Aus einem ehemaligen Zoo bei Worbis ist 1996 mit dem Alternativen Bärenpark Worbis ein Tierschutzprojekt entstanden, wo misshandelte und in Not geratene Bären und weitere Tiere ein würdevolles Zuhause finden – ganz aktuell aus sehr traurigem Anlass:
Durch den Krieg in der Ukraine haben auch viele Tiere ihr Zuhause und ihren Lebensraum verloren. Nun hat das Bärenpark-Team drei Bären aus dem Kriegsgebiet gerettet. Die durchaus gefährliche Aktion konnte dank der guten Zusammenarbeit internationaler Tierschutzorganisationen erfolgreich durchgeführt werden.
Der Geschäftsführer des Bärenparks, Bernd Nonnenmacher, ist mit seinem Team Rüdiger Schmiedel, Heike Lindemann, Sabrina Schröder und Christopher Schmidt am Montag, 14. März 2022, in aller Frühe aufgebrochen an die polnisch-ukrainische Grenze. Sie folgten dem Hilferuf aus der Ukraine. Das Tierschutzprojekt White Rock Shelter nahe Kiew musste – wie viele andere Einrichtungen für Wildtiere in der Kriegsregion – evakuiert werden. Die Bären konnten zu einem Bärenrefugium der Organisation Vier Pfoten nahe er polnischen Grenze gebracht werden, jedoch war die Einrichtung sehr schnell komplett überfüllt. So wurde auch die Stiftung für Bären in Deutschland um Hilfe gebeten.
„Es kam zu einer sagenhaften Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. Hand in Hand organisierten Tierschutzorganisationen einen Transport aus dem Kriegsgebiet nach Deutschland“, erklärt Christopher Schmidt, der auch für die Öffentlichkeitsarbeit im Bärenpark zuständig ist.
Das Worbiser Team sagte sofort Hilfe zu und brach nach kurzen Vorbereitungen mit den bärensicheren Transportboxen auf, um im Niemandsland zwischen Polen und der Ukraine die beiden jungen Braunbären Popeye und Asuka sowie die Kragenbärin Malvina in Empfang zu nehmen.
Allerdings erschwerte sich die Lage vor Ort. In der Nähe des geplanten Übernahmetreffpunkts fanden Luftangriffe auf einen nahen Militärstützpunkt statt. „Kurzerhand entschied sich die Stiftung für Bären dafür, die Tiere direkt aus dem Kriegsgebiet abzuholen“, berichtet Christopher Schmidt. Während ein Teil des Teams an der polnischen Grenze ein Lager aufschlug, fuhren Bernd Nonnenmacher und Rüdiger Schmiedel ins Kriegsgebiet und trafen in der Region Lwiw auf zahlreiches Militär und Milizen. Dennoch gelang es ihnen unter diesen schweren Umständen, die Bären unbeschadet abzuholen. Auf der Rückreise galt es vor allem, bürokratische Hürden zu überwinden. 13 Stunden vergingen, ehe sie die Grenze mit den Bären passieren konnten. Erst am Mittwochmorgen gegen 4 Uhr trafen sie wieder auf ihre wartenden Kollegen und konnten dann den langen Rückweg antreten.
„Mit Schrecken wurden wir Zeuge, welches unfassbares Leid – sowohl bei Tier als auch beim Menschen – dieser schreckliche Krieg verursacht. Aber es ist bemerkenswert, welcher Zusammenhalt in dieser Krise entsteht. Unter Einsatz des eigenen Lebens wird Hilfe geleistet. Was möglich ist, wenn Tierschutzorganisationen Hand in Hand und unter enormen Druck zusammenarbeiten, ist überragend. Wir bedanken uns bei den beteiligten Organisationen. Wir stehen in vollster Solidarität mit dem ukrainischen Volk und hoffen von Herzen, dass dieser furchtbare Krieg ein baldiges Ende findet!“, machte der Einsatzleiter Bernd Nonnenmacher die Solidarität auch über Facebook öffentlich deutlich.
Popeye und Asuka sollen vorerst im Alternativen Bärenpark Worbis bleiben, die Kragenbärin Malvina wird im Tieschutzzentrum Weidefels des Deutschen Tierschutzbundes untergebracht. „Wie lange die beiden Jungbären im Alternativen Bärenpark Worbis bleiben werden, ist von der Lage in der Ukraine abhängig“, erklärt Christopher Schmidt. Die Aktion ist eine Zusammenarbeit zwischen der Stiftung für Bären, White Rocks Shelter, Bears in Mind Netherlands, Vier Pfoten, dem Deutschen Tierschutzbund und der polnischen Koordinatorin Agnieszka Sergiel.
Stiftung für Bären – Hilfe für Wildtiere, die den Menschen zu nahe kamen
Nicht nur bei Tierrettungsaktionen ist das Team des Bärenparks im Einsatz. Information und Aufklärung über Wildtiere steht vor allem auf der Agenda, um in der breiten Bevölkerung ein Bewusstsein für artgerechtes Leben zu schaffen und Vorurteile abzubauen.
Die erste vierbeinige Bewohnerin war Bärin Maika, die noch 1992 im damaligen Tierpark Worbis geboren wurde. Sie kannte wie viele andere Zoo- und Zirkusbären nur ein kleines Gehege mit hartem Betonboden. Bei einer solchen nicht artegerechten Haltung kommt es zu motorischen und psychischen Störungen bei den Tieren.
Erst mit der Umwandlung des Worbiser Zoos in einen alternativen Bärenpark durch die „Aktion Bärenhilfswerk“ begann auch für Maika ein neues bärenstarkes Leben. In einem naturbelassenen großen Gelände tappte sie zum ersten Mal über Waldboden, konnte im See planschen, Höhlen bauen und sich zurückziehen, wenn sie ihre Ruhe haben wollte.
