Das Grüne Band

Vor 30 Jahren fuhren noch Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) den fast 1400 Kilometer langen Kolonnenweg ab, um die innerdeutsche Grenze zu bewachen. Stacheldraht, Metallgitter und Minenfelder sollten Menschen daran hindern, die DDR in Richtung Westdeutschland zu verlassen. Die Soldaten hatten Schussbefehl gegen die eigenen Landsleute.

Der Eiserne Vorhang war nicht nur eine Grenze der Ideologien. Geografisch trennte er jahrzehntelang Europa vom Barentsee an der russisch-norwegischen Grenze über Mitteleuropa und den Balkan bis zum Schwarzen Meer. In Deutschland verlief die Zonengrenze nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Länge von 1393 Kilometer von der Ostsee bis zum Bayrischen Wald, und sie durchschnitt auch die seit Jahrhunderten zusammengewachsene Region Eichsfeld.

Der Grenzstreifen blieb 40 Jahre lang von Menschen beinahe unberührt

Zwar wurde der direkt hinter dem Zaun liegende Kontrollstreifen rigoros von Pflanzenwuchs befreit, doch der daran angrenzende und ebenfalls streng bewachte Schutzstreifen mit niedriger Vegetation blieb von den Einflüssen des Menschen beinahe unberührt. Die dann noch fünf Kilometer ins Landesinnere der DDR reichende Sperrzone durfte fast ausnahmslos nur von den Bewohnern der darin liegenden Gemeinden betreten werden.

In den 40 Jahres des SED-Regimes war der Grenzstreifen so abgeschirmt, dass sich dort eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln und erhalten konnte. Der Tierfilmer Heinz Sielmann thematisierte bereits 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, in seinem Film „Tiere im Schatten der Grenze“ dieses außergewöhnliche Biotop. Im Film beschrieb er – noch nicht ahnend, dass ein Jahr später die Grenze Geschichte sein würde – die Vision von einem Nationalpark entlang der Grenze von der Ostsee bis zum Thüringer Wald.

Schon kurz nach dem Mauerfall 1989 gab es vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Land Thüringen erste Überlegungen, entlang der ehemaligen Grenze verschiedene Schutzgebiete zu errichten. Heute sind mehrere Länder am Naturschutzprojekt Grünes Band beteiligt, das sich über 12500 Kilometer von Nord- nach Südeuropa erstreckt. Die Euronatur-Stiftung arbeitet gemeinsam mit Partnern in den Balkan-Staaten daran, Naturschutzprojekte langfristig anzulegen und zu erhalten.

Untereichsfeld und Obereichsfeld
Wo einst die innerdeutsche Grenze Niedersachsen und Thüringen trennte, verläuft heute das Grüne Band. Blick vom niedersächsischen Untereichsfeld auf den Pferdeberg, dahinter das thüringische Ohmgebirge.

Durch das Eichsfeld verlaufen 130 Kilometer des Grünen Bandes. Der Abschnitt „Eichsfeld – Werratal“ zwischen Harz und Thüringer Wald ist auf Initiative Heinz Sielmanns als Biotopverbund erhalten worden. Das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz haben 2009 Fördermittel für dieses Naturschutzprojekt bereitgestellt, das an Niedersachsen, Thüringen und Hessen grenzt. Auf einer Fläche von etwa 9500 Hektar leben rund 300 gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

Land- und Forstwirte demonstrieren

Da der Biotopverbund allerdings auch weitreichende Flächen umfassen sollte, die nicht direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze lagen, äußerten Land- und Forstwirte ihre Befürchtungen vor Einschnitten bei der Bewirtschaftung und Wertverlust dieser Flächen. 2013 beteiligten sich rund 250 Bauern aus drei Bundesländern an einer Trecker-Demo in Duderstadt gegen das Projekt Eichsfeld-Werratal. Auf Spruchbändern formulierten sie ihre Sorgen: „Das Grüne Band fährt unsere Existenzen an die Wand“ – „Keine neue Grenze nach der Wiedervereinigung“ – „Naturschutz – okay! Aber das hier tut weh“ stand dort geschrieben. Man einigte sich schließlich mit den Planern des Biotopverbunds darauf, die vorgesehenen Flächen für das Naturschutzprojekt zu reduzieren.

2017 wurden Inge Sielmann, Kai Frobel und Hubert Weiger als Initiatoren des Grünen Bandes mit dem Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.

Der Thüringische Landtag hat im Jahr 2018 beschlossen, seinen gesamten ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen als Nationales Naturmonument unter besonderen Schutz zu stellen. Mit einer Länge von 763 Kilometern und einer Gesamtfläche von 6500 Hektar soll am Thüringischen Grünen Band, das auch durch das Eichsfeld verläuft, der längste Biotopverbund Deutschlands entstehen, mit dem an die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung erinnert werden soll.


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