Am 1. März 1846 wurde die Sparkasse Duderstadt gegründet. 2021 feiert sie ihr 175-jähriges Bestehen – zwar nicht wie erhofft mit Sektempfang und vielen Gästen, dafür aber mit einer großen Ausstellung zu ihrer wechselvollen Geschichte in enger Verknüpfung mit der Region. Und ein weiteres Highlight: Alle Ortschaften im Geschäftsgebiet erhalten 1750 Euro zur freien Verfügung und weitere 1750 Euro für einen ausgelosten Verein im Ort.
„Wir für Hier“ heißt das Motto im Jubiläumsjahr. Allerdings sei dies auch als Selbstverständnis für die Region zu vestehen, erklärten die Sparkassenvorstände Uwe Hacke und Markus Teichert am 1. März 2021, dem 175. Jahrestag der Sparkassengründung. Coronabedingt konnte der Pressetermin nur in kleinstem Rahmen stattfinden. Anwesend waren als Vertreter der beiden Trägerschaften, dem Landkreis Göttingen und der Stadt Duderstadt, Landrat Bernhard Reuter und Bürgermeister Thorsten Feike.
„175 Jahre haben wir nicht alleine geschafft, sondern gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, Gremienvertreter*innen und all unseren Mitarbeiter*innen, die seit der Gründung an diese Sparkasse geglaubt haben“, erklärte Markus Teichert. Um der Region etwas zurückzugeben, sollen insgesamt 175.000 Euro gespendet werden. Jede der 31 Ortschaften im Geschäftsgebiet soll 1750 Euro zur freien Verfügung erhalten. Außerdem soll in jeder der 31 Ortschaften ein Verein (welcher, entscheidet das Losverfahren) mit weiteren 1750 Euro unterstützt werden.
Bis zum 30. April 2021 können sich die Vereine online bewerben.
Landrat Bernhard Reuter, der auch Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse ist, betonte ebenfalls die enge Bindung der Sparkasse zur Region und machte die Unterschiede zu anderen Banken deutlich: Die Sparkasse sei gemeinnützig und werde kommunal getragen. „Das Geld wird nicht an irgendwelche Eigentümer ausgeschüttet, sondern bleibt in der Region“, sagte der Landrat.
Bürgermeister Thorsten Feike sprach auch aktuelle Entwicklungen an, wobei sich die verlässliche Partnerschaft zwischen Sparkasse und der Stadt auch in schwierigen Zeiten bewiesen habe, sowohl in Finanzmarktkrisen als auch jetzt in der Pandemie.
Sparkassenvorstand Uwe Hacke fasste die spannende Historie der Duderstädter Sparkasse seit ihrer Gründung am 1. März 1846 kurz zusammen und verwies dabei auf die Ausstellung, die nun fertig aufgebaut in der Kundenhalle steht. Wegen des Lockdowns seien aber zurzeit noch keine Besucher direkt an den insgesamt acht Themenstationen zugelassen. „Wir hoffen auf baldige Lockerungen“, sagte Uwe Hacke, vertröstete aber auf die digitale Variante der Ausstellung, wo eine Timeline mit Infos und Bildmaterial aufzurufen ist unter https://www.spkdud-wirfuerhier.de/historie.
Nach der hoffentlich bald möglichen offiziellen Eröffnung der Ausstellung sollen bis zum 15. Oktober 2021 Kunden und Besucher im Foyer der Hauptgeschäftsstelle Bahnhofstraße mitgenommen werden auf eine Zeitreise, die eng mit der Geschichte der Region verknüpft ist.
Die acht Themenstationen der Ausstellung „175 Jahre Sparkasse Duderstadt“ führen durch die geschichtlichen Epochen, die auch das Eichsfeld geprägt haben. Mit Text- und Bildmaterial wird ein historischer Überblick geboten. Landwirtschaftsgeräte, Rechenmaschinen, eine Wanne voller Reichsmark, ein Wohnzimmer des Wirtschaftswunders, ein Grenzpfahl der DDR, Euro-Starterkits und digitale Bildschirme gehören zu den zahlreichen Exponaten, die einen lebendigen Einblick in die Arbeit der Sparkasse und das Lebensgefühl der Menschen im Eichsfeld geben.
