weg zu räumen

Alexandra Engel merkt dazu im Podcast des Zukunftszentrums Holzminden/Höxter (ZZHH) “Land.Schafft.Wissen” an, dass Kommunen gefragt sind, Engagierten die Steine aus dem Weg zu räumen und einen Rahmen für das Engagement zu schaffen. “Engagierte entscheiden selber, wie sie den Rahmen ausfüllen”, sagt die Professorin und nennt die Theorie, dass Engagement auch immer einen geografischen Bezug habe. Außerdem sei für Engagierte die Erfahrung entscheidend, etwas zu bewirken.

 

 

GIVE wird im Rahmen des Verbundprojektes “Hauptamt stärkt Ehrenamt” durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.

Die Studienberichte des Zukunftszentrum Holzminden/Höxter sind HIER nachzulesen. Engagierte im Landkreis Göttingen können noch weitere Anregungen mit einbringen, die in den Ergebnissen noch nicht aufgeführt werden. „Wir sind immer für Ideen und Fragen offen“, sagt Beate Böcker.

Ansprechpartnerinnen im Landkreis Göttingen HIER

Infos zur Umfrage 2020 HIER

 

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