Kampf der Katholikinnen: Streik und Demo in Hildesheim

 

Den Frauen in der katholischen Kirche reicht es. Seit langem kämpfen sie für Gleichberechtigung – auch schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1962. Geändert hat sich für die Katholikinnen bisher fast nichts. Noch immer sind sie ausgeschlossen von den hohen Ämtern in der Kirche, stemmen jedoch im Ehrenamt den Löwenanteil der karitativen Arbeit und der Organisation in den Gemeinden. Nach dem Umgang der katholischen Männergesellschaft mit der Aufklärung von Skandalen und Missbrauchsfällen kommt das Fass bei den Frauen zum Überlaufen. „Es ist fünf nach zwölf! Wir können und wollen nicht noch länger warten“, steht auf dem Flyer, mit dem die Frauen im Bistum Hildesheim zur Demo am 22. Februar 2020 aufrufen und sich der Initiative „Maria 2.0“ anschließen. Mit ihren Forderungen zeigen sie sich dabei weitaus moderner als die männlichen Würdenträger:

Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche

Aufhebung des Pflichtzölibats

Anpassung der kirchlichen Sexualmoral an die Lebenswirklichkeit der Menschen

Anerkennung der Zuständigkeit von staatlichen Gerichten bei jeglichen Missbrauchsdelikten

Uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden

Treffpunkt und Kundgebung ist um fünf nach zwölf (12.05 Uhr) in der Hildesheimer Fußgängerzone (Ecke Hoher Weg/ Rathausstraße). Von dort bewegt sich dann der Demonstrationszug zum Bischofshaus.

 

 

Mit ihren Forderungen wollen die Katholikinnen den Reisesegen für Bischof Heiner zur Bischofskonferenz (3. bis 5. März in Mainz) aussprechen. „Wir erwarten, dass diese ursprünglich von der Initiative Maria 2.0 in Münster benannten Themen von unserem Bischof Heiner sowie von allen deutschen Bischöfen ernst genommen und aufgegriffen werden. Deshalb werden Katholik*innen des Bistums Hildesheim am 22. Februar 2020 diese Solidaritätserklärungen in Hildesheim persönlich und öffentlich an Bischof Heiner übergeben“, erklären die Unterstützerinnen der Aktion auf ihrem Flyer.

 

 

Maria 2.0 ist 2019 aus einem Lesekreis gläubiger Katholikinnen in Münster entstanden. Die Frauen hatten über die aktuelle Situation in der Kirche gesprochen – und äußerten ihr Entsetzen über den Umgang der meisten Amtsinhaber mit den Tätern, Mittätern und Opfern in den zahlreichen Missbrauchsfällen. Sie hatten es satt, dass „seit Jahren immer die gleichen Fragen diskutiert werden und dass trotz der allseits beteuerten Reformbereitschaft die Abschaffung bestehender männerbündischer Machtstrukturen nicht in Sicht ist“ – so der Rückblick auf die Anfänge der Intiative, zusammengefasst auf der Webseite Maria 2.0.

 

Auch Maria wurde auf das mittelalterliche Frauenbild der katholischen Kirche reduziert: Fromm, mütterlich und schweigsam soll sie sein – die Frau. (Bildquelle Wikipedia)

 

Aus der kleinen Gruppe wurde eine freie Initiative von Frauen in allen katholischen Gemeinden. Eine Online-Petition wurde gestartet, wobei bisher mehr als 42.000 Unterschriften zusammenkamen. Und es kam zum Kirchenstreik: Eine Woche im Mai 2019 weigerten sich die Frauen, eine Kirche zu betreten. „Wir alle wissen, wie leer dann die Kirchen sein werden und wie viel Arbeit unerledigt bleiben wird. Wir bleiben draußen!“, so der Aufruf zum Streik von den Frauen und auch Männern, welche die Petition schon unterschrieben hatten. Im Oktober 2019 folgte ein offener Brief an Papst Franziskus. Neben den oben genannten Forderungen solidarisierten sich die Frauen mit Maria: „Frauenlob wird gern von den Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen. In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen. Holen wir sie vom Sockel! In unsere Mitte. Als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut wie wir.“ So stand es im Brief, der an allen Kirchentüren hängen sollte, um die Frauen zur Aktion Maria 2.0 aufzurufen.

 

Maria soll aus der Nische, von ihrem Sockel, in die Mitte der Frauen geholt werden. (Hier die „Pieta“ in der Stiftskirche St. Servatius in Quedlinburg)

 

Ein Kirchenaustritt ist keine Option für die Katholikinnnen. Sie wollen kämpfen „für einen Weg, der es den nachfolgenden Generationen nicht nur erträglich macht, sondern sogar Freude, in dieser Kirche zu bleiben“, verkünden die Frauen. Jeden Mai und jeden Oktober soll es weiterhin Aktionszeiträume geben.

Wer aus dem Dekanat Untereichsfeld zur Demonstration am 22. Februar 2020 nach Hildesheim mitkommen möchte, kann Kontakt zur Frauenseelsorgerin Beatrix Michels aufnehmen. Dann soll gemeinsam entschieden werden, von wo aus und wie nach Hildesheim gefahren wird. E-Mail an frauenseelsorge@kath-kirche-untereichsfeld.de. Veranstalter ist die Projektgruppe „Frauen bewegen Kirche“ der Dekanate Untereichsfeld und Göttingen. Die Demo wird von der Initiative Maria 2.0 organisiert in Koopertion mit dem FrauenKirchOrt St. Magdalenen sowie dem Diözesanrat der Katholik*innen im Bistum Hildesheim und zahlreichen katholischen Verbänden.

 

Prozession der Konzilsväter beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 in Rom. Frauen wurden nur als nicht-stimmberechtigte Zuhörerinnen zugelassen. (Bildquelle: Wikipedia)

 

Der Kampf der Frauen für ihre Rechte in der katholischen Kirche ist nicht neu. Bereits 1962 forderten sie im Zweiten Vatikanischen Konzil volle Gleichberechtigung beim Diakonat und Priesteramt. Allerdings wurden Frauen erst bei der 3. Sitzungsperiode zugelassen, und dann auch nur als nicht stimmberechtigte Zuhörerinnen. Geändert hat sich also bisher nicht viel für die Frauen in der katholischen Kirche. 

 

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