Im Rahmen der Seelischen Gesundheitswoche hat der AWO Bürgertreff in Duderstadt einen öffentlichen Vortrag der Psychologin Meera Drude angeboten. Dabei ging es um psychische Resilienz, also um die Widerstandskraft der Seele. Das Interesse am Thema war so groß, dass Stefan Kanig, Leiter der Trialog Tagesstätte, auch noch sein Büro ausräumen musste, um genügend Sitzplätze für die Gäste zu schaffen.
Psychische Resilienz beschrieb Meera Drude so: „Es ist die Fähigkeit, Krisen zu meistern und an ihnen zu wachsen.“ Die Sehnsucht nach genau dieser Widerstandskraft, nach Stärkung und Rückhalt, scheint heute sehr verbreitet zu sein, wenn man die hohe Teilnehmerzahl aus allen Altersgruppen im AWO Bürgertreff als Maßstab nimmt. Und auch die Psychologin bestätigte, dass in der von Krisen geschüttelten Welt und nach der dreijährigen Isolierung während der Corona-Pandemie die Menschen zunehmend an Ängsten, Einsamkeit und Ohnmachtsgefühlen litten. Wie kommt man also heraus aus dem Loch, in dem man sich vielleicht schon kraft- und mutlos verkrochen hat?
Psychische Resilienz ist erlernbar
Meera Drude machte Hoffnung, denn Resilienz sei erlernbar, sagte sie, und zwar unabhängig vom Alter. Dazu erläuterte sie mehrere Resilienzfaktoren: Die Wahrnehmung der eigenen Stärken sei ein Weg zu mehr Optimismus. Die Akzeptanz – auch der eigenen Ängste – führe zur besseren Selbstwahrnehmung. Lösungen seien durch Träumen, Planen und das Teilen miteinander zu finden. Wer die eigenen Bedürfnisse erkenne, sei schon auf dem Weg zur Selbstverantwortung und Selbstfürsorge. Netzwerke können positive Vorbilder schaffen oder das Bewusstsein fördern, selbst Vorbild zu sein und entsprechend verantwortungsvoll zu handeln. Die Selbstverantwortung sei auch ein Schritt zur Zukunftsorientierung, wobei die eigene Aktivität die Haltung zum Morgen bestimme. Improvisationstalent beinhalte die Fähigkeit, sich auf Unbekanntes einzulassen. Und ganz wichtig sei außerdem, den Humor zu pflegen!
„Wer kämpft, fühlt sich selbst nicht mehr“
Meera Drude nahm den biegsamen und fest verwurzelten Bambus als Sinnbild für Resilienz: Der Bambus kämpft nicht gegen den Wind, er nimmt ihn an, lässt sich beugen, aber nicht brechen. Und er richtet sich wieder auf, sobald der Wind nachlässt. „Wer kämpft, fühlt sich selbst nicht mehr“, appellierte sie, Gegebenheiten anzunehmen und zu lernen, damit umzugehen. Um einen Zugang zu den eigenen Bedürfnissen zu schaffen, brauche es Entschleunigung und die Entscheidung, etwas für sich selbst zu tun. Das könne ein Spaziergang im Wald sein, Sport, Musizieren oder auch ein Ehrenamt als Erlebnis von Selbstwirksamkeit.
Fazit des Abends: Wer psychische Resilienz gelernt hat, erkennt sein Selbst, weiß um seine Wurzeln, zerbricht nicht an den Widrigkeiten des Lebens und steigert sein Wohlbefinden und Mitgefühl.
Der AWO Bürgertreff hat mit dem Vortrag seine erfolgreiche Reihe von Gesundheitsveranstaltungen fortgesetzt. Der Verein für Gesundheitsförderung Duderstadt hat das Engagement mit einer Spende von 400 Euro unterstützt.
Infos bei: https://awo-goettingen.de/buergertreff-duderstadt
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