Im Krankenhaus St. Martini wurde erstmals ein kabelloser Herzschrittmacher erfolgreich implantiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen sind keine Kabelverbindungen zwischen Gerät und Herzmuskel erforderlich. Dies kann das Risiko für Komplikationen wie Infektionen oder technische Probleme an den Elektroden reduzieren. Das Ärzteteam zeigte sich mit dem Verlauf der ersten Implantation sehr zufrieden.
Die Implantation wurde vom leitenden Kardiologie-Oberarzt Dr. Thomas Peter durchgeführt, der für dieses neue Verfahren eine entsprechende Zertifizierung erworben hat. Die spezielle Qualifikation ist Voraussetzung für den Einsatz dieser Technologie. Auch drei Mitarbeitende aus dem pflegerischen Team des HKL haben die intensiven und obligatorischen Schulungen für die Assistenz bei diesem Eingriff mit großem Einsatz und Engagement erfolgreich absolviert.
„Der kabellose Herzschrittmacher ermöglicht uns eine schonendere Versorgung ausgewählter Patientinnen und Patienten“, erklärt Dr. Peter. „Insbesondere für ältere Menschen oder Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko kann dieses Verfahren eine sinnvolle Alternative darstellen.“ Begleitet wurde der Eingriff durch Jacky Mediavilla Asenjo, Vertreterin des Medizintechnikunternehmens Medtronic, das die innovative Technologie entwickelt hat. „Kabellose Herzschrittmacher sind das Ergebnis langjähriger technologischer Entwicklung und eröffnen neue Möglichkeiten in der Therapie von Herzrhythmusstörungen“, sagt Jacky Mediavilla Asenjo.
„Die erfolgreiche Premiere unterstreicht zudem die Bedeutung innovativer medizinischer Angebote auch im ländlichen Raum und trägt dazu bei, Patientinnen und Patienten wohnortnah eine hochwertige Behandlung zu ermöglichen“, betont Kardiologie-Chefarzt dr. Med. (Univ. Pristina) Fatbardh Hasku.
Was unterscheidet den Schrittmacher von herkömmlichen Systemen?
Wenn das Herz zu langsam schlägt
Eine Bradykardie liegt vor, wenn das Herz dauerhaft zu langsam schlägt. In diesem Fall kann es den Körper nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Mögliche Folgen sind Schwindel, Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder Ohnmachtsanfälle. Eine häufige Ursache ist der sogenannte atrioventrikuläre Block (AV-Block), bei dem die elektrische Signalübertragung zwischen Herzvorhof und Herzkammer gestört oder unterbrochen ist. In Deutschland werden jährlich rund 35.000 Patientinnen und Patienten mit AV-Block mit einem Herzschrittmacher versorgt.
Standardtherapie Herzschrittmacher
Herzschrittmacher gelten als Standardtherapie bei Bradykardie. Sie überwachen den Herzrhythmus kontinuierlich und geben bei Bedarf schwache, für die Betroffenen nicht spürbare elektrische Impulse ab, um den Herzschlag zu stabilisieren und einen zu langsamen Rhythmus zu korrigieren.
Konventionelle Systeme
Herkömmliche Herzschrittmacher bestehen aus einem Aggregat mit Batterie und Elektronik sowie ein oder zwei Elektroden, die das Gerät mit dem Herzen verbinden. Das Aggregat wird unterhalb des Schlüsselbeins in einer sogenannten Schrittmachertasche unter der Haut eingesetzt. Die Elektroden werden von dort bis ins Herz geführt.
Herzschrittmacher ohne Elektroden
Das System Micra AV ist ein miniaturisierter Herzschrittmacher, der direkt im Herzen implantiert wird. Mit einer Länge von 24 Millimetern und einem Durchmesser von 9 Millimetern ist das System deutlich kleiner als konventionelle Schrittmacher. Die Implantation erfolgt minimalinvasiv über einen Katheter durch die Leistenvene. Ein Hautschnitt im Brustbereich, eine Schrittmachertasche und Elektroden sind nicht erforderlich.
Besonderheit bei AV-Block
Der neuartige Schrittmacher wurde speziell für Patientinnen und Patienten mit AV-Block weiterentwickelt. Das System erkennt die Aktivität des Herzvorhofs und ermöglicht eine koordinierte Stimulation von Vorhof und Herzkammer. Dadurch kann die natürliche Synchronität zwischen beiden Herzkammerabschnitten unterstützt werden, wenn die körpereigene Signalweiterleitung gestört ist.
Patientinnen und Patienten profitieren
Das System kommt ohne Elektroden und ohne die bei herkömmlichen Herzschrittmachern übliche Schrittmachertasche unter der Haut aus. Implantiert wird es minimalinvasiv über die Leistenvene direkt ins Herz. Dadurch entstehen keine sichtbaren Hinweise auf ein Implantat im Brustbereich. Das System ist zudem für Ganzkörper-MRT-Untersuchungen geeignet und verfügt über eine Batterielaufzeit von etwa 8 bis 13 Jahren. Klinische Studien belegen hohe Implantationserfolgsraten bei gleichzeitig niedrigen Dislokations- und Infektionsraten.
Titelbild: Pflegerische HKL-Leiterin Doreen Zosel, Ltd. Oberarzt Dr. med. Thomas Peter, Chefarzt Dr. med. Fatbardh Hasku und Jacky Mediavilla Asenjo vom Medizintechnikhersteller freuen sich über High-Tech im Eichsfeld (Foto: Franziska Watterott, St. Martini)
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