Im Laufe der Jahre, vor allem nach der Gründung der „Stiftung für Bären“ im Jahr 2004, konnten viele weitere Bären aus fürchterlichen Haltungsbedingungen befreit werden und in den Alternativen Bärenpark einziehen. Das Freigelände wurde stetig erweitert, und auch andere Tierarten wie Wölfe, Wolfshybriden und alte Haustierrassen wurden mit aufgenommen. 2010 gründete die Stiftung noch einen Wolf- und Bärenpark im Schwarzwald, wo vermehrt für Wölfe und Luchse Platz geboten wird, deren Auswilderung aus verschiedenen Gründen nicht mehr möglich ist.
Auch der Bärenwald bei Worbis wächst weiter. Zurzeit entsteht im Nordwesten des bisherigen Geländes ein neues ca. 3,5 ha großes Areal für Bären aus nicht artgerechter Haltung. „Unser bewaldetes Gelände ist so groß, dass die Besucher nicht unbedingt den Anspruch haben können, jederzeit alle Tiere zu sehen. Aber es wird allgemein als positiv wahrgenommen, dass die Tiere auch die Möglichkeit zum Rückzug haben“, erklärt Christopher Schmidt. Die Erweiterung des Geländes wurde nötig, um mehr Tiere aufnehmen zu können und ihnen ein möglichst naturnahes Leben zu ermöglichen. „Es werden uns immer noch viel zu viele Tiere aus Zoos und anderen Stellen angeboten“, sagt Christopher Schmidt.
Neue Bewohner des Bärenparks müssen zunächst in die Quarantänestation. Erst wenn sie fit genug für den Freigang sind, werden sie schonend an ihre neue Umgebung gewöhnt. „Manche Bären müssen es erst lernen, auf unebenem Gelände zu laufen, wenn sie bisher nur Betonboden kannten“, erklärt der Fachmann. Es wird auch beobachtet, welche Tiere miteinander harmonieren, und wer sich lieber aus dem Weg geht oder gar anfeindet. Es gibt im Bärenpark zahlreiche Möglichkeiten, den Tieren unterschiedliche Bereiche in dem naturbelassenen Gelände zur Verfügung zu stellen, um Revierkämpfe zu vermeiden.
Die Fußgängerwege werden durch hohe Gitterzäune und Elektrolitzen abgesichert. Raubtiere sind eben keine Streicheltiere und haben naturgegebene Kräfte, die dem Menschen auch beim „Spielen“ gefährlich werden könnten. Da die Tiere im Bärenpark außerdem den Kontakt zu Menschen schon aus ihrer früheren Haltung gewohnt waren, haben sie nicht allzu große Scheu. In freier Wildbahn würden sie sich nicht mehr zurechtfinden und dort möglicherweise auch auf Menschen zukommen. Letztendlich geht diese Nähe für das Tier meistens nicht gut aus. Die Bären in Worbis scheinen aber zu wissen, dass sie in ihrem Wald in Sicherheit sind. Neugierig räkeln sie sich neben den Wegen in der Frühlingsssonne oder erfrischen sich beim Bad im Waldtümpel. Dann haben die Besucher Gelegenheit, das bärige Verhalten aus nächster Nähe zu beobachten.
Wer sich etwas Zeit lassen möchte, kann auch bei einem Imbiss auf der Aussichtsplattform im Bistro Bärenwald den Tieren zuschauen. Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahren schon umfassend modernisiert und hat seine Angebote auf Nachhaltigkeit durch regionale und auch fleischfreie/vegane Speisen umgestellt. Zurzeit wird gerade die Außenterrasse im vorderen Bereich erweitert.
Zum Ende der Runde durch den Bärenpark werden die Besucher von fröhlichem Gezwitscher in eine riesige Voliere mit urwaldartigem Bewuchs gelockt. Hier wohnen nicht etwa heimische Singvögel, sondern Sittiche und ein paar Kanarien – ebenfalls alle aus nicht artgerechter Haltung. Die äußerst geselligen Vögel können hier fliegen, in den Zweigen umherklettern, sich gegenseitig das Federkleid richten oder sich liebevoll beschnäbeln. Auch hier soll auf artgerechte Haltung der Tiere aufmerksam gemacht werden, und ein kleiner Käfig im Wohnzimmer mit einem Vogel in Einzelhaft ist nicht artgerecht.
„Wir züchten keine Tiere im Bärenpark, sondern bieten denen, die bisher kein gutes Leben hatten, eine möglichst naturnahe Alternative zur freien Wildbahn. Dies gilt allerdings nur für Tiere, die absolut nicht mehr in der freien Wildbahn leben können“, sagt Christopher Schmidt. Aufklärung und Information für möglichst breite Bevölkerungsschichten über Bären, Wölfe oder Luchse ist ein wichtiger Aspekt der Stiftung für Bären. Es werden Seminare zu verschiedenen Umweltthemen angeboten, Führungen, Beratungen, Diskussionsforen und auch Freizeitaktivitäten für die ganze Familie. (Infos HIER)
Auch die Facebookseite informiert regelmäßig über Aktionen und das Leben der Tiere im Alternativen Bärenpark Worbis:
Alternativer Bärenpark Worbis | Facebook
Ostern unter Bären!
Am Ostersonntag, am 17. April 2022, gibt es wieder ein ganz besonderes Angebot. Mit Theater, Spielstraße, Glücksrad, Grillgut und natürlich Ostereiersuche verspricht das Bärenpark-Team von 11 bis 16 Uhr viel Spaß für kleine und große Bärenfreunde. Infos HIER.
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