Im Gründungsjahr der Sparkasse 1846 veränderte die Industrialisierung bereits viele Lebensbereiche auch im ländlichen Raum. Arbeitsfähige Eichsfelder zogen in die großen Ballungszentren, die Familien waren vom Lohn des Fortgezogenen abhängig. Wer konnte, legte ein paar Notgroschen beiseite, doch die waren oftmals auch nicht sicher vor Diebstahl, Bränden oder Kriegen.
Um der Armut entgegenzuwirken, forderte das Königreich Hannover im 19. Jahrhundert, städtische Sparkassen zu gründen. Die erste entstand bereits 1801 in Göttingen. Die Duderstädter waren bei der Umsetzung dieser Forderung zögerlich. Es folgten mehrjährige Verhandlungen zwischen dem Hildesheimer Magistrat und den Ratsherren. Erst als der offizielle Druck erhöht wurde, eröffnete die „Städtische Sparcasse“ am 1. März 1846 im Rathaus, in den Räumen der Stadtkämmerei.
In den ersten Jahren lief es jedoch schleppend. Die Menschen hatten nichts, was sie nach der Hungersnot im Eichsfeld 1847 und während der Deutschen Revolution 1848/49 sparen konnten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die wirtschaftliche Lage der Duderstädter, und das verzinste Sparen als Sicherheit für schlechte Zeiten erschien erstrebenswert. 1874 wurden in der Duderstädter Sparkasse bereits 600 Konten mit Einlagen von 110.000 Mark registriert.
Ein bescheidener Wohlstand kam dann mit der Anbindung an die Bahnstrecke 1889. In der Bahnhofstraße, aber auch an den anderen Zufahrtstraßen, entstanden in den folgenden Jahren die ersten Villen von geschäftstüchtigen Duderstädtern.
Im 20. Jahrhundert führte der Erste Weltkrieg in die wirtschaftliche Katastrophe. Es folgten Staatsbankrott, Inflation und große Not. In den 1930-er Jahren ging es dann kurzzeitig wieder bergauf. 1932 hatte sich die Sparkasse Duderstadt von der Stadtkämmerei getrennt, 1935 baute sie die erste eigene Geschäftsstelle in der Bahnhofstraße und 1936 folgte der Umzug an den heutigen Standort. Dann kam der Zweite Weltkrieg, und eine Generation erlebte schließlich zum zweiten Mal den völligen Verfall des Geldwertes, Hunger und Not.
Erst mit dem deutschen Wirtschaftswunder in der jungen Bundesrepublik kehrte das Vertrauen ins Sparen zurück. Man konnte sich wieder etwas leisten. Nun ging es nicht mehr um das nackte Überleben, sondern um das Erfüllen von Wünschen: eine neue Wohnungseinrichtung, technische Haushaltshilfen, ein Volkswagen und Urlaubsreisen waren die Ziele des Sparens.
Ab den 1960-er Jahren vergrößerte sich die Duderstädter Sparkasse zunehmend – baulich und mit der Eröffnung von Zweigstellen auf den Dörfern. Das kulturelle und soziale Leben in der Region wurde in vielerlei Hinsicht unterstützt und gefördert.
1971 wurde das 125-jährige Jubiläum mit einem großen Festakt im Duderstädter Rathaus gefeiert. In den 1980-er Jahren führten die politischen Umbrüche und die friedliche Revolution in der DDR schließlich zur Grenzöffnung. In der Duderstädter Sparkasse wurden Sonderschichten gefahren, um das Begrüßungsgeld auszuzahlen und auch die ostdeutschen Sparkassen technisch und personell zu unterstützen.
1996 – im Jahr des 150. Bestehens der Sparkasse Duderstadt – wurde das neue Hauptgebäude in der Bahnhofstraße eröffnet, das seitdem oft auch als Ort für Veranstaltungen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und mehr Aufmerksamkeit erregt hat.
Das neue Jahrtausend wurde geprägt von Wirtschaftskrisen, Flüchtlingswellen und schließlich der Corona-Pandemie. Aber es brachte auch riesige Fortschritte bei der Technik und Digitalisierung. Die Geschäftsabläufe der Sparkasse änderten sich grundlegend. Nahezu alle Bankgeschäfte lassen sich heute von zu Hause aus erledigen.
Weitere Infos zu Aktionen im Rahmen des Jubiläums „175 Jahre Sparkasse Duderstadt“ auf der eigens dafür eingerichteten Webseite: https://www.spkdud-wirfuerhier.de/
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