Bis Februar 2026 wurden in der Duderstädter Kulturstube Bücher ausgestellt. Das Besondere: All diese Werke stammten aus der DDR und wurden von Pastor Martin Weskott nach der Grenzöffnung vor der Vernichtung gerettet. Im Rahmen der Ausstellung wurden auch Kinderbücher aus der DDR verkauft, und die Erlöse, nämlich 644 Euro, wurden nun für „Brot für die Welt“ gespendet.
Seit 1991 hat es sich Martin Weskott zur Aufgabe gemacht, DDR-Literatur für die Nachwelt zu bewahren. Die Bücher galten nach der Wiedervereinigung als überholt. Büchereien, Buchhandlungen und Verlage sortierten sie aus, das Interesse der Leserschaft konzentrierte sich auf West-Literatur. „Als ich damals in der Zeitung ein Foto von der Müllhalde in Plottendorf bei Leipzig mit Bergen von Büchern sah, bin ich losgefahren, um diese Werke für die Nachwelt zu erhalten. Bücher gehören nicht auf den Müll“, erklärte der „Bücherpastor“ bei der Spendenübergabe in der Duderstädter Buchhandlung Sesecke. Inhaberin Annegret Maring und ihr Ehemann Rainer Maring betreiben die Kulturstube und haben die Bücher-Ausstellung – umrahmt von Werken des Malers ELShalom Wieberneit – initiiert, um auch die Geschichte der ungewöhnlichen Büchersammlung zu erzählen. Denn für Martin Weskott sind die Bücher „Zeugnisse einer Kultur, Stimmen einer Zeit, Worte, die Erinnerung tragen.“
Literatur – dem Vergessen entzogen
Ausführlich widmet sich der Literaturwissenschaftler Carsten Gansel dem Verlust des literarischen Erbes der DDR in seinem Werk „Ausradiert? Wie die Literatur der DDR verschwand“ (Reclam 2026). Darin schreibt er über den „Bücherpastor“: „In den immer weiter anwachsenden Bücherbergen entdeckte Weskott eine realistische Literatur von hoher sprachlicher Sensibilität, und hinter den Büchern, die sie enthielten, spürte er die Komplikationen ihrer Entstehung. Er interessierte sich dafür, wie Texte, die nach dem Klischee vom totalitären Staat niemals hätten erscheinen dürfen, im Zusammenspiel von Autoren und Lektoren doch ans Licht getreten waren.“ Und Gansel betonte, dass Martin Weskott die in der DDR gedruckten Bücher nicht nur vor der Vernichtung bewahrte, sondern sie dem Vergessen entzog.
Mit Büchern Not lindern
Von 1979 bis 2017 war Martin Weskott Pastor der Kirchengemeinde St. Johannes in Katlenburg. Dank seiner Initiative konnten bisher mehr als 800.000 Bücher gerettet werden. In der „Bücherburg“ auf der mittelalterlichen Katlenburg, die über dem gleichnamigen Ort thront, haben all diese Werke ein neues Domizil gefunden – und werden weitergegeben. Jeden Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr ist es dort möglich, Literatur zu kaufen, und die Erlöse werden ebenfalls an „Brot für die Welt“ gespendet. So helfen die einst weggeworfenen Bücher, Not zu lindern.
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