In Duderstadt gehört sein Gesicht ins Stadtbild wie Rathaus und Westerturm: Nach 45 Jahren Polizeidienst, davon 37 Jahre am Polizeikommissariat Duderstadt und 20 Jahre als Präventionsbeauftragter, verabschiedet sich Polizeihauptkommissar Dierk Falkenhagen im Herbst 2026 in den Ruhestand. Für Prävention will er sich aber weiterhin engagieren.
Generationen von Kindern und Jugendlichen kennen den Duderstädter Kontaktbeamten von zahlreichen Schul-Projekten zu Themen wie Verkehrssicherheit, Mediennutzung, Alkohol und Drogen, Mobbing und vieles mehr. Seniorinnen und Senioren informierte er auf Einladung von Vereinen und Institutionen über Betrugsmaschen wie den „Enkeltrick“ und klärte über Gefahren im Alltag auf. Viele dieser nachhaltigen Projekte hat Dierk Falkenhagen selbst konzipiert oder von seinem früheren Kollegen, dem damaligen Kontaktbeamten Karl-Robert (Karo) Müller (bis 2017 im Polizeidienst, † 2023), „geerbt“ und weiterentwickelt – bis hin zum professionellen Videodreh mit Duderstädter Jugendlichen zu Themen der Prävention..

„Mit 16 Jahren habe ich an der Polizeiakademie in Hann. Münden meine Ausbildung begonnen“, erzählt Dierk Falkenhagen. Zunächst habe er dann im Streifendienst in Hannover und an weiteren Orten gearbeitet. Im Februar 1989 kam er nach Duderstadt, wo er natürlich nicht ahnen konnte, was da im Herbst geschehen sollte: „Die Grenzöffnung war ein Highlight in meinem Berufsleben, diese Zeit war mit nichts vergleichbar“, erinnert er sich an den November ’89, an eine außergewöhnliche Stimmung im völlig überfüllten Duderstadt, das nun Trabbi-Town hieß, an 16-stündige Sonderdienste zur Verkehrslenkung und an die Sicherheitsvorkehrungen bei der Ausgabe von Begrüßungsgeld. Alle DDR-Bürger erhielten 100 D-Mark bei ihrer Ankunft im Westen – eine logistische Ausnahmesituation nach der Grenzöffnung.
„Ich war sogar mal Millionär, aber nur eine Viertelstunde lang“, sagt Dierk Falkenhagen schmunzelnd und erzählt dann, wie in der Eichsfeldhalle (dem heutigen Ballhaus) das Begrüßungsgeld ausging. Ein Geldtransporter war so schnell nicht zu ordern und wäre auch nicht durch den Menschenandrang gekommen. Mit Karo Müller, der sicherheitshalber eine MP bei sich trug, wurde Dierk Falkenhagen also zu Fuß zu einer Duderstädter Bank geschickt, um Nachschub zu holen. „Dort wurden die Geldbündel mit 100-D-Mark-Scheinen, insgesamt eine Million, in einen großen Geldsack gestopft, den ich dann schulterte wie die Panzerknacker und zur Eichsfeldhalle trug“, erzählt er lachend. Heute undenkbar!

Als dann ab den 2000ern Prävention mehr Bedeutung bekam, suchte man auch in Duderstadt einen Polizisten, der einen guten Draht zur jungen Generation hatte – und kam schnell auf Dierk Falkenhagen, der vielen Jüngeren schon als Fußballtrainer bekannt war. Karo Müller war als Kontaktbeamter bereits für die Grundschulkinder bei Projekten wie Schulwegsicherung zuständig und initiierte die Kelly-Inseln als öffentliche Schutzräume für Kinder in Duderstadt. Dierk Falkenhagen wurde Ansprechpartner für Jugendliche. Ab 2007 startete er das Bus-Scout-Projekt, wo entsprechend ausgebildete Schülerinnen und Schüler selbst die Aufsicht in Schulbussen übernahmen. Bis heute ließen sich rund 1500 Jugendliche als Bus-Scouts registrieren.
Ab 2010 entstand das Schutzengel-Projekt, das der ADAC ins Leben gerufen hatte, um junge Fahranfänger vor Alkohol- und Drogenmissbrauch zu schützen. Dierk Falkenhagen hat diese Idee maßgeblich weiterentwickelt, und in Duderstadt entstand ein eigenständiger Schutzengel-Verein. Bis heute haben sich rund 8000 Jugendliche allein im Untereichsfeld nach entsprechenden Schulungen als Schutzengel registrieren lassen.

Außerdem legte der Duderstädter Präventionsbauftragte immer großen Wert auf Networking, beispielsweise mit dem PaC-Projekt (Prävention als Chance), mit der Stadtentwicklungsgesellschaft Duderstadt 2030, mit Schulen, Vereinen, Seniorenheimen und Jugendeinrichtungen.
Und was hat sich verändert in den vergangenen 20 Jahren Präventionsarbeit?
„Die Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss sind weniger geworden, allerdings ist Ablenkung durch Mobiltelefone als häufige Unfallursache dazugekommen“ sagt Dierk Falkenhagen. Auch dazu wird an Schulen gezielt informiert. Unter anderem in den Schutzengelschulungen wurde dieser Aspekt mit aufgenommen.

Doch wie sieht es mit Gewalt aus?
„Nach meiner persönlichen Einschätzung ist die Gewalt nicht mehr geworden, aber anders. Nicht die rohe Gewalt steht heute im Vordergrund, sondern Gewalt im digitalen Bereich. Dazu gehören Beleidigungen, Mobbing, Nötigung, Bedrohung, Kinderpornografie, Verstöße gegen Urheberrechte und mehr. In diesen Bereichen werden heute mehr Kinder zu Straftätern“, sagt Dierk Falkenhagen. Auch hier helfe vor allem Aufklärung und Prävention sowie ein guter Austausch mit Eltern, Schulen und Initiativen.
Für Dierk Falkenhagen wurde mit Polizeihauptkommissar Wolfgang Otto bereits ein Nachfolger als Präventionsbeauftragter benannt. Zunächst wird er die Kernaufgaben an Grundschulen übernehmen und nach entsprechenden vorgeschriebenen Fortbildungen, beispielsweise zu den Themen Mediensicherheit, Kriminalprävention oder in den PaC-Seminaren, wird sich sein Aufgabengebiet erweitern.
Dierk Falkenhagen steht auch in Zukunft Institutionen, Vereinen etc. mit Informationsveranstaltungen, Schulungen oder auch Vorträgen zur Verfügung – dann als Pensionär und Privatperson. „Meine Erfahrungen und mein Wissen gebe ich gern weiter“, sagt er, aber freut sich auch auf etwas mehr Zeit für Familie, Enkelkinder, Sport, Reisen und Privatleben.
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