NS-Vergangenheit vs. Gewerbegebiet: Geführter Rundgang auf dem ehemaligen Schickert-Werksgelände in Rhumspringe

In Rhumspringe wird über die weitere Nutzung des Geländes der ehemaligen Schickert Werke kontrovers diskutiert. Während das Landesamt für Denkmalpflege die noch erhaltenen Gebäude und das Grundstück in die Liste der Kulturdenkmale aufnehmen möchte, haben die Besitzerin Leopoldine Tibus und der Gemeinderat ganz andere Pläne. Aus diesem Anlass lädt die Geschichtswerkstatt Göttingen e.V. zu einen Rundgang über das Werksgelände ein.

Von 1942 bis 1945 wurde in Rhumspringe die Zweigstelle der Bad Lauterberger Schickert Werke aufgebaut. Hier sollte Treibstoff für deutsche Kriegsflugzeuge hergestellt werden. Mit dem Bau der Fabrik waren rund 1800 Menschen beschäftigt, davon waren 80 Prozent Zwangsarbeiter aus anderen europäischen Ländern. Die Arbeitsbedingungen wurden von Überlebenden nach der Befreiung im April 1945 als menschenunwürdig geschildert. Hunger, Misshandlungen und Demütigungen standen auf der Tagesordnung. Aufgrund der katastrophalen Bedingungen erlebten einige Zwangsarbeiter*innen das Kriegsende nicht mehr.
Das Werk wurde allerdings nie als Treibstofffabrik in Betrieb genommen. Nach dem Krieg betrieb die Preussen Elektra hier ein Kraftwerk. 1976 kaufte der Bootsimporteur Tibus das gesamte Gelände. Einige Hallen wurden an weitere Gewerbetreibende vemietet. Die heutige Besitzerin Leopoldine Tibus und der Rhumspringer Ortsrat möchten das Gelände weiterhin als Gewerbegebiet nutzen. Sollte es in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen werden, müssten bestimmte Auflagen eingehalten werden. Für die Einschätzung des Denkmalschutzes spielt die NS-Vergangenheit des Werks eine zentrale Rolle.

Beim geführten Rundgang sollen folgende Fragen erörtert werden: Warum wurden die Schickert-Werke überhaupt in Rhumspringe gebaut? Was wurde hier produziert und von wem? Was davon war im Ort bekannt? Welche Spuren sind heute noch erhalten? Wie soll man mit Orten wie diesen umgehen? Ist der Denkmalschutz wichtiger als private und öffentliche wirtschaftliche Interessen?

Von der Geschichtswerkstatt erwarten Günther Siedbürger und Hans-Georg Schwedhelm interessierte Bürgerinnen und Bürger am Samstag, 15. April 2023, um 15 Uhr vor dem Gemeindebüro Rhumspringe, Schulstraße 2. Der ca. 2,5 km lange geführte Rundgang ist kostenfrei, allerdings teilweise nicht für Mobilitätseingeschränkte geeignet.

Infos: Zwangsarbeit in Niedersachsen

 